Ein erfolgreiches WM-Turnier kann aus deutscher Sicht mit einer funktionierenden oder eben nicht funktionierenden Doppelsechs stehen und fallen. Julian Nagelsmann hat jüngst im aufsehenerregenden kicker-Interview Leon Goretzka gelobt und diesem einen WM-Stammplatz in Aussicht gestellt.
Noch immer stellt sich aber auch ein wenig die Frage, ob es Joshua Kimmich nicht doch im Mittelfeld benötigt. Von der Kombination Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha scheint der Bundestrainer schließlich nicht restlos überzeugt zu sein.
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Grundsätzlich sollte im Mittelfeld der Nationalmannschaft Pavlovic unangefochtener Stammspieler sein. Der Youngster ist beim FC Bayern als Leistungsträger gesetzt, hat inzwischen Erfahrung sammeln können und auch seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff bekommen. Folgerichtig gibt es keine Gründe für Nagelsmann, auf Pavlovic zu verzichten. Offen ist hingegen die Frage nach dem passenden Nebenmann.
Die möglichen Mittelfeld-Kombinationen im Ranking
5. Pavlovic - Goretzka
Es ist durchaus vorstellbar, dass Pavlovic und Goretzka bei der WM 2026 das Mittelfeld-Duo bilden. Beide kennen sich bestens aus dem Verein, selbst wenn sie gar nicht so häufig gemeinsam auf dem Platz stehen. Grundsätzlich ergänzen sich auch beide ganz gut, weil Pavlovic mehr der Spielgestalter und Goretzka mehr der Box-to-Box-Spieler ist.
Das Problem ist aber ganz klar, dass Goretzka insbesondere in der Nationalmannschaft schlichtweg leistungstechnisch nicht gut genug für die Startelf ist. Goretzka stellt im Spielaufbau kaum eine Hilfe dar, wodurch viel Druck auf Pavlovic lasten würde. Zudem ist sein offensiver Output nicht groß genug. Goretzka mag häufig nach vorne vorstoßen, jedoch kommt er schon länger nicht mehr an seine frühere Torgefahr heran. Auch defensiv ist Goretzka nicht über jeden Zweifel erhaben. Die Athletik bringt er zwar mit, jedoch bestreitet er häufig nur wenige Zweikämpfe und stopft auch nicht beständig die Lücken.
Sein Mehrwert nach vorne ist nicht groß genug, um die anderen Defizite auszugleichen.
4. Pavlovic - Stach
Ist Anton Stach der bessere Goretzka? Dies ist schwer zu beurteilen, weil sich beide schon ein wenig voneinander unterscheiden. Von der Größe und Athletik ähneln sich beide, vom Verhalten auf dem Platz gibt es aber einige Unterschiede. Stach ist defensiv stärker, weil er mehr Zweikämpfe bestreitet sowie mehr Bälle gewinnt und abfängt. Gewissermaßen ist der Profi von Leeds United gegen den Ball wohl die beste Option, die es im Mittelfeld gibt.
Stach verfügt auch über ein gutes Passspiel und kann das Spiel nach vorne antreiben. In Sachen Torgefahr bringt er allerdings eher wenige Qualitäten mit und auch technisch betrachtet ist er eher auf Goretzka-Niveau unterwegs. Was ihm zudem fehlt, ist Nationalmannschafts-Erfahrung und die Routine in absoluten Top-Spielen. Prinzipiell würden Pavlovic und Stach sehr gut zusammenpassen, jedoch gibt es in Summe bessere Optionen.
3. Pavlovic - Stiller
Pavlovic und Angelo Stiller sind beide sehr spiel- und passstark und könnten gegen die nicht ganz so guten Teams durchaus ein passendes Gespann bilden. Letztlich sind sich beide aber eben sehr ähnlich, was damit einhergeht, dass sie athletisch nicht die stärksten Akteure sind. Gegen die richtig guten Mannschaften muss man Zweifel daran haben, ob das Duo defensiv stark genug ist. Hinzu kommt natürlich die eher geringe Nationalmannschafts-Erfahrung von Stiller. Beide gemeinsam zu bringen, dürfte nur in Spielen mit sehr viel Ballbesitz funktionieren.
2. Pavlovic - Kimmich
Pavlovic und Kimmich würden ohne Zweifel das beste Mittelfeld-Duo im DFB-Team abgeben. Immerhin sind beide auch beim FC Bayern im Zentrum gesetzt und liefern in dieser Rolle konstant gute Leistungen ab. Nun stellt sich nur die Frage, ob Kimmich als Rechtsverteidiger entbehrlich ist. Fakt ist, dass es keinen anderen Spieler gibt, der hinten rechts ähnlich gut funktionieren könnte wie Kimmich. Klassische Rechtsverteidiger wie Ridle Baku oder Josha Vagnoman haben schlichtweg nicht das nötige Niveau, bei Benjamin Henrichs gibt es nach langer Verletzung große Zweifel. Theoretisch könnte man einen Innenverteidiger nach rechts ziehen, jedoch gibt es hier auch kaum gute Optionen.
1. Pavlovic - Nmecha
Für Julian Nagelsmann mögen Pavlovic und Nmecha als Duo nicht die favorisierte Wahl sein. Dabei stellt sich aber die große Frage, warum der Bundestrainer das so sieht. Beide spielen eine sehr starke Saison und ergänzen sich auch gut. Pavlovic würde mehr den strategischen Part übernehmen und Nmecha auch mal den Weg nach vorne suchen. Zwar stößt er nicht ganz so gerne in Strafraum-Regionen vor wie Goretzka, jedoch ist er technisch besser und eher mal der Mann für einen entscheidenden Pass. In der laufenden Spielzeit hat Nmecha zudem auch Qualitäten bei Fernschüssen gezeigt. Ein weiteres Element, das dem DFB-Team guttun könnte.
Im Gegensatz zu Goretzka ist Nmecha zudem im Spielaufbau stark genug, Pavlovic entscheidend zu unterstützen. Gegen den Ball kann er zudem mit seiner Athletik mehr gewinnbringende Optionen verzeichnen als etwa Stiller. Nmecha ist der passende Allrounder neben Pavlovic.
Klar, für ein Mittelfeld-Duo bei einer WM sind beide noch eher unerfahren, jedoch könnte man genauso argumentieren, dass sie im Laufe der Saison entscheidend gereift sind. Man darf ja nicht vergessen, dass auch der erfahrene Kimmich als eher zentral orientierter Außenverteidiger einrücken und unterstützen könnte. In Summe sollte Nagelsmann diesem Duo das Vertrauen schenken.
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