Das 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem der 1. FC Köln zwar noch einen Punkt rettete, aber erneut den großen Befreiungsschlag verpasste, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Am Tag nach dem Rheinderby trennten sich die Geißböcke von Trainer Lukas Kwasniok.
Aufgrund der Ergebniskrise des Aufsteigers, der nur zwei der jüngsten 18 Bundesliga-Spiele gewann und sich zum Zeitpunkt von Kwasnioks Entlassung sogar kurzzeitig auf dem Relegationsplatz wiederfand, war die Entscheidung alternativlos. Zwar waren die Leistungen selten enttäuschend, gerade gegen qualitativ stärkere Teams gab Kwasnioks Elf immer ihr Bestes, sie verlor jedoch zu oft die sogenannten 50:50-Spiele. Das führte zur prekären Tabellensituation und zwang Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler zum Handeln.
Kwasniok war tatsächlich "der richtige Mann am richtigen Ort"
"Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort im richtigen Verein", erklärte Kwasniok nach dem Spiel gegen Gladbach noch erhobenen Hauptes – und hatte damit zum Teil auch recht. Aus sportlicher und emotionaler Sicht schienen Kwasniok und der 1. FC Köln zu Saisonbeginn das perfekte Match zu sein, nach dem der Effzeh seit dem Weggang von Steffen Baumgart gesucht hatte.
Das unterstreicht auch der erfolgreiche Saisonstart der Rheinländer, die bis Anfang Oktober noch auf Europa-Kurs waren. Der mutige Offensivfußball, den Kwasniok trotz der Außenseiterrolle spielen ließ, bereitete auch neutralen Zuschauern große Freude und ließ auf eine langfristigen Zusammenarbeit beider Parteien träumen.
Dann kam jedoch großes Verletzungspech hinzu, in zahlreichen Spielen fehlte es an Matchglück, es gab strittige Schiedsrichterentscheidungen, individuelle Fehler, große Unruhe rund um die Zukunft von Said El Mala und unglückliche Aussagen von Kwasniok. All dies ließ das sehr positive Bild vom Effzeh und seinem Trainer nach und nach kippen.
Spätestens im Februar verlor Kwasniok den Rückhalt vieler Fans, als er die Kölner Südkurve für den Stimmungsboykott aufgrund eines Todesfalls kritisierte und abstruserweise auch noch Vincent Kompanys Rassismus-Rede in diesen Vorfall mit reinzog. Zudem brachte er seinen Unterschiedsspieler El Mala zu häufig erst von der Bank. Und das alles vor dem Hintergrund der sportlichen Ergebniskrise, die trotz zweier Siege gegen Mainz und Wolfsburg ihren Lauf nahm.
Das Kölner Streben nach Kontinuität bleibt erfolglos
Dennoch sollte die Gesamtsituation den Kölnern zu denken geben, denn mit der Entlassung sind die vielen Probleme nicht automatisch behoben. Obwohl die Geißböcke einen Trainer gefunden hatten, der eigentlich wie die Faust aufs Auge zum Verein passte, musste schon nach 27 Spielen wieder die Reißleine gezogen werden. Das erfolglose Streben nach Kontinuität geht damit weiter, mal wieder ist ein Trainer frühzeitig am Geißbockheim gescheitert. Das sollte allen Verantwortlichen zu denken geben, denn so dreht sich der Verein seit Jahren weiter im Kreis. Wie soll einem künftigen Trainer nun glaubhaft vermittelt werden, dass mit diesem wirklich langfristig geplant wird?
Für den neuen Impuls soll aber erst einmal einer der bisherigen Assistenten, René Wagner, sorgen. Das Positive für das Trainertalent: Er übernimmt, anders als zuletzt beispielsweise Dieter Hecking in Wolfsburg, eine Mannschaft, die an sich glaubt und den Kampf um den Klassenerhalt zu 100 Prozent annimmt. Anders als in anderen Saisons, in denen der 1. FC Köln gegen den Abstieg spielte, verfügt er noch dazu über die nötige Qualität im Kader, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Der Blick auf den Spielplan darf den Fans Hoffnung bereiten, zeigt aber auch, dass es in den kommenden sieben Spielen noch richtig ernst wird. Nach Wagners Debüt, dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt am Ostersonntag, treffen die Domstädter direkt hintereinander auf die direkten Konkurrenten Werder Bremen und St. Pauli. Da später auch noch Bayer Leverkusen und der FC Bayern auf den Aufsteiger warten, müssen diese beiden Spiele gewonnen werden. Damit wird der Trainer-Neuling direkt mal ins kalte Wasser geworfen.
