Julian Nagelsmann hat am Donnerstagmittag den deutschen WM-Kader bekanntgegeben. Überraschungen gab es dabei nur wenige, zumal die meisten Nominierungen schon im Vorfeld geleakt wurden. Die Fans im Netz blicken jedoch eher zwiegespalten auf das deutsche Aufgebot und halten nicht alle Nominierungen für richtig.
Verwunderlich ist das nicht, da der Bundestrainer tatsächlich einige kontroverse Entscheidungen getroffen hat. Wir sehen uns an, welche fünf Spieler im DFB-Kader besonders polarisieren.
1. Manuel Neuer

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass Neuer zu den besten Torhütern der Geschichte gehört und auch in der aktuellen Verfassung noch hier und da Ausnahmeleistungen zeigen kann. Auf der anderen Seite hat der 40-Jährige auch den ein oder anderen Fehler gemacht, der in einem WM-Match fatal werden könnte. Rein sportlich ist die Entscheidung, Neuer zurückzuholen, sicherlich vertretbar, weil Oliver Baumann ein guter, aber eben kein Ausnahmetorhüter ist.
Die Art und Weise kann aber durchaus als schwierig angesehen werden. Neuer ist nach der EM 2024 zurückgetreten und Nagelsmann hat eigentlich Baumann als Nummer eins gestärkt und ihm die Stammkeeper-Rolle noch im März zugesagt. Entscheidungen können sich ändern, jedoch hat Nagelsmann natürlich damit eine riesige Debatte losgetreten. Ob der Schachzug aufgeht, gleicht einem Roulette-Spiel.
- Mehr dazu: Nagelsmann erklärt Neuer-Comeback
2. Antonio Rüdiger

Antonio Rüdiger ist in der Rückrunde verletzungsfrei geblieben und hat in den großen Spielen gegen Manchester City und gegen den FC Bayern gezeigt, dass er sportlich noch immer auf Top-Level mithalten kann. Einen Mann mit einer solchen internationalen Erfahrung mitzunehmen, ist folgerichtig schon verständlich. Noch dazu kann es nicht schaden, einen Abwehrspieler im Team zu haben, der dem Gegner so richtig wehtun kann.
Auf der anderen Seite ist Rüdiger aber mehrmals mit seinem schwierigen Charakter negativ aufgefallen. Sein Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern und Gegenspieler, seine brutalen Fouls und seine Gestiken sind oft nur schwer zu ertragen. Rüdiger hat jedenfalls zahlreiche Gründe geliefert, die einen Rauswurf aus der Nationalmannschaft gerechtfertigt hätten. Als Nationalspieler sollte man auch eine gewisse Vorbildsfunktion mitbringen.
Die Tatsache, dass wohl Schlotterbeck und Tah in der Innenverteidigung die Nase vorne haben, könnte zudem für schlechte Laune bei Rüdiger sorgen. Eine Gefahr für die Team-Chemie.
3. Leroy Sané

Eigentlich war Julian Nagelsmann vom Galatasaray-Wechsel von Sané überhaupt nicht begeistert. Der Bundestrainer hat unmissverständlich klargestellt, dass der 30-Jährige in der Süper Lig herausstechen müsse, um bei ihm eine Chance zu haben. Bei den ersten Länderspielen nach seinem Türkei-Wechsel fehlte Sané dann auch gleich. Aus irgendeinem Grund gab es dann aber die Rolle rückwärts bei Nagelsmann und Sané scheint sogar als Stammspieler eingeplant zu sein.
An der Leistung kann es aber eigentlich nicht liegen. Sané hat in der Süper Lig nur sieben Tore und fünf Vorlagen markieren können. Im aktuellen Kalenderjahr waren es sogar nur drei Scorer. In der Champions League gelangen im lediglich zwei Vorlagen und kein einziger Treffer.
Diese Bilanz ist nicht herausstechend oder hervorragend, sondern schlichtweg schwach. Hätte sich Nagelsmann an seine ursprünglichen Worte gehalten, hätte er Sané nie und nimmer berücksichtigen dürfen.
4. Pascal Groß

Mit Aleksandar Pavlovic, Angelo Stiller, Leon Goretzka und Felix Nmecha schien das zentrale Mittelfeld voll zu sein, zumal hier auch Joshua Kimmich spielen kann. Gleiches gilt für Nadiem Amiri, der ein wenig überraschend auf den WM-Zug aufspringen konnte.
Benötigt es dann noch einen Pascal Groß? So einen richtigen Mehrwert ist nicht zu erkennen, selbst wenn Nagelsmann zuletzt betonte, welch hervorragender Typ und Teamplayer der Routinier sei. Doch rechtfertigt das eine Nominierung?
Groß war nach seiner schwachen Hinrunde in Dortmund eigentlich weg vom Fenster, jedoch hat er nach seiner Rückkehr zu Brighton & Hove Albion zurück zur Stärke gefunden. Deswegen ist die Nominierung auch nicht ganz unverdient.
Generell steht der DFB-Kader aber nicht gerade für Aufbruch und verbreitet keine Euphorie. Den Platz hätte man auch einem Youngster wie Tom Bischof oder El Mala geben können.
5. Maximilian Beier

Maximilian Beier hat beim BVB definitiv eine ordentliche Saison gespielt und in der Bundesliga mit neun Toren und neun Assists ein Bewerbungsschreiben abgeliefert. Aber ist Beier jetzt wirklich derjenige, der von der Bank groß etwas bewegen kann?
Der Dortmunder besitzt zwar viel Speed, ist aber technisch nicht sonderlich beschlagen, weshalb er auch nicht über Eins-gegen-Eins-Szenen kommt. Gilt es, eine tief stehende Abwehr zu knacken, wird man mit Beier wohl nicht ganz so viel Freude haben.
Bedenkt man, dass Sané, Leweling und Karl allesamt eher über den rechten Flügel kommen, wäre ein klassischer Linksaußen - wie es beispielsweise El Mala und Führich sind - womöglich die bessere Wahl gewesen.
Als Konterstürmer kann man Beier schon mitnehmen, jedoch stellt sich die Frage, ob nicht ein Karim Adeyemi oder Kevin Schade noch ein wenig mehr Matchwinner-Qualitäten mitbringen.
Die Beier-Nominierung ist vertretbar. Kontrovers wird sie, weil es zahlreiche Alternativen gegeben hätte.
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