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Über dem Dom geht die Sonne auf - Kommentar

Der 1. FC Köln scheint befreiter und mit mehr Leichtigkeit aufzutreten – gerade rechtzeitig zum Saisonendspurt im Abstiegskampf. Das liegt auch an gelösten Fesseln an den Füßen des Kölner Hoffnungsträgers.
Effzeh-Coach Rene Wagner
Effzeh-Coach Rene Wagner | Jan Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Was für eine Bundesligasaison für den 1. FC Köln - bisher! Nach einem überaus hoffnungsvollen Start mit elf Punkten aus den ersten sieben Saisonspielen keimten schon vereinzelt leise Hoffnungen auf, eine dicke Überraschung darstellen zu können. Doch der zunächst steile Aufstieg erfuhr einen heftigen Absturz und so gelang es den Domstädtern nicht, den guten Saisonstart auch im weiteren Verlauf konstant zu bestätigen. Es folgten Wechselbäder der Gefühle und stetes Auf und Ab.

Vor allem seit Jahresbeginn tat sich die Geißbockelf schwer, aus ordentlichen Auftritten auch Zählbares mitzunehmen und schnell verkümmerte Cheftrainer-Hoffnung Lukas Kwasniok zum ungebetenen Gast, der alsbald auch schon seinen Hut nehmen musste.

Am 22. März verkündete der 1. FC Köln die Trennung von Trainer Kwasniok offiziell und beförderte mit René Wagner den bisherigen Co-Trainer der Kölner in die sportliche Verantwortung. Ein Neustart zum richtigen Zeitpunkt wie es den Anschein macht, denn das Aufatmen in Köln war beinahe schon über die Grenzen der Domstadt spürbar.

Wagner scheint die richtigen Töne zu treffen

Nachdem der 1. FC Köln durch einige recht dunkle Wochen und zahlreiche sieglose Partien dümpelte, scheint nach der Beförderung von Wagner die Sonne über dem Dom wieder aufzugehen und die dunklen Wolken über den Rhein und zu anderen Klubs in der näheren Umgebung zu schieben. Nicht etwa, weil man jetzt sportlich ein komplett neues Niveau erreicht hätte – was nach so kurzer Zeit auch vermessen zu verlangen wäre –, sondern weil sich das Feeling rund um den Effzeh für mich als Außenstehenden deutlich verändert hat. Es wirkt leichter und beinahe so, als hätte man sich mit Kwasniok auch von einer dicken Schicht Staub und einem komischen Beigeschmack gelöst.

1. FC Köln
1. FC Köln | Jan Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Hauptverantwortlich für diesen Eindruck aus Kreisend es Kölner Kaders ist dabei vermutlich Shootingstar Said El Mala, der nun auch von Trainerseite offiziell und unverblümt als Hoffnungsbringer und Wunderknabe hingestellt wird. Eine Entwicklung die als warmer Sonnenstrahl im von Gewittern durchzogenen Abstiegskampf auf die Kölner Fanseele prallt und letztlich könnte gerade das nun als großes Zugpferd für den Kölner Klassenerhalt herhalten. Tatsächlich schien es zuvor beinahe schon so, als würde die eigene Bedrücktheit unter Kwasniok als große Bremse des Erfolgs im Weg stehen.

El Mala das Gesicht der Kölner Klassenerhaltsträume

Unabhängig von seiner Unerfahrenheit als Cheftrainer muss man René Wagner bereits jetzt zugute halten, dass er ein Näschen dafür zu haben scheint, die richtigen Knöpfe zu drücken, um in Köln zu vermitteln, dass Abstiegskampf auch Spaß machen kann.

Eine derart pikante Aufgabe als No-Name anzunehmen und das in einer sportlich medialen Brennpunktstadt wie Köln - das macht man nicht mal eben im Vorbeigehen. Mit dieser unbekümmerten und bodenständigen Herangehensweise lässt sich am Ende vermutlich auch deutlich mehr erreichen als unter dem zuletzt bedrückten Kwasniok-Fußball. Die kommenden Wochen und Ergebnisse werden es aber zeigen müssen was der Trainerwechsel tatsächlich wert war. Vier Punkte aus den ersten beiden Partien gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen sind allerdings bereits ein deutlicher Fingerzeig.

"Said ist ein Unterschiedsspieler. Wir tun uns keinen Gefallen, ihn nicht in der Startelf zu haben."
Rene Wagner über Said El Mala
Das Kölner Gesicht der Hoffnung: Said El Mala
Das Kölner Gesicht der Hoffnung: Said El Mala | Jan Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Was Wagner im Gegensatz zu Kwasniok offenbar auch verstanden hat, ist, dass die Kölner Hoffnung auf den Klassenerhalt ein Gesicht benötigt - und zwar nicht das des Trainers. Anstatt sein eigenes in den Vordergrund zu stellen, gibt der neue Mann an der Seitenlinie der Geißböcke mit Said El Mala genau demjenigen nun diese Bühne, der in den Augen der Kölner Fans der einzige Held sein kann, den es derzeit braucht und auf dessen Entfesslung alle gewartet haben.

"Ich spüre sein Vertrauen sehr. Das tut extrem gut. Ich habe einen offenen Austausch mit René, und die Unterstützung macht es einfach leichter"
Said El Mala über Rene Wagner

Auch das sorgt für neue Leichtigkeit zur richtigen Zeit und frischen Rückenwind im Saisonendspurt, auch weil El Mala selbst viel befreiter und mit deutlich mehr Rückenwind aufläuft. So sollte auch dieser Aspekt als Schulterklopfer für Wagner zum Anlass genommen werden.

Vielleicht wird aus der aufgehenden Sonne über dem Kölner Dom ja so am Ende noch ein besonders heiterer Frühling mit einem großen Grund zum Jubeln Mitte Mai.

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