Deutschland nimmt Kurs auf die WM 2026, bei der es darum geht, sich endlich wieder wie eine große Fußball-Nation zu präsentieren. Nach den beiden katastrophalen Abschneiden bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ist der Druck auf das Team von Julian Nagelsmann groß.
Doch sind die deutschen Nationalspieler zweieinhalb Monate vor Turnierstart eigentlich schon in WM-Form? 90min macht den Check und wirft einen Blick auf alle Positionen. In Teil eins unseres WM-Barometers sehen wir uns die Lage im Tor an.
1. Oliver Baumann

Oliver Baumann ist die Konstanz in Person. Der 35-Jährige hat noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht und blüht in seiner Rolle als Nummer eins auf. Der Schlussmann zeigt konstant starke Leistungen im Tor der TSG Hoffenheim, die auch wegen Baumann so weit oben steht. Wirklich spektakulär agiert der Schlussmann zwar nicht und ein Manuel Neuer in seiner Prime ist er auch nicht, jedoch bringt er die Verlässlichkeit auf den Platz, die man braucht. Dazu strahlt Baumann Ruhe und Sicherheit aus.
WM-Form: 85 Prozent
2. Alexander Nübel

Alexander Nübel ist ein wenig unbeständiger als Baumann und auch deswegen nur die Nummer zwei. Der Schlussmann ist zwar mit Stuttgart sehr erfolgreich in der laufenden Saison, jedoch liegt das auch an seinen Kollegen. Gelegentlich hatte der Keeper zuletzt fehlerhafte Pässe im Spiel und auch bei dem ein oder anderen Weitschuss seine Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite rettete er aber auch einige Male mit seinen blitzschnellen Reflexen spektakulär. Grundsätzlich befindet sich Nübel in einer sehr ordentlichen, aber nicht überragenden Form.
WM-Form: 65 Prozent
3. Jonas Urbig

Der Neuer-Vertreter bekam zuletzt einige Spiele und wusste dabei zu überzeugen. Der Youngster zeigt sich sicher am Ball, stark in den Eins-gegen-Eins-Duellen sowie auf der Linie und hat ganz klar an Selbstvertrauen gewonnen. Nicht umsonst sehen die Bayern Urbig als planmäßigen Neuer-Erben an. Auch seine Nominierung für die Länderspiele spricht Bände, obwohl er ja eigentlich beim FC Bayern nur Ersatzkeeper ist.
Urbig gehört die Zukunft im deutschen Tor, doch auch jetzt ist er schon stark genug, um problemlos aufs Feld geschickt zu werden.
WM-Form: 85 Prozent
4. Noah Atubolu

Der Freiburger hatte im November und Dezember einige Wackler mit dabei, zeigt sich im neuen Jahr aber wieder formverbessert. Den ganz großen Step hat er nicht hinlegen können, jedoch scheint er auf dem richtigen Weg zu. Atubolu dürfte für die Nationalmannschaft in Zukunft noch wichtig werden, allerdings hat es den Anschein, als wäre Urbig das noch größere Talent. Wohl auch deshalb hat der aktuell so gut aufgelegte Bayern-Keeper den Vorzug bekommen. Sorgen müsste man sich mit Atubolu als Nummer drei im Tor aber auch keine machen.
WM-Form: 65 Prozent
5. Finn Dahmen

In der letzten Saison performte Finn Dahmen teilweise überragend, was sich auch in seinen sensationellen Statistiken zeigte. Darauf folgte dann aber eine ernüchternde Hinrunde mit einigen schwachen Auftritten. In der Vorsaison war Dahmen der statistisch beste Keeper und parierte 80 Prozent der Schüsse und knapp 60 Prozent der Großchancen, in der laufenden Saison ist er eher Bundesliga-Mittelmaß. In den letzten fünf, sechs Wochen hat Dahmen aber wieder richtig zulegen können und ist für Augsburg wieder ein sicherer Rückhalt geworden, der einige Top-Paraden zu bieten hatte. Nun gilt es, dieses Niveau zu festigen.
WM-Form: 60 Prozent
6. Marc-André ter Stegen

Eigentlich sollte die WM 2026 das Turnier für Marc-André ter Stegen werden. Nun sieht es aber danach aus, als würde der langjährige Neuer-Backup überhaupt nicht mitfahren. Grund dafür sind zahlreiche Verletzungen. Der 33-Jährige hat nur drei Pflichtspiele in der laufenden Saison absolviert. Beim FC Girona sollte der eigentliche Barca-Keeper Spielpraxis sammeln, jedoch zog er sich auf Anhieb eine Oberschenkelverletzung zu, die weiterhin anhält. Erst Ende April ist wohl mit einem Comeback zu rechnen. Für die WM kommt er wohl nicht mehr infrage.
WM-Form: 5 Prozent
Fazit:
Deutschland hat absolut kein Torwartproblem. Die Frage ist eher, ob es einen Keeper gibt, der die Probleme aus den anderen Mannschaftsteilen ausbügeln kann. Auf einen wirklichen Weltklasse-Keeper, wie es Neuer und ter Stegen lange waren, kann Nagelsmann nicht bauen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau. Oliver Baumann ist ein guter Torhüter und absolut in Form. Man darf davon ausgehen, dass er ein starkes Turnier spielt, wenngleich er vielleicht nicht den ganz großen Unterschied ausmachen kann. Auch die Baumann-Vertreter sind allesamt ordentlich bis gut in Schuss. Bitter bleibt die Verletzung von ter Stegen dennoch, der gerade mit dem Ball am Fuß dann doch nochmal eine Ecke stärker wäre.
