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2. Bundesliga

2. Bundesliga: Die viel zu frühe Prognose der Abschlusstabelle

Stefan Janssen
Spielball der 2. Bundesliga aus der vergangenen Saison.
Spielball der 2. Bundesliga aus der vergangenen Saison. / Sebastian Widmann/Getty Images
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Am Freitag beginnt sie, die wieder einmal stärkste 2. Bundesliga aller Zeiten. Wobei das in diesem Jahr sogar zutreffend ist wie noch nie. Vor allem das Aufstiegsrennen dürfte spannend und knapp werden, doch auch der Abstiegskampf (die Grenzen sind ab dem Mittelfeld fließend) dürfte einiges zu bieten haben. Auch die Qualität im unteren Bereich der Liga ist nicht übel, einen klaren Ausreißer gibt es nicht. Eine Prognose der Abschlusstabelle jetzt, wo noch 34 Spieltage vor uns liegen und so unglaublich viel passieren kann, wäre einfach viel zu früh - also machen wir es doch einfach mal!

18. Erzgebirge Aue

FC Erzgebirge Aue - Team Presentation
Die Mannschaft des FC Erzgebirge Aue. / Karina Hessland/Getty Images

Aue geht bereits in seine sechste Saison in der 2. Bundesliga in Folge, eine beachtliche Leistung für den kleinen Verein aus dem Erzgebirge. Der Klassenerhalt ist natürlich auch in der kommenden Saison das Ziel, doch in dieser hochklassigen Liga dürfte es schwierig werden, zumal sich Aue immer strecken muss, um in der Liga zu bleiben. Außerdem hat man mit Florian Krüger und Pascal Testroet seine besten Angreifer verloren. Hier muss Aue definitiv noch nachlegen. Auf der Trainerbank sitzt seit diesem Sommer der erst 33-jährige Aleksey Shpilevski, der in Kasachstan 2020 Meister wurde.

17. FC Ingolstadt

FC Ingolstadt.
Die Mannschaft des FC Ingolstadt 04. / Alexandra Beier/Getty Images

Nach dem Aufstieg erfolgte in der sportlichen Leitung des FC Ingolstadt ein radikaler Schnitt: Sportchef Michael Henke und Trainer Thomas Oral sind weg. Auf der Bank sitzt jetzt Robeto Pätzold, der aus der eigenen Jugend befördert wurde. Ein Grund ist wohl auch der, dass Oral und Henke gerne viel in den Kader investiert hätten, der Verein aber nicht. Der sieht stattdessen noch mehr Potenzial in der vorhandenen Mannschaft, die zu den jüngsten der Liga zählt. Das kann gut gehen - muss es aber nicht.

16. SV Sandhausen

SV Sandhausen
Die Mannschaft des SV Sandhausen. / Lukas Schulze/Getty Images

Im Vorjahr musste der SV Sandhausen bis zuletzt um den Klassenerhalt zittern, das oft gebrauchte Sinnbild für Zweitklassigkeit geht damit jetzt in seine zehnte Saison in der 2. Bundesliga. Dabei landete man immer in der unteren Tabellenhälfte und holte noch nie mehr als 44 Punkte. Auch wenn sich die Neuzugänge nicht schlecht lesen, dürfte der Abgang von Top-Torjäger Kevin Behrens (27 Tore in den vergangenen beiden Jahren) schmerzen.

15. Dynamo Dresden

Dynamo Dresden - Team Presentation
Dynamo Dresden. / Karina Hessland/Getty Images

Nach dem bitteren Abstieg nach dem durch Corona erheblich erschwerten Saison-Finale 2020 ist Dynamo direkt wieder zurück in der 2. Bundesliga, wird es aber nicht leicht haben, die Klasse wieder zu halten. Mit Jonathan Meier hat man aber auch einen wichtige Spieler verloren. Immerhin konnte die letztjährige Union-Leihgabe Julius Kade pünktlich vor Saisonstart verpflichtet werden. Insgesamt ist der Kader extrem jung und muss seine Zweitligatauglichkeit erst noch beweisen, das letzte Testspiel machte wenig Mut.

14. Hansa Rostock

Hansa Rostock - Team Presentation
Hansa Rostock. / Matthias Kern/Getty Images

"Wir sind in jedem Spiel der Außenseiter", weiß Hansa-Innenverteidiger Julian Riedel (via Bild). Nach neun Jahren in der 3. Liga ist die Kogge endlich wieder aufgestiegen, die Euphorie ist groß. Aber die Gegner sind eben auch hart, die eigenen Mittel begrenzt. Trotzdem konnten Spieler wie Hanno Behrens oder Streli Mamba verpflichtet werden, die in der 2. und teilweise auch 1. Bundesliga ihre Qualitäten bewiesen. Es wird alles in allem schwierig für Hansa, doch der Klassenerhalt ist drin.

13. Jahn Regensburg

SSV Jahn Regensburg - Team Presentation
SSV Jahn Regensburg. / Karina Hessland/Getty Images

"The trend is your friend und seit drei Wochen spielen wir schönen Dreck", hat Uli Hoeneß mal über den FC Bayern gesagt. Ganz so schlimm ist es beim Jahn nicht, aber der Trend geht seit Jahren nach unten: In vier Jahren Zweitklassigkeit wurden die Platzierungen fünf, acht, zwölf und zuletzt 14 erreicht. Im vergangenen Jahr war der Klassenerhalt bis zum Schluss gefährdet. Panik bricht trotzdem nicht aus, Trainer Mersad Selimbegovic kann in Ruhe arbeiten und wird versuchen, den Abwärtstrend zu stoppen. Bei den Neuzugängen wurde zwischen Erfahrung und jungem Talent durchgemischt, sodass der SSV erneut einen soliden Kader beisammen hat.

12. SV Darmstadt 98

SV Darmstadt.
SV Darmstadt 98. / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Die vergangene Saison war keine überragende des SV Darmstadt, lediglich der Schlussspurt mit sieben ungeschlagenen Spielen war beeindruckend. Und natürlich die Tatsache, dass Serdar Dursun treffen konnte, wie er wollte. Doch der Torjäger ist nicht mehr da, einfach ersetzen kann man ihn nicht. Er wird extrem fehlen, ebenso wie Mittelfeldspieler Victor Palsson. Der neue Trainer Torsten Lieberknecht steht vor keiner leichten Aufgabe am Böllenfalltor, es dürfte wohl auf einen Platz im unteren Mittelfeld hinauslaufen.

11. FC St. Pauli

Timo Schultz
St. Paulis Trainer Timo Schultz. / Pool/Getty Images

Zehn Punkte hatte der FC St. Pauli nach dem 15. Spieltag der Vorsaison und galt als Abstiegskandidat, doch dann kam eine wahnsinnige Serie und am Ende wurde man recht souverän zehnter. Der Kader dürfte in etwa das Niveau des Vorjahres haben und sollte sich aus dem Abstiegskampf weitestgehend raus halten können.

10. Karlsruher SC

Karlsruher SC Team Presentation
Karlsruher SC. / Alex Grimm/Getty Images

2019/20 wäre der KSC beinahe abgestiegen, in der vergangenen Saison war man zeitweise sogar im Aufstiegsrennen. Einmal dürfte man unter- und einmal überperformed haben, in dieser Saison könnte es sich etwas einpendeln. Der Knatsch um Torjäger Philipp Hofmann, der lange als Wechselkandidat galt und jetzt doch bleiben soll, hat jedenfalls nicht dabei geholfen, ein Team zu formen, dass erneut Sechster werden kann. Die deutlich stärkere Liga sowieso nicht.

9. SC Paderborn

SC Paderborn 07 - Team Presentation
SC Paderborn 07. / Christof Koepsel/Getty Images

Steffen Baumgart hat den SC Paderborn verlassen und Lukas Kwasniok hat jetzt die schwierige Aufgabe, in dessen Fußstapfen zu treten. Das ist nicht nur per se schwierig, der SCP muss auch die Abgänge von einigen Leistungsträgern verkraften - allen voran von Sebastian Schonlau -, die wie üblich eher von jungen und entwicklungsfähigen Spielern kompensiert werden sollen. Schon im Vorjahr wurde Paderborn Neunter. Klappt es erneut, dürften in Ostwestfalen alle zufrieden sein.

8. Holstein Kiel

Ole Werner
Kiels Trainer Ole Werner. / Karina Hessland/Getty Images

Ole Werner gilt als eines der größten deutschen Trainer-Talente und steht jetzt vor einer sehr schwierigen Aufgabe bei Holstein Kiel: Er muss zum einen den Relegations-Kater besiegen und zum anderen die Abgänge von vielen wichtigen Spielern verkraften. Janni Serra, Jonas Meffert, Jae-sung Lee, Jannik Dehm - sie alle spielen jetzt woanders. Die Neuzugänge lesen sich zwar auch nicht schlecht, doch das Team, das im Vorjahr sicherlich schon dauerhaft am Limit war, muss sich jetzt erst einmal neu finden.

7. 1. FC Nürnberg

1. FC Nürnberg.
1. FC Nürnberg. / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Nach zuletzt nicht so einfachen Jahren will sich der 1. FC Nürnberg langsam wieder nach oben arbeiten und auf Sicht wieder in die Bundesliga. "Dieser Zeitpunkt ist noch nicht da, dafür ist die Liga oben zu stark", betont Trainer Robert Klauß im Interview mit nordbayern.de. Doch nach dem Umbruch im Vorjahr sollte sich die Mannschaft inzwischen gefunden haben und einen Schritt nach vorne machen. Wie weit es dann geht, wird man sehen.

6. Hannover 96

Sebastian Ernst, Marvin Ducksch, Niklas Hult, Linton Maina im Testspiel gegen Magdeburg.
Sebastian Ernst, Marvin Ducksch, Niklas Hult, Linton Maina im Testspiel gegen Magdeburg. / Ronny Hartmann/Getty Images

Die Abgänge von Genki Haraguchi und Timo Hübers wiegen schwer, doch konnte Hannover 96 mit Jannik Dehm oder Sebastian Ernst auch gute Spieler dazu gewinnen. Der Kader der Roten ist nicht schlecht, doch gibt es im Verein immer wieder Unruhe aus verschiedensten Gründen, mit der sich auch der neue Trainer Jan Zimmermann jetzt herumschlagen muss. Sollte sich Hannover zusammenreißen, könnte man um den Aufstieg mitspielen.

5. 1. FC Heidenheim

Frank Schmidt
Heidenheims Trainer Frank Schmidt. / Daniel Kopatsch/Getty Images

Jahr eins nach Marc Schnatterer bricht für den 1. FC Heidenheim an, doch der Kapitän spielte sportlich zuletzt sowieso eine untergeordnete Rolle. Ansonsten konnten die Stammspieler des Kaders gehalten werden, zudem ist Tim Kleindienst endgültig von seinem Ausflug nach Gent zurückgekehrt. Trainer Frank Schmidt wird die Großen mit seinem Team traditionell zu ärgern wissen. Mal sehen, wozu es dieses Jahr reicht.

4. Fortuna Düsseldorf

Fortuna Düsseldorf - Team Presentation
Fortuna Düsseldorf. / Christof Koepsel/Getty Images

In der vergangenen Saison verpasste die Fortuna den Aufstieg am Ende knapper, als es sich anfühlte. Diese sechs Punkte auf Rang drei wären zwar durchaus noch machbar gewesen, doch insgesamt war die Saison nicht optimal und Trainer Uwe Rösler musste gehen. Mit Christian Preußer, der den SC Freiburg II in die 3. Liga geführt hat, soll nun ein neuer Anlauf auf den Wiederaufstieg gestartet werden. Der Kader ist ganz gut besetzt, auch wenn auf mancher Position noch was passieren sollte. Oben mitspielen kann und muss Fortuna, doch die Konkurrenz um den Aufstieg dürfte zu stark sein.

3. Werder Bremen

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Bremens Trainer Markus Anfang. / CARMEN JASPERSEN/Getty Images

Bei Werder gibt es noch sehr viele Unwägbarkeiten was den Kader betrifft, der wenige Tage vor dem Saisonstart noch lange nicht steht. 15-20 Transfers sollen laut Frank Baumann noch passieren. Es wird definitiv interessant, wie das Team damit in den ersten Wochen umgeht und wie schnell es sich dann ab dem 1. September endgültig findet. Das könnte die entscheidenden Punkte kosten, um direkt wieder hoch zu gehen. Die Qualität sollte aber ausreichen, um mindestens Dritter zu werden.

2. Hamburger SV

Tim Walter
HSV-Trainer Tim Walter. / Cathrin Mueller/Getty Images

Noch gibt es im Kader des Hamburger SV etwas zu tun, zum Beispiel sind die offensiven Außen noch sehr dünn besetzt. Doch alles in allem ist das wieder eine richtig gute Mannschaft und bislang scheint Trainer Tim Walter sie richtig anzupacken. Aber das kennen wir ja alles. Entscheidend wird sein, dass der HSV seine Qualität über 34 Spieltage zeigt. Gut genug ist man allemal, um trotz dieser starken Konkurrenz endlich wieder aufzusteigen.

1. FC Schalke 04

FC Schalke 04 Team Presentation
FC Schalke 04. / Christof Koepsel/Getty Images

Was Schalke bislang auf dem Transfermarkt gemacht hat, liest sich richtig gut. Jetzt kommt wohl auch noch Dominick Drexler, der die noch vorhandene Lücke im offensiven Mittelfeld schließt und in der 2. Bundesliga eine Scoring-Maschine war. Das ganze Gebilde muss sich natürlich erst noch finden, doch wenn es recht schnell klappt, können (!) die Schalker Aufstiegs-Favorit Nummer eins sein.


Anmerkung: Die 2. Bundesliga ist traditionell eng beieinander und wird es auch in der kommenden Saison sein. Man könnte diese prognostizierte Abschlusstabelle deshalb problemlos dritteln und die jeweils sechs Mannschaften nahezu beliebig durchmischen.

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