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Mr. Nonchalant und sein Straßenköter - Das Duo fürs Münchner Fan-Herz

Michael Olise und Luis Diaz - dieses Flügelduo sorgt beim FC Bayern für nostalgische Wärme und große Hoffnungen.
Die Flügelzange des FC Bayern bestehend aus Michael Olise und Luis Diaz
Die Flügelzange des FC Bayern bestehend aus Michael Olise und Luis Diaz | Chris Brunskill/Fantasista/GettyImages

Der FC Bayern München hatte lange kein so breites Kreuz und so starke Schultern mehr wie aktuell. Während die Mannschaft in der Bundesliga klar und ungefährdet auf Meisterkurs liegt, läuft es auch in den Pokalwettbewerben endlich wieder rund.

Sowohl im DFB-Pokal auf nationaler Ebene als auch in der Champions League auf internationaler Ebene steht der deutsche Rekordmeister nun im Halbfinale. Leise Triple-Träume wehen über die stets gepflegten Trainingsplätze an der Säbener Straße. Zurecht, möchte man fast schon hinausschreien - doch etwas Zurückhaltung ist noch geboten.

Dass diese Spielzeit 2025/26 so ist wie sie ist und die Bayern wieder als echte Qualitätsmarke des Weltfußballs gelten, liegt zum einen vor allem an Cheftrainer und Erfolgsarchitekt Vincent Kompany. Doch natürlich ist es ein Geben und Nehmen, denn jeder Trainer ist eben auch nur so gut wie seine Spieler und andersrum, und in dieser Hinsicht haben die Münchner ein glückliches Händchen bewiesen. Neben der Verpflichtung von Kompany auf dem Trainerstuhl nämlich vor allem auch bei den Transfers der beiden Flügelstars Michael Olise und Luis Diaz.

Olise und Diaz erinnern an Münchner Legenden-Duo

Was der Franzose und der Kolumbianer in dieser Spielzeit zusammen auf dem Rasen zeigen, lässt Erinnerungen an eine ganz besondere Zeit des FC Bayern aufleben.

Das legendäre Duo um Arjen Robben und Franck Ribery
Das legendäre Duo um Arjen Robben und Franck Ribery | Alex Grimm/GettyImages

An Zeiten, in denen das legendäre Bayern-Duo "Robbery", bestehend aus Arjen Robben und Franck Ribéry, für Angst und Schrecken in gegnerischen Strafräumen sorgte.

Erstmals seit deren Abschied vom FC Bayern im Sommer 2019 hat man als Fan, aber auch als neutraler Zuschauer, mit Olise und Diaz wieder den Eindruck, dass eine ähnliche Magie entsteht, wenn ein Münchner Duo in dieser Kombination zusammen aufläuft. Auch wenn die Unterschiede zu den legendären Vorgängern deutlich zu erkennen sind, gibt es auch Gemeinsamkeiten, die den gewissen Nostalgie-Kick liefern.

Olise & Robben: Gleiches Problem und einfach kein Gegengift

Ähnlich wie Michael Olise jetzt war Arjen Robben jahrelang der Münchner Mann für die ganz besonderen Momente auf der rechten Außenbahn und versprühte eine gewisse Eleganz. Alle wussten, was der Niederländer machen würde, und dennoch konnte ihn niemand stoppen, wenn er mit dem Ball am Fuß und reichlich Tempo nach innen zog und den Ball unhaltbar für den gegnerischen Keeper wie ein Scharfschütze im Tor versenkte. Dabei unterschied sich Robbens Spielstil aber dennoch deutlich von dem von Olise. Während der 24-jährige Franzose eher gelassen über den Platz zu schlendern scheint und als "Mr. Nonchalant" betitelt wird, schaltete Robben mit Ball und Rasen vor der Nase meist sofort in den Highspeed-Modus wie ein Windhund und war kaum noch einzufangen.

Arjen Robben
Arjen Robben | PressFocus/MB Media/GettyImages

Robben war in seinem Spiel grob zusammengefasst wohl etwas eindimensionaler und geradliniger. Bei Olise schwingt hingegen immer eine legere Lockerheit mit, die den in London geborenen Linksfuß beinahe schon gelangweilt durch seine Gegenspieler kurven lässt, ehe er ähnlich wie Robben abschließt. Doch Olise kann vielschichtig Gefahr ausstrahlen.

Michael Olise wirkt wie einst Robben unaufhaltsam wenn er nach Innen zieht und abschließt
Michael Olise wirkt wie einst Robben unaufhaltsam wenn er nach Innen zieht und abschließt | NurPhoto/GettyImages

Auch in seiner Außenwirkung glich Robben eher einem verbissenen Anführer, während Olise einfach nur mitspielen zu wollen scheint und die Abwehrreihen auf der Gegenseite im Vorbeispazieren abfertigt. Trotz aller Unterschiede - von den jeweiligen Frisuren mal ganz zu schweigen - liefert Olise aber das, was Robben einst geliefert hat: sich wiederholende, unaufhaltsam scheinende Abläufe und regelmäßige Torgefahr - auch in dringenden Momenten. Man weiß was kommt und hat dennoch einfach kein Gegengift parat. Als Fan saß man vor dem Endgerät und dachte sich: "Gib dem Robben den Ball, der macht das schon." So scheint es jetzt auch bei Olise zu sein.

Loderndes Feuer mit Straßenköter-Charme

Auch mit Blick auf den linken Münchner Flügel, auf dem sich inzwischen Luis Diaz austoben darf und der etwas im Schatten von Olise steht, werden schöne Erinnerungen wach.

Der Kolumbianer, den viele bei seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer noch als Notnagel abgetan hatten und bei dem auch ich erst skeptisch war, hat alle Kritiker verstummen lassen.
Er komplettiert die gefürchtete Flügelzange des FC Bayern, für die man in München noch keinen gemeinsamen Namen gefunden zu haben scheint. "Dialise" klingt ja auch irgendwie komisch, oder? Wir werfen da lieber mal "Oliaz" in den Ring.

Allerdings unterscheidet sich Diaz mit seinem Spielstil und Auftreten extrem von seinem französischen Buddy auf der anderen Seite des Platzes, denn der 29-jährige Ex-Liverpooler bringt diesen gewissen Schuss südamerikanisches Feuer mit, diese Straßenfußballmentalität, einen Hauch Dreckigkeit sowie diese spezielle Giftig- und Galligkeit. Dieses lodernde Feuer in den Augen. Auf die Art: "Wenn du mich beißt, beiß ich zurück! Aber vielleicht beiß ich auch zuerst.”

Franck Ribery
Franck Ribery | CHRISTOF STACHE/GettyImages

Diaz ist wie ein Straßenköter mit Ball am Fuß – und das meine ich als absolutes Lob. Genau diese Art von Spieler, der auch mal für etwas Würze sorgt, wie ein kleiner Krieger vorwegmarschiert und sich nicht alles gefallen lässt, hat den Bayern seit dem Abschied von Franck Ribéry auf dieser Position gefehlt. Ein Spieler, der die Mannschaft mit seiner Mentalität mitreißen oder anstacheln kann und dem Gegner deutlich signalisiert, dass man sich nicht kampflos ergeben wird, sondern bis zum Ende kämpft, kratzt und beißt.

Luis Diaz
Luis Diaz | Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages

Die Spielstile der beiden sind an sich nicht direkt mit derselben Schablone abgleichbar, doch abseits der nicht deckungsgleichen sportlichen Qualitäten eint Diaz und die heute 43-jährige Bayern-Legende gerade dieser gewisse Schuss Mentalität und den Willen, sich nichts gefallen zu lassen. Man gewinnt fast schon den Eindruck, dass Diaz, ähnlich wie einst Ribéry, umso besser wird, je dreckiger und enger es auf dem Rasen zugeht.

Olise und Diaz tun dem Münchner Fan-Herz gut

Wer genau hinschaut, findet im sportlichen Bereich sicherlich einige Schnittpunkte aber auch große Unterschiede. Doch die gab es auch bei den direkten Nachfolgern von "Robbery" und somit den Vorgängern von Olise und Diaz.

Es ist aber diese spezielle Mischung aus scheinbar unaufhaltbarer Qualität und Spezialisierung sowie dem Biss und der Wehrhaftigkeit eines fußballerischen Straßenköters, die nicht nur große Nostalgie auslöst, sondern auch den großen Erfolg zurückzubringen scheint.

Franck Ribery und Arjen Robben
Franck Ribery und Arjen Robben | Boris Streubel/GettyImages

Beide aktuellen Bayern-Stars wissen auf ihre ganz spezielle Art und Weise individuell zu begeistern und damit ein ganzes Stadion mitzunehmen. Olise etwas auffälliger als Diaz, doch Diaz nicht weniger wichtig als Olise. Es ist dieses ständige Pendeln zwischen dem, was beide zu leisten imstande sind, und dem, was der FC Bayern gerade braucht. Es sind die unterschiedlichen Charaktere, die auf dem Platz zeitgleich nicht ausschaltbar erscheinen. Diese unterschiedlichen Qualitäten verbinden sich letztlich wie die Zutaten in einem schmackhaften Eintopf. Sie haben an sich nicht viel miteinander gemein und ergänzen sich dennoch perfekt. Wie einst Robben und Ribery.

Vielleicht ist es ja auch genau dieses lange vermisste Gefühl, an das man sich als Bayern-Fan jahrelang bei "Robbery” gewöhnt hatte, das die Münchner Saison nun auch im Herzen abrundet, Schmerzen der jüngeren Vergangenheit heilt und möglicherweise auch der Schlüssel zum sportlichen Erfolg ist.

Auch wenn die fußballerischen Anlagen der vier Spieler nicht aus derselben Form stammen, ist das Gefühl für die Fans und die Gefahr für die Gegner doch eine überaus ähnliche – und das macht die Wahrnehmung rund um den FC Bayern München in dieser Phase altbekannt und vertraut und doch ganz neu.

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