Nagelsmann mit WM-Ansage: Kader-Entscheidungen, "die nicht auf supergroßes Verständnis stoßen"
Von Oliver Helbig

Die WM 2026 naht mit großen Schritten und auch bei der deutschen Nationalmannschaft beginnt allmählich die finale Kaderplanung. Damit verbunden sind einige brisante Entscheidungen, mit wem geplant wird und mit wem nicht.
Bundestrainer Julian Nagelsmann ließ nun in einem Interview mit dem kicker aufhorchen und kündigte Entscheidungen an, die auf großes und breites Unverständnis treffen könnten. Ein öffentlich diskutierter Wackelkandidat erhielt jedoch fast schon ein offizielles Flugticket vom Bundestrainer.
Nagelsmann wird in Sachen Kadernominierung deutlich
"Es wird Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen", sagte Nagelsmann beim Interview mit dem kicker. Damit bezog sich der DFB-Cheftrainer aber keineswegs nur auf die Meinung der breiten Bevölkerung, sondern auch auf den engeren Kreis der Nationalmannschaft.
"Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit, weil vielleicht ein Spieler bei uns nicht in der ersten Elf eingeplant ist, der bei seinem Verein aber Stammspieler und Leistungsträger ist", ergänzte der Bundestrainer deutlich. Wen Nagelsmann damit meinen könnte, steht derzeit natürlich noch in den Sternen, doch die kommende Länderspielpause im März könnte das Rätsel möglicherweise schon etwas lichten.
"Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben, zu spielen [...]."
- Julian Nagelsmann, kicker
Bei der Heim-EM 2024 verzichte der Bundestrainer beispielsweise mit Leon Goretzka auf einen prominenten Namen. Dieses Schicksal soll sich für den Noch-Bayern-Star aber im kommenden Sommer nicht wiederholen, wie Nagelsmann durchblicken ließ. "Stand jetzt wird Leon Goretzka, trotz weniger Spielzeit bei Bayern, gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali. Weil er einer ist, der auch in den Sechzehner geht, der kopfballstark ist und eine gute Wucht mitbringt", so Nagelsmann über den Mittelfeldstar, der in seine letzten Monate Vertragslaufzeit beim deutschen Rekordmeister geht. Nagelsmann scheint in seiner Linie also wohl auf einen wiedererstarkten Trend im Weltfußball setzen zu wollen.
Nmecha und Pavlovic nicht gemeinsam?
Derzeit die wohl formstärksten Spieler für die Doppelsechs sind Bayern-Eigengewechs Aleksandar Pavlovic und BVB-Star Felix Nmecha. In der deutschen WM-Startelf sieht Nagelsmann aber wohl dennoch nur einen der beiden. "Wir brauchen für den offensiveren Part ein etwas anderes Profil, aber einer von beiden hat auf jeden Fall gute Chancen zu spielen", erklärte der Bundestrainer.
Der "in Deutschland schon einen richtig stabilen, zweikampfstarken Sechser - auch in der Luft" - vermisse. "Ich habe sehr viele Spiele von verschiedensten Sechserkandidaten angeschaut. Aber dieses Profil, dass einer in der Luft richtig abräumt und eine gewisse Physis mitbringt, haben wir kaum." Goretzka bringe diese Profil noch am ehesten mit.
Kein Sechser-Kandidat ist dagegen FCB-Kapitän Joshua Kimmich, bei dem es notgedrungen die Rechtsverteidiger-Rolle bleibt.
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Wer sich nicht ins Team einbringt, fliegt wohl nicht mit
Offensichtlich wird nun vor allem darauf geachtet, wie die Spieler mit einer eher hinten angestellten Rolle in der Nationalmannschaft umgehen und ob sie persönliche Ansprüche dem Mannschaftsgedanken unterordnen können. Dies könnte sogar über eine Nominierung oder Nicht-Nominierung entscheiden.
"Du musst extrem darauf achten, wie ein Spieler damit umgeht, wenn er bei uns Kaderplatz 15 oder 16 ist, obwohl er bei seinem Verein als Top-Sechs-Mann gilt. Kann ein Spieler, der im Verein Stammspieler ist, bei uns in solch eine Rolle wachsen oder nicht", so Nagelsmann. Womöglich auch eine Art Warnschuss des Bundestrainers bevor die Nominierungsphase in ihren Endspurt geht.
"Der Kader wird dem, mit dem wir zur WM reisen wollen, schon sehr ähneln. Natürlich kann sich auch danach noch etwas ändern, aber generell ist die Grundidee, dass der März-Kader und das WM-Aufgebot artverwandt sind."
- Julian Nagelsmann, kicker
Aus dieser Sicht will Julian Nagelsmann aber ganz offensichtlich keinerlei Kompromisse eingehen. "Es gibt Spieler, die diese Rolle bei uns nicht gut erfüllen können. Und da geht es, das habe ich auch schon vor der EM betont, gar nicht um einen guten oder einen schlechten Charakter, sondern es geht darum, wer für welche Position geschaffen ist." Heißt also wohl: Unterwirft sich jemand nicht dem Teamgedanken und stellt persönliche Ansprüche über die der Nationalelf, könnte es in Sachen WM-Nominierung eng werden.
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