Warum die Upamecano-Verlängerung eine Niederlage für den FC Bayern ist
Von Oliver Helbig

Nun also doch: Dayot Upamecano und der FC Bayern München verlängern ihre gemeinsame Zusammenarbeit. Nach monatelangem Vertragstheater und Hinhalten seitens des Franzosen wird der Innenverteidiger seine Unterschrift unter das bereits seit längerer Zeit auf dem Tisch liegende Angebot der Bayern setzen und damit auch über das Saisonende hinaus an der Säbener Straße bleiben.
Der Weg hin zu diesem Punkt und sein Schlussakkord haben allerdings mächtig am Image des Münchner Spitzenklub gekratzt.
Vertragsangebot war schon zurückgezogen - dann die Kehrtwende
Wie Sky-Reporter und Transferexperte Florian Plettenberg am Montagabend gegen Ende des Deadline Days vermeldete, hatte der FC Bayern das Angebot an den 27-Jährigen bereits zurückgezogen. Dies führte offenbar dazu, dass Upamecano als Reaktion auf den Rückzug des Angebots selbst Kontakt aufnahm und die Münchner Bosse um Gnade bat, damit er doch noch seine Unterschrift unter das Angebot der Bayern setzen könne.
Diese Geschichte sorgte auch bei Sky-Experte Didi Hamann für großes Unverständnis - Hamann hat mit seiner scharfen Kritik nicht Unrecht.
FC Bayern hat sich vorführen lassen
Bereits seit Wochen vertrete ich die Meinung, dass sich der FC Bayern in Sachen Upamecano am Nasenring durch die Manege führen lässt. Nicht nur gibt der Verein dabei kein gutes Bild ab, er lässt sich beinahe schon peinlich vorführen.
Dass ein Spieler ein überaus lukratives und großzügiges Vertragsangebot aus München derart auf die lange Bank schiebt und scheinbar auf ein besseres Angebot oder ein weiteres Zugeständnis des Rekordmeisters pokert, signalisiert, dass dieser Spieler mit dem Herzen nicht voll und ganz beim Klub ist – unabhängig davon, ob die Hinhaltetaktik aus eigenem Antrieb oder auf Anraten des Beraters erfolgt.
- Der FC Bayern sollte so nicht mit Dayot Upamecano verlängern
- Punkt statt Kommas: Der FC Bayern muss aufpassen, dass er sein Gesicht nicht verliert
Dass Upamecano ein bereits zurückgezogenes Vertragsangebot nun doch unterschreiben darf, so wie es war und nicht etwa zu neuen Bedingungen im Sinne des FC Bayern, ist unbegreiflich. Der Rekordmeister verhält sich in dieser Causa beinahe wie ein hoffnungslos verliebter Teenager, der verzweifelt auf einen Strohhalm seines Schwarms wartet und ihm in der Sekunde verfällt, in der er sich meldet, weil er nichts Besseres fand.
Das zeugt nicht gerade von großer Stärke, sondern offenbar, wie auch Hamann schon deutlich sagte, von der ganzen Schwäche der Bayern.
Die Bayern hätten nun endlich Stärke zeigen können
Und für Upamecano hat dieses ewige Theater am Ende wohl tatsächlich keinen negativen Beigeschmack. Er bekommt trotzdem, was er so lange sicher wusste und dennoch hingeschoben hat. Damit wurde auch deutlich, wie unbedeutend ihm ein Bekenntnis zum FC Bayern ist. Jetzt kann er sich ins Fäustchen lachen. Ohne Konsequenzen und Abstriche schenkt ihm der FC Bayern nun das eigentlich bereits zurückgezogene doppelte Fangnetz, das Upamecano fürstlich entlohnt, bis sein wirklicher Traumverein anklopft. Zumindest wirkt es so.
Die Münchner wären gut beraten gewesen, nun den Griff an den längeren Hebel zu wagen und zu sagen: "Pass auf, mein Freund, jetzt so, wie wir wollen, und zwar ohne Ausstiegsklausel." Denn Upamecano behält neben einer gewaltigen Gehaltserhöhung auf vermeintlich 20 Millionen Euro brutto und einem Unterschriftsbonus, der ebenfalls bei angeblich 20 Millionen Euro liegen soll, nun auch noch das Recht, mit vollgepackten Geldkoffern und dank der im Vertrag verankerten Ausstiegsklausel im Sommer 2027 doch noch abzuziehen und die Bayern als ausgenommene Weihnachtsgans zurückzulassen.
Upa-Millionen hätten nun anders investiert werden können
Monatelang kein klares Bekenntnis von Upamecano und dann, sobald das Angebot vom Tisch ist, doch noch nachgeben, weil die passende Alternative noch nicht ernst genug vorstellig geworden ist? Der FC Bayern ist in dieser Vertragsposse sicherlich nicht als Gewinner zu bezeichnen. Er hätte das Geld, das man nun doch für Dayot Upamecano zahlt, sicherlich auch anderweitig investieren können. Beispielsweise in einen Transfervorstoß bei HSV-Shootingstar und Tottenham-Leihgabe Luka Vuskovic, der mit seinen zarten 18 Jahren bereits andeutet, dass er bald zu den Weltstars des Fußballs gehören könnte.
Die nun doch stattfindende Vertragsverlängerung mit Upamecano - weiterhin zu seinen Bedingungen - ist aber wohl eine herbe Niederlage für den Weltklub FC Bayern, der damit deutlich gemacht hat, dass er bereit ist, vor Starspielern niederzuknien und sich in die Hand, die das kostspielige Futter hält, beißen zu lassen.
Denn letztlich bleibt nicht etwa die Tatsache stehen, dass man einen wichtigen Starspieler halten konnte, sondern dass man es sich in München offenbar erlauben kann, nach einer bisher nur halben wirklich überzeugenden und mehr oder weniger fehlerfreien Saison, seinem Arbeitgeber schon nach Belieben auf der Nase herumzutanzen, ohne am Ende Konsequenzen fürchten zu müssen. Im Gegenteil. Man belohnt dieses Kasperletheater nun auch noch.
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