Zugegeben, die reinen Ergebnisse sprachen nicht unbedingt für eine Weiterbeschäftigung. Mit René Wagner als Cheftrainer hielt der 1. FC Köln zwar die Klasse, holte seit seiner Beförderung aber nur sechs Zähler aus sieben Spielen. Damit hat der 37-Jährige sogar einen schlechteren Punkteschnitt vorzuweisen als sein Vorgänger Lukas Kwasniok.
Ein echter Trainereffekt war zumindest von außen nicht zu spüren. Die Kölner dürfen sich vor allem bei ihrer schwachen Konkurrenz bedanken, dass sie sich auch nach diesem Sommer noch Bundesligist nennen dürfen. Und doch ist die Entscheidung der Verantwortlichen, weiter an Wagner festzuhalten, bei aller (zum Teil berechtigten) Kritik nachvollziehbar.
Wagner erhält erstmals eine faire Chance
Damit zeigen die Kölner, dass ihr Streben nach Kontinuität trotz der Kwasniok-Entlassung keine leeren Phrasen sind. Die Zeiten, in denen der Trainerposten am Geißbockheim einem heißen Stuhl glich, sollen endlich vorbei sein. Es wäre zum einen widersprüchlich gewesen, Wagner nach nur sieben Spielen wieder von seinen Aufgaben zu entbinden, und zum anderen dem Coach gegenüber unfair.
Wagner gilt in der Branche als vielversprechendes Trainertalent und wurde im April ins kalte Wasser geworfen. Mit dem 2:2-Unentschieden nach einem 0:2-Rückstand gegen Eintracht Frankfurt, dem überlebenswichtigen 3:1-Sieg gegen Werder Bremen und auch der unglücklichen 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen stellte er zumindest unter Beweis, dass er die Mannschaft erreicht. Da der Klassenerhalt mit einer eigentlich sehr intakten Mannschaft die höchste Priorität hatte, drehte er bewusst nur an bestimmten Stellschrauben.
Im Sommer hat Wagner nun die Gelegenheit, größere Veränderungen vorzunehmen und gemeinsam mit den Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler den Kader nach seinen Vorstellungen anzupassen. Eine ganze Saisonvorbereitung dürfte nicht nur die Spielidee verfestigen, sondern auch das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer stärken. Wenn man sich auf die Fahnen schreibt, auf Kontinuität setzen zu wollen, sollte man Wagner diese Chance auch nicht nehmen.
Auch ein Neustart wäre keine Erfolgsgarantie gewesen
Ein neuer Trainer hätte zu Saisonbeginn natürlich weniger Druck gehabt als Wagner, der nach seinem schwachen Einstand punkten muss. Doch auch mit einem neuen Coach wie Christian Eichner, der über keinerlei Bundesliga-Erfahrung als Trainer verfügt, oder Horst Steffen, der mit Werder Bremen im Oberhaus bereits scheiterte, hätte es keine Erfolgsgarantie gegeben. Unklar ist zudem, welche der genannten Kandidaten überhaupt für die Kölner zur Verfügung gestanden hätten.
Scheitert Wagner beim Effzeh, wäre die Abfindung im Falle eines Fehlstarts zumindest deutlich günstiger als bei einem erfahreneren Coach, der womöglich nur durch einen langfristigen und hoch dotierten Vertrag zu bekommen gewesen wäre. Und ja, auch solche Faktoren muss der 1. FC Köln bei seinen Entscheidungen berücksichtigen.
Weitere Köln-News lesen:
