30 Spieltage der Saison 2025/26 in der 2. Bundesliga sind bereits in den Büchern und vor gut einem Jahr hätte vermutlich niemand daran geglaubt, dass der FC Schalke 04 als Tabellenführer mit sechs Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz in die letzten vier Runden der laufenden Spielzeit gehen würde.
Doch tatsächlich ist genau das aktuell der Fall – zur Überraschung vieler. Neben der großen Vorfreude auf den greifbar nahen Aufstieg und die damit verbundene mögliche Rückkehr in die Bundesliga stehen bei so manchem Schalker Fan vermutlich auch die Nackenhaare zu Berge. Grund dafür ist ein Trauma aus vergangenen Tagen, das noch immer präsent in der Schalker Fanseele ist.
Die Saison 2000/01 steckt noch in den Knochen
Die Saison 2000/01 steckt vielen treuen und langjährigen Schalke-Anhängern noch immer in den Knochen. Damals lag man am 30. Spieltag der Bundesliga noch mit zwei Zählern Vorsprung auf den FC Bayern München an der Tabellenspitze und hegte kräftige Titelambitionen. Doch im Schlussspurt versagten die Nerven. Schalke verspielte die Tabellenführung damals unter anderem am 31. Spieltag mit einem Unentschieden beim VfL Bochum und am 33. Spieltag mit einer Auswärtsniederlage gegen den VfB Stuttgart.

Plötzlich ging man mit drei Zählern Rückstand auf die Münchner, aber mit dem besseren Torverhältnis, in den letzten Spieltag. Während Schalke am letzten Spieltag seine Hausaufgaben mit einem 5:3 gegen die SpVgg Unterhaching erledigte und die Bayern zeitgleich noch mit 0:1 in Hamburg zurücklagen, glaubten viele, die Meisterschale sei bereits in königsblauen Händen.
Eine Falschmeldung, das Spiel zwischen dem HSV und dem FC Bayern sei bereits beendet, ließ das Schalker Freudenmeer aufkochen, doch der späte Ausgleichstreffer der Münchner durch Patrik Andersson war der Dämpfer in die Schalker Feierlichkeiten und hinterließ einen Schmerz, der noch heute bei den Knappen für kalte Schauer sorgt.

Es war der Moment, in dem der FC Schalke 04 zum "Meister der Herzen” ernannt wurde – ein Titel, den in Gelsenkirchen niemand wollte. Der Traum vom Meistertitel war geplatzt und die Schmach hängt den Knappen noch heute wie ein eingemuffter Mantel um. Ein Tiefschlag, der sich nun - wenn auch in ganz anderen Sphären - auf keinen Fall wiederholen darf.
Bloß kein "Aufsteiger der Herzen" werden!
In den verbleibenden vier Saisonspielen der Spielzeit 2025/26 hat die Mannschaft von Cheftrainer Miron Muslic noch einige Hürden vor sich: Sie muss auswärts gegen den härtesten Aufstiegskonkurrenten SC Paderborn in der dortigen Home Deluxe Arena antreten. Im Anschluss wartet das stark gebeutelte Fortuna Düsseldorf, das mitten im Abstiegskampf steckt. Doch angeschlagene Boxer gelten ja bekanntlich als die gefährlichsten. Am 33. Spieltag geht es auswärts zum Duell gegen den 1. FC Nürnberg, bevor am letzten Spieltag Eintracht Braunschweig, ebenfalls ein Team im Abstiegskampf, in die Veltins-Arena kommt.

Was sich für die Königsblauen nach einer durchaus beeindruckenden Saison jetzt keinesfalls wiederholen darf, ist, dass sie kurz vor Saisonende und mit dem großen Ziel vor Augen und in greifbarer Nähe, abermals die Nerven verlieren und am Ende doch noch auf der Zielgeraden scheitern. Niemand möchte nun zum "Aufsteiger der Herzen” werden. Wenn die Knappen den Aufstieg perfekt machen, können alle ihre gut gemeinten Trostpreis-Herzen behalten. Schalke hat es selbst in der Hand.
Schalke gehört in die Bundesliga
Unabhängig davon, ob man nun Fan des FC Schalke 04 ist oder nicht, wünscht sich fast ganz Fußballdeutschland womöglich den Aufstieg und die Rückkehr in die Bundesliga. Selbst in Dortmund dürfte man sich wieder auf brisante Revierderbys freuen. BVB-Trainer Niko Kovac drückt S04 jedenfalls die Daumen.
Dieser Klub mit all seiner Strahlkraft und seiner mächtigen Fanbase gehört einfach ins deutsche Oberhaus. Umso mehr fiebert man mit den Königsblauen mit – ähnlich wie 2001, als vermutlich alle bis auf die Fans des FC Bayern München und von Borussia Dortmund auf einen Titelgewinn der Schalker gehofft hatten. Schalke darf sich diese Chance nun nicht mehr aus den Händen reißen lassen, denn niemand beim königsblauen Kultklub will danach wieder die Herzen der Sportwelt als Trostpreis erhalten.
Das Gute: Diesmal würde den Schalkern, anders als in der Saison 2000/01, auch der zweite Platz reichen.
