Verfolgt Gladbach einen riskanten Polanski-Plan?
Von Yannik Möller

Nach inzwischen sieben sieglosen Spielen, mit zum Teil regelrecht erschreckend schwachen Auftritten, ist die Abstiegsgefahr für Borussia Mönchengladbach über die letzten Wochen wieder sehr real und bedrohlich geworden. Nur noch drei Punkte Vorsprung sind es auf einen direkten Abstiegsplatz, nur zwei auf die Relegation.
Sowohl der aktuelle Trend, als auch die grundsätzliche Ausgangslage bilden eine Kombination, die für viele Vereine wohl bereits ausreichend wäre, um nochmal ganz konkret über einen Trainerwechsel nachzudenken.
Bei Borussia ist das aber (noch) nicht der Fall. Erst jüngst machte Rouven Schröder deutlich, dass er nach wie vor großes Vertrauen in Eugen Polanski hat (90min berichtete). Könnte es für dieses Festhalten am Trainer einen bestimmten Grund geben?
Geht Schröder wegen der neuen Saison ganz bewusst ins Risiko mit Polanski?
Es ist bloß eine Vermutung, aber eine, die doch Sinn ergeben würde: Geht Schröder ganz bewusst bei Polanski ins Risiko, um nicht auch schon die nächste Saison zu gefährden?
Das Problem liegt auf der Hand: Polanski selbst ist bereits als Feuerwehrmann eingesprungen - wenngleich sehr früh in der Saison, nach der überfälligen Freistellung von Gerardo Seoane. Weil es unter ihm zunächst einen kleinen Aufwärtstrend mit wichtiger Stabilisierung gab, wurde ihm frühzeitig das Vertrauen ausgesprochen. Der 39-Jährige wurde zum dauerhaften Cheftrainer ernannt und mit einem bis 2028 gültigen Vertrag ausgestattet.
Sollte Polanski also gehen müssen, bräuchte es einen Feuerwehrmann nach dem Feuerwehrmann. Und da ergibt sich das Problem: Ein neuer Coach würde sicherlich keinen Vertrag unterschreiben, der nur bis zum Saisonende läuft. So müsste Borussia sich dazu verpflichten, mit dem Polanski-Nachfolger auch in die neue Saison zu gehen.
Angesichts der aktuellen Ausgangslage und der augenscheinlich schwierigen Mannschaft besteht jedoch die Gefahr, dass der neue Trainer dann zum Sommer auch schon verbrannt wäre - womit die nächste Saison bereits ins erneute Risiko fallen würde. Denn: Geld für einen größeren Kaderumbruch zum Sommer gibt es schlichtweg nicht.
Andererseits würde ein Trainer, der einen Vertrag bis zum Saisonende akzeptiert, wohl kaum helfen. Immerhin würde es dann auf einen höchstselbst verzweifelten Coach hinauslaufen, der diese Chance unbedingt braucht. Wäre eine solche Personalie dann erfolgsversprechender als der vorige Jugend- und U23-Trainer der Borussia? Wohl kaum.
Deshalb liegt es auf der Hand: Schröder würde wohl gerne die Saison mit Polanski beenden, natürlich mit dem Klassenerhalt. Dann wäre eine saubere Trennung möglich. Ein Dankeschön, dass er in dieser schwierigen Ausgangslage übernommen und die Klasse gehalten hat. Klar, der dann noch zwei weitere Jahre (!) gültige Vertrag ist ein auch finanzieller Nachteil. Auf diese Weise könnte aber ein klarer Cut gemacht werden. Ein neuer Cheftrainer wäre noch nicht verbrannt und könnte mit der Saisonvorbereitung starten - das Optimalszenario.
Nochmal: Es ist bloß eine Vermutung, die allerdings Sinn ergeben würde. Für den Verein wäre es wohl die beste Option, wie diese Saison zu beenden wäre. Gleichzeitig ist es natürlich riskant, sich auf diesen Plan zu verlassen. Schröder wird früher oder später die Reißleine ziehen und sich damit einen ersten großen Fehler als Gladbach-Sportdirektor eingestehen müssen, sollte der Vorsprung auf die Abstiegsplätze nicht zeitnah wieder anwachsen. Umso größer ist der Fokus, der auf den nächsten zwei, drei Spielen liegen wird.
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