30 Jahre nach dem letzten Titel war es wieder soweit: Eintracht Frankfurt kürte sich am Samstagabend mit dem überraschenden 3:1-Sieg über Meister Bayern München zum DFB-Pokalsieger​. Trainer Niko Kovac, der im Sommer an die Isar wechseln wird, verabschiedet sich mit dem Titel. Nach der Partie schienen die Verantwortlichen der Hessen aufgrund der vorherigen Ausgangslage ein Stück weit fassungslos.


Noch vor wenigen Wochen verlor die Frankfurter Eintracht in der Bundesliga mit 1:4 bei Bayern München, obwohl die Hessen am 32. Spieltag auf eine Bayern-Elf trafen, die ohne einen Großteil ihrer Stammspieler antrat. Am gestrigen Abend gelang jedoch die Revanche, diesmal gegen das (fast) komplette Star-Ensemble der Bayern. Die Mannschaft von Niko Kovac verteidigte über 90 Minuten leidenschaftlich, überzeugte erneut durch ihre Willensstärke und münzte die Konterchancen eiskalt in Tore um - die Sensation war perfekt, Eintracht Frankfurt gewann mit 3:1 und sicherte sich den ersten Pokalerfolg seit der Saison 1987/88.


"Der Fußball schreibt die schönsten Geschichten. Ich freue mich für den Klub, die Fans und meine tolle Mannschaft", so der scheidende Trainer Niko Kovac, den es im Sommer nach München ziehen wird, laut ​hessenschau. Der 46-Jährige verlasse die Eintracht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, hielt allerdings fest: "Ich habe eine Mannschaft hinterlassen, die einen tollen Charakter hat. Es ist immer am schönsten, wenn es am erfolgreichsten ist."


Sport-Vorstand Fredi Bobic sprach derweil von einem "epochalen Sieg" seiner Mannschaft. "Für den Verein ist das unfassbar, auch für die Fans und die Stadt." Besonders die Art und Weise, wie die Frankfurter den Bayern Paroli boten, habe ihn überwältigt. "Wie wir gefightet haben. Es ist klar, dass man auch das nötige Quäntchen Glück braucht gegen so eine übermächtige Mannschaft."

Alles in allem könne sich Kovac "nicht besser verabschieden als mit so einem Titel", weshalb Bobic abschließend festhielt: "Was es uns als Verein bringt, ist unglaublich. In Frankfurt ist morgen Ausnahmezustand." Für Präsident Peter Fischer war der gestrige Sieg "das Maximum, was man erleben kann." Er sei "unendlich stolz und glücklich", zeigte sich aber schier fassungslos: "Da muss mich einer zwicken. Nachdem, was ich da erlebt habe, werde ich nie an einem Herzinfarkt sterben."


Doppel-Torschütze Rebic "froh"


Einer der Schlüsselspieler des Erfolgs war Ante Rebic. Der kroatische Stürmer fehlte in den vergangenen Wochen verletzungsbedingt, gab allerdings am letzten Spieltag bei der 0:1-Niederlage beim FC Schalke sein Comeback und bot bei seiner Rückkehr in die Startelf eine beachtliche Leistung. Als einzige Spitze war er auf seinen Geschwindkgkeitsvorteil gegen Niklas Süle und Mats Hummels angewiesen, machte von diesem Gebrauch und schlug mit zwei Toren gleich doppelt zu. "Ich bin froh, dass wir nach 30 Jahre den Pokal gewonnen haben", zeigte sich der 24-Jährige, der nach dieser Saison fest zur Eintracht wechseln wird, glücklich. Die Mannschaft habe es "verdient. Bayern ist immer Favorit, am Ende haben wir aber den Pokal gewonnen."

Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Final

               Nach der Partie wurde Ante Rebic (l.) zum 'Man Of The Match' gekürt 



Damit wird Eintracht Frankfurt nicht nur als Titelverteidiger in die kommende Spielzeit gehen, sondern zudem noch direkt in der Europa League vertreten sein, weshalb RB Leipzig als Tabellensechster schon in der zweiten Qualifikationsrunde starten muss. Für Kovac-Nachfolger ​Adi Hütter, der mit den Young Boys Bern den Meistertitel in der Schweiz gefeiert hat, wird die Aufgabe daher nur unwesentlich einfacher.