Es ist nur so ein Gefühl, aber Borussia Mönchengladbach...

Das Gefühl rund um Borussia Mönchengladbach hat sich gewandelt.
Gladbach-Coach Eugen Polanski führt die Fohlenherde an
Gladbach-Coach Eugen Polanski führt die Fohlenherde an / Christian Verheyen/GettyImages
facebooktwitterreddit

Borussia Mönchengladbach erreichte zuletzt in der Spielzeit 2020/21 einen einstelligen Tabellenplatz am Ende einer Bundesligasaison. Nach einem fünften Platz in der Saison 2018/19 und einem vierten Platz in der Saison 2019/20 wurde der Traditionsverein Mitte des Jahres 2021 immerhin noch Achter. Auch der letzte Auftritt der Fohlen auf internationaler Bühne datiert aus dem Jahr 2021. Damals schied man im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester City aus und blieb dem europäischen Flutlicht seither fern.

In den letzten Jahren stand am Saisonende immer nur ein zweistelliger Tabellenplatz zu Buche, dreimal Zehnter und einmal Vierzehnter, doch die größten Störgeräusche kamen wohl abseits der sportlichen Errungenschaften und Platzierungen auf.

Die Zeit der personifizierten Störgeräusche scheint aber vergessen.

Das Gefühl rund um Borussia Mönchengladbach hat sich verändert

Vor allem die Personalien um Ex-Manager Roland Virkus und Ex-Trainer Gerardo Seoane polarisierten in regelmäßigen Abständen, und man konnte auf Kritik an den beiden fast schon wie auf seine tägliche Lieblingsserie im TV warten.

Es schien keine Woche zu vergehen, in der sich der Gladbacher Anhang nicht auf ein Missgeschick oder eine Aussage der beiden geworfen hätte, um seinem Unmut Luft zu machen. Virkus wurde für das Ausbleiben sportlicher Erfolge verantwortlich gemacht und für so manchen Transfer bitter kritisiert. Nicht weniger ruppig war der Ton gegenüber dem Schweizer Seoane, dem man mehr als einmal die Qualität als Trainer absprach und dem man eine Verschlechterung des Standings nach den bereits zuvor enttäuschenden Engagements von Adi Hütter und Daniel Farke in die Schuhe schob.

Es ist nur so ein Gefühl, aber...

Als Außenstehender, der das sportliche Treiben am Niederrhein auch aus Fansicht nur aus einer begrenzten Sicht mitbekommt, hat sich das Gefühl rund um die Borussia jedoch gewandelt. Es ist nur so ein Gefühl, aber Borussia Mönchengladbach....

...scheint dem neuen Trainer Eugen Polanski die Tür aufzuhalten und den Rücken zu stärken, ohne dabei nur plumpe Floskeln vorzuschieben. Erstmals seit Jahren hat man den Eindruck, dass ein Trainer in Gladbach eine echte Chance bekommt und sich auf seinem Weg auch Fehltritte erlauben darf. Das muss man auch gar nicht negativ auslegen, denn vielmehr ist das wohl Verdienst des Trainers als Stimmungsmache der Fans. Polanski erarbeitet sich das Vertrauen der Fohlen – auf und neben dem Platz und die Stimmung um die Personalie des Cheftrainers wirkt unaufgeregt wie lange nicht.

Mit der Ankunft von Eugen Polanski hat sich das Gefühl rund um die Fohlen gänzlich verändert
Mit der Ankunft von Eugen Polanski hat sich das Gefühl rund um die Fohlen gänzlich verändert / Christian Verheyen/GettyImages

...scheint mit Polanski einen Coach auf dem Trainerstuhl zu haben, der auch aufgrund seines Stallgeruchs perfekt zum Verein zu passen scheint und neben den vorhandenen, gestandenen Spielern endlich eine Brücke zum qualitativ verheißungsvollen Fohlenstall geschlagen hat. Polanski und Gladbach fremdeln nicht, ganz im Gegenteil, der Identifikationsfaktor und die Harmonie rund um die Borussen scheinen groß wie lange nicht. Das Bauchgefühl, dass es mit Gladbach nun stetig vorwärts geht, festigt sich.

...scheint mit der Ankunft von Polanski und Virkus-Nachfolger Rouven Schröder als gesamter Verein wieder mehr Wert auf den eigenen Nachwuchs zu legen und macht diesen mittlerweile zum essentiellen Teil der Weiterentwicklung und zum Steckenpferd für eine Rückkehr in altgewohnte Standards und Flughöhen. Eine Entwicklung, die diesem großen Klub nicht nur gerecht wird, sondern nach holprigen Jahren auch allgemein wieder einen unglaublich sympathischen Touch verleiht.

Die neuen Macher in Gladbach: Eugen Polanski und Rouven Schröder
Die neuen Macher in Gladbach: Eugen Polanski und Rouven Schröder / Christian Verheyen/GettyImages

...scheint durch Eugen Polanski nicht nur die Schnittstelle zum eigenen Nachwuchs geschlossen zu haben, sondern auch einen Mann in der sportlichen Verantwortung zu haben, der trotz seiner Unerfahrenheit auf diesem Niveau des Trainerdaseins nicht nur die Ohren, sondern vor allem auch die Herzen der gestandenen Spieler erreicht zu haben scheint. Gladbachs Profis wirken, als wäre ihnen wieder deutlich mehr bewusst, was es bedeutet, für diesen Traditionsverein auflaufen zu dürfen. Es handelt sich dem Gefühl nach nicht mehr nur um einen gutbezahlten Job vermeintlicher Söldner, sondern um eine Verpflichtung gegenüber Klub und Tradition. Dass Polanski als Profi selbst diese Werte der Fohlen getragen und verkörpert hat, hilft dabei; diese derart rasch an eine teils neue Generation von Fußballern weiterzuvermitteln, ist aber bewundernswert.

...scheint mit dem neuen Sportchef Rouven Schröder einen Entscheider im Sattel zu haben, der auch aufgrund des sportlichen Aufschwungs unter Polanski einen gewissen und fast schon ungewohnten Vertrauensvorschuss genießen darf. Wo bei Virkus noch jeder Handgriff unters Mikroskop gelegt und kritisiert wurde, wirkt es bei Rouven Schröder so, als wäre der Gladbacher Fan mehr dazu geneigt, geduldig abzuwarten, was in naher Zukunft passiert und wie der Stall der Fohlen wieder aufpoliert wird. Verheißungsvollen Transferankündigungen müssen zwar noch große Taten folgen, doch auch auf diesem Posten ist das Empfinden von außen deutlich entspannter als in den letzten Jahren. Anstatt bei jedem Handgriff eine Verschlechterung der Katastrophe zu erwarten, ist nun spürbare Hoffnung da, dass es endlich wieder bergauf geht.

Bringt Rouven Schröder die Fohlen wieder in die Spur?
Bringt Rouven Schröder die Fohlen wieder in die Spur? / Christian Verheyen/GettyImages

Die Fohlen galoppieren wieder auf festem Untergrund

Es ist nur so ein Gefühl, doch es scheint, als hätte sich Borussia Mönchengladbach soweit gefestigt und eine neue Basis geschaffen, um endlich auch wieder einen Vorstoß in sportliche Ebenen zu unternehmen, in denen man sich dem eigenen Anspruch nach selbst sieht und wo man aus fußballallgemeiner Sicht auch hingehört.

Die Stimmung rund um Borussia Mönchengladbach ist wieder freundlicher
Die Stimmung rund um Borussia Mönchengladbach ist wieder freundlicher / Christian Verheyen/GettyImages

Die Fohlen haben noch einen langen Weg vor sich, um sich endlich wieder im oberen Drittel Deutschlands zu etablieren und sich auch mal wieder für legendäre internationale Nächte unter Flutlicht zu qualifizieren. Doch erstmals seit Jahren habe ich als Außenstehender das Gefühl, dass die Borussen allmählich wieder auf einem breit aufgestellten und soliden Fundament stehen und sich den Hürden der näheren Zukunft stellen können, ohne dabei gleich bei jedem Windstoß ins Wanken zu geraten.

Eine erfreuliche Momentaufnahme, die hoffentlich auch bald wieder mit einem Stellenwert im deutschen und europäischen Fußball belohnt wird, die der großen Tradition dieses Klubs gerecht wird. Dafür braucht es aber mehr als nur ein Bauchgefühl, sondern jede Menge harter Arbeit, Zusammenhalt, Vertrauen, Widerstandsfähigkeit und eine große Portion Geduld von allen Seiten.


Weitere Gladbach-News lesen:

feed