Während die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko in ihre ganz heiße Phase geht, läuft der Sand auch durch die Uhr der Bundesligisten – zumindest in Sachen Vorbereitung auf die neue Saison.
In der Spielzeit 2026/27 will sich auch Borussia Mönchengladbach deutlich gefestigter zeigen als in den vergangenen Jahren, doch die Hoffnung auf wirkliche Besserung schwingt nicht bei jedem Fohlen-Fan voller Überzeugung mit.
Pessimistische Grundstimmung und kaum Hoffnungsschimmer?
Verständlicherweise ist die Grundstimmung, was das sportliche Abschneiden in der kommenden Saison angeht, eher pessimistisch, denn die Borussen scheinen von Saison zu Saison in einen Umbruch nach dem anderen zu steuern bzw. es scheint, als würde der Umbruch gar nicht enden wollen.
Mit dem schmerzhaften Abgang von Identifikationsfigur und Eigengewächs Rocco Reitz, der zu Ligakonkurrent RB Leipzig gewechselt ist, verlor Gladbach weitere Strahlkraft und büßt heimlich, still und leise an Standing im deutschen Oberhaus ein.
Auch wenn mancher meinen mag, dass der Reitz-Abgang sportlich nicht sonderlich ins Gewicht fällt, zeigt er dennoch deutlich, dass Gladbach mit den sportlichen Erfolgen anderer Vereine derzeit nicht mithalten kann, und da hilft auch die große Vergangenheit der Fohlen nicht.

Reitz entschied sich bewusst für den Schritt zu den Sachsen, weil er dort nicht nur ein sportlich ansprechenderes Niveau, sondern auch aus persönlicher Sicht bessere Weiterentwicklungschancen erkannt habe. Ein deutlicher Fingerzeig, wo Gladbach heute steht, und der Ausblick in die Zukunft ist nicht sonderlich rosig.
Fohlen-Elf im Sinkflug?
In den letzten fünf Spielzeiten ist es am Niederrhein nicht gelungen, den eigenen leisen Europapokalträumen gerecht zu werden - fünfmal in Folge wurde eine Saison nur auf einem zweistelligen Tabellenrang beendet.
Die letzte internationale Stadionluft unter Flutlicht schnupperten die Gladbacher Fans im März 2021. Dass sich daran zeitnah etwas ändert, daran zweifelt die große Mehrheit des treuen und mittlerweile leidensfähigen Anhangs.
Zu viele Baustellen für echten Aufschwung?
Die Gründe für den bereits gefestigten Pessimismus sind dabei vielschichtig: Der nicht enden wollende Umbruch verhindert, dass Gladbach ein solides und eingespieltes Gerüst errichtet, auf dem sich langfristig etwas aufbauen ließe.
Mit Reitz ist nun das Gesicht des Mittelfelds weg, ob Torjäger Tim Kleindienst endlich fit bleibt, ist fraglich, und mit Haris Tabakovic konnte man den Topscorer der Vorsaison (15 Tore, drei Vorlagen) nicht im Fohlenstall halten. Nach seiner Leihe kehrte der Bosnier zur TSG Hoffenheim zurück. Nur ein paar wenige Eckpfeiler der großen sportlichen Fragezeichen in Gladbach.

Zudem ist fraglich, ob Trainer Eugen Polanski der Rolle und Aufgabe wirklich gewachsen ist und trotz des wechselhaften Personals endlich sportliche Kontinuität aufbauen kann. Die Aufgabe ist jedoch keine einfache, da die Borussen vor allem auch Schwierigkeiten haben, eine echte Identität aufzubauen.
Von Sommer zu Sommer ist eigentlich gar nicht abzuschätzen, wie leistungsfähig und konkurrenzfähig die Fohlenelf im Vergleich zur Konkurrenz in der Bundesliga ist. Auch die neue Saison startet in einem Nebel der Unwissenheit mit offenem Ausgang.
Dass der Verkauf von Reitz ordentlich Geld in die Kassen gespült hat, versteht sich von selbst. Doch zu welchem Preis gibt Gladbach sein Eigengewächs wirklich ab?
Sportlich war Reitz auch in der letzten Saison nicht unumstritten, dennoch ist Substanzverlust deutlich erkennbar. Auch in puncto Fußball-DNA wirft der Reitz-Abgang viele Fragen auf. Wer ersetzt ihn, wer übernimmt Verantwortung, wie gestaltet sich die Hierarchie und wie schmerzhaft wäre es im Nachgang für die Fohlen, wenn Reitz in Leipzig plötzlich durchstarten sollte?
Der Niedergang am Niederrhein?
Die lange gehegten Europa-Träume der Gladbacher dürften vorerst in der verstaubten Truhe auf dem Dachboden landen, denn die Fohlen sind weit davon entfernt, ihrem eigentlich ambitionierten Anspruch gerecht zu werden.
Die Umbruchphase dauert schon viel zu lange und schmerzlich muss man feststellen, dass die Fohlen in diesem Prozess nicht zwingend besser geworden sind. Im Gegenteil.
Man hat eigentlich das Gefühl, dass der Kader stetig an Qualität verliert. Mittlerweile liegt die Borussia in Sachen Kaderwert sogar hinter dem Erzrivalen 1. FC Köln. Lediglich Union Berlin, der Hamburger SV sowie die drei Aufsteiger Schalke 04, SV Elversberg und der SC Paderborn haben einen noch geringeren Kaderwert als die Fohlen.
Im Vergleich zur Vorsaison 2025/26, haben die Fohlen hier rund 36 Millionen Euro eingebüßt. Mit Blick auf die Saison 2024/25 sogar gut 56 Millionen Euro.

Nun kommt auch noch die Umbenennung des Stadions in "ista-Borussia-Park” hinzu. Für die Fans bedeutet dies einen weiteren kleinen Identitätsverlust neben der ohnehin schon fehlenden Linie im Kader und in der Startelf.
Die graue Maus vom Niederrhein?
Borussia Mönchengladbach muss jetzt gewaltig aufpassen, dass der Verein nicht endgültig zur grauen Maus des deutschen Fußballs wird, denn mittlerweile gibt es Teams, die mit ihrer kontinuirlichen Arbeit deutlich sexier daherkommen als die Fohlen. Vor allem aber auch erkennbare Schritte vorwärts machen.
Neben dem bröckelnden Image eines großen Traditionsklubs droht in der neuen Spielzeit auch die gefürchtete Abstiegsregion. Und die will man mit allen Mitteln vermeiden. Die große Frage ist nur, ob das mit dem scheinbar fortschreitenden Qualitätsverlust und der noch immer unklaren Linie gelingen kann.

Natürlich ist die Transferphase noch nicht abgeschlossen und natürlich können mit den Reitz-Millionen noch Transfers getätigt und Baustellen behoben werden. Doch alles in allem ist es in dieser Spielzeit vermutlich ein gefährlicher Ritt auf der Rasierklinge für Rouven Schröder, Eugen Polanski und Co.
Der einzige rote Faden, der sich aus Gladbach zu zeigen scheint, ist der des leisen Abgesangs. Doch genau darin liegt vielleicht auch eine große Chance für Überraschungen. Dafür müssen die Borussen jedoch unbedingt erkennen, wo sie sportlich aktuell wirklich stehen und aus dieser Rolle demütig um jeden überlebenswichtigen Punkt kämpfen.
Vor einer einfachen Saison steht man in Gladbach aber ganz sicher nicht. Das dürfte jedem klar sein.
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