Punkt statt Kommas: Der FC Bayern muss aufpassen, dass er sein Gesicht nicht verliert

Das Vertragstrauerspiel um Dayot Upamecano nimmt beim FC Bayern kein Ende und verdient nun endlich einen Punkt, anstatt weiterer vom Franzosen diktierter Kommas. Ein Kommentar.
Dayot Upamecano
Dayot Upamecano / S. Mellar/GettyImages
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Der FC Bayern München hat im bisherigen Saisonverlauf eindrucksvoll untermauert, für welche große Qualität er wieder steht. Der Rekordmeister ist auch in Sachen Leistungsfähigkeit wieder ein Big-Player des Weltfußballs, denn nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene gibt es nur wenige Vereine, die in dieser Spielzeit auf Augenhöhe mit dem deutschen Rekordmeister sind. Einzig der FC Arsenal hat es bisher geschafft, der gut geölten Maschine von Trainer Vincent Kompany den Stecker zu ziehen.

Doch wer glaubte, dass das Selbstvertrauen des FC Bayern darunter litt, sah sich getäuscht. Es wirkt eher fast so, als würden kleinere Ausrutscher die Münchner noch mehr anstacheln und sie erst recht dazu bringen, sich beweisen zu wollen. Der Klub aus der bayerischen Landeshauptstadt eilt somit nicht nur von Sieg zu Sieg, sondern auch von Rekord zu Rekord - die Bayern-Brust wird immer breiter.

Eigentlich ist also alles in Butter an der Säbener Straße, möchte man meinen, wenn da nicht das leidige Vertragsthema um Dayot Upamecano wäre, das mittlerweile zum Trauerspiel wird. Doch gerade bei diesem Thema sollten die Münchner jetzt Stärke zeigen und sich von leidigen Störgeräuschen befreien.

Upamecano-Deal zieht sich unnötig hin

Schon kurz vor Weihnachten war mir klar, dass der FC Bayern den Vertrag mit Upamecano so nicht verlängern sollte oder darf. Zu viel Theater und zu wenig Bekenntnis bot dieses Thema zu diesem Zeitpunkt bereits.

Nun, einen Monat später, sind wir beim Thema Upamecano keinen Meter vorwärtsgekommen – trotz angeblicher Grundsatzeinigung, bei der man fast schon vermuten wollte, dass die offizielle Verkündung nun bald komme. Pustekuchen! Upamecano ziert sich immer noch, seine Unterschrift unter einen frisch aufpolierten Vertrag zu setzen und die Führungsriege der Münchner hat bereits durchblicken lassen, dass dieser nicht noch einmal aufgebessert wird.

Für Upamecano sollte es nun heißen: "Friss oder stirb!" Doch der Zeitpunkt dieser Entscheidung darf nicht länger in der Hand des Franzosen liegen, denn der scheint bereit, die Hand zu beißen, die ihn füttert.

Spielt Dayot Upamecano ein unrühmliches Spielchen mit dem FC Bayern?
Spielt Dayot Upamecano ein unrühmliches Spielchen mit dem FC Bayern? / M. Donato/GettyImages

Wie schon im Dezember erwähnt, scheint Upamecano offenbar auf Besseres als den FC Bayern zu warten oder sich nur zu einer weiteren Vertragsbedingung mit dem FC Bayern zu verpflichten, wenn er gewisse Zugeständnisse in Sachen Ausstiegsklausel erhält. Damit will er die Münchner wohl als doppelten Boden nutzen, bis kommt, was er sich offenbar wirklich wünscht und er den Verein, der ihm die Stange hielt, fallen lassen kann wie eine heiße Kartoffel. Kein sonderlich dankbarer Ansatz, oder?

Dass dies einen mehr als faden Beigeschmack hat und sich der Eindruck festigt, der 27-Jährige halte sich die Bayern warm, wurde nun auch bei anderen aus der Szene deutlich, wie im Podcast Bayern-Insider zu hören war.

Die Bayern müssen jetzt endlich Eier beweisen

Ich bin der Meinung, die Münchner haben nun lange genug gewartet und sollten das Heft des Handelns in die eigene Hand nehmen. Schluss mit Warten! "Ja oder Nein, Dayot?! Und zwar JETZT!" Es muss eine Entscheidung her und wenn sich Upamecano so schwer damit tut, muss Bayern ihm diese Entscheidung eben abnehmen. Ein Ende in dieser Causa ist längst überfällig!

Unabhängig von seiner sportlichen Qualität ist Dayot Upamecano mit seinem ausstehenden Bekenntnis und ganz offensichtlich mangelnder Wertschätzung für seinen derzeitigen Verein keinen Pfifferling wert. Wer sich den FC Bayern als Sicherheitsoption warmhält, während er auf etwas Besseres wartet, ist ohne Probleme verzichtbar.

Viele mögen meinen, dieses ganze Gerede um Wappenküssen und scheinheiliger Vereinsliebe sei dummes Geschwätz, doch gerade mit Blick auf ganz große Erfolge ist es eben genau dieses kleine Detail, das am Ende über Triumph oder Trauer entscheidet.

Das Warten auf eine Upamecano-Entscheidung schadet dem FC Bayern
Das Warten auf eine Upamecano-Entscheidung schadet dem FC Bayern / picture alliance/GettyImages

Dabei geht es auch nicht um vorgetäuschte Vereinstreue, sondern um Grundsatzloyalität und Wertschätzung - Kernelemente des Münchner Mia San Mia. Möchte man seinen sportlichen Erfolg also in die Hände bzw. Füße eines Arbeitnehmers geben, der darauf zu warten scheint, bis etwas Besseres um die Ecke kommt? Meine Antwort wäre ein klares Nein. Es gleicht einer Farce!

Es muss endlich eine Entscheidung getroffen werden

Wenn Upamecano sich dem FC Bayern nicht voll und ganz annehmen kann oder will, dann ist das auch gar kein Vorwurf an den Franzosen. Dann ist es eben so. Sich jedoch als Notnagel warmhalten oder auf der Nase herumtanzen zu lassen, wird dem Stellenwert der Münchner als Weltklub und Arbeitgeber nicht gerecht und erfordert endlich Konsequenzen.

Es wäre am Ende dann wohl auch kein großer Verlust für die Münchner, wenn Upamecano den Verein verlassen würde. An der Spitze des Weltfußballs, kannst du dir einfach kein Wischiwaschi deiner Stars erlauben und Spieler mit ähnlicher Qualität würden sich vermutlich die Finger danach lecken, den Platz des Franzosen einzunehmen.

Bevor man jetzt aber wochenlang weiter auf ein Muh oder Mäh des Innenverteidigers wartet, sollte man Upamecano den neuen Vertrag unter der Nase wegziehen und das Thema beenden, bevor man am Ende sein Gesicht verliert. Zumindest eine zeitnahe Deadline wäre nun fällig. Am besten noch im Januar.

Max Eberl muss bei Upamecano einen Punkt setzen und darf keine weiteren Kommas akzeptieren
Max Eberl muss bei Upamecano einen Punkt setzen und darf keine weiteren Kommas akzeptieren / Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Denn: Was, wenn Upamecano nach weiteren ins Land gezogenen Wochen plötzlich entscheidet, dass er nun eine andere Offerte hat, die ihm besser in den Kram passt und den Bayern am Ende dieses Trauerspiels auch noch mit einer Absage vor den Kopf stößt?

Bereits jetzt scheint sich diese Causa zum Nachteil der Bayern auf dem Transfermarkt ausgewirkt zu haben, denn durch das Hinhalten Upamecanos konnten die Münchner offenbar nicht voll in den Poker um den wechselwilligen Marc Guehi einsteigen und mussten zusehen, wie dieser nun zu Manchester City wechselte. Wenn man bei Upamecano weiterhin so vorgeht wie bisher, könnte sich dieses Thema schmerzlich wiederholen.

FC Bayern darf Zukunftsgestaltung nicht von einem Spieler abhängig machen

Die Münchner haben jetzt noch die Chance, frühzeitig um einen Ersatz für Upamecano zu buhlen und sich einen Plan zurecht zu legen. Mit beispielsweise dem Argentinier Marcos Senesi gibt es eine interessante und im Sommer sogar ablösefreie Option, aber auch einige andere gefragte und qualitativ hochwertige Spieler, bei denen man mit einem Transfervorstoß nicht zu spät kommen darf, da man sonst im Sommer ohne Lösung A dasteht und unnötigerweise auf Lösung B oder C ausweichen muss.

All diese Komplikationen und verschwendeten Nerven ist ein Dayot Upamecano am Ende dann auch nicht wert - egal wie gut er sein mag. Der Abwehrchef in München ist ohnehin ein anderer.

Jonathan Tah (Hintergrund) ist die wichtigere Säule in der Bayern-Abwehr
Jonathan Tah (Hintergrund) ist die wichtigere Säule in der Bayern-Abwehr / picture alliance/GettyImages

Die Entscheider rund um Max Eberl müssen nun Eier beweisen und ein Signal setzen, dass man mit den Bayern nicht handeln kann wie mit einem unerfahrenen Milchmädchen, bei dem man frech um jeden Cent feilschen kann. Der Verein ist Upamecano aus meiner Sicht bereits zu weit entgegengekommen, hat sich zu lange hinhalten lassen, denn ein Bekenntnis des Spielers zum Klub bleibt weiterhin aus und schadet am Ende mehr als es nützt.

Es braucht nun einen Punkt, keine weiteren Kommas!

Nun scheint, wie lange nicht, der Spruch "Reisende soll man nicht aufhalten” einzutreffen, und die Bayern sollten endlich einen Punkt setzen, anstatt sich wöchentlich neue Kommas um die Ohren hauen zu lassen. Der Verein darf sich nicht länger vorführen und hinhalten lassen.


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