Es scheint wie eine nie endende Transfergeschichte des FC Bayern München. Nachdem man Joao Palhinha als Holding Six unter Vertrag genommen und große Hoffnungen in die Qualitäten des Portugiesen gesetzt hatte, ging der Wechsel für die Münchner und den Spieler nie so auf, wie man es sich gewünscht hätte.
Palhinha konnte keine tragende Rolle beim Rekordmeister einnehmen und verlor unter Vincent Kompany und angesichts des sich wandelnden Spielstils der Bayern weiter an Standing.
In der vergangenen Saison verliehen die Münchner den vermeintlichen Transferflop zurück nach England, wo Palhinha bei Tottenham Hotspur eine ordentliche Rolle spielte. Die Hoffnung, dass die Spurs den defensiven Mittelfeldspieler fest verpflichten würden, ging jedoch nicht auf, sodass Palhinha zuletzt wieder im Bayern-Trikot auf dem Rasen stand.
- Nochmal nachlesen: Palhinha kämpft plötzlich um Bayern-Verbleib
Am Rande des Testspiels gegen Wehen Wiesbaden am vergangenen Wochenende sorgte der 31-Jährige für eine Überraschung und sagte im Vorbeigehen, dass er in München bleiben wolle. Dieser fromme Wunsch scheint komplett gegensätzlich zu den Gedankengängen des Vereins, die den 37-maligen Nationalspieler weiterhin verkaufen wollen (90min berichtete).
Stellt sich also vielleicht die Frage, ob man die gesamte Situation rund um Joao Palhinha nochmal überdenken und dem Portugiesen einen zweiten Anlauf in München zugestehen sollte. Wir analysieren.
Was sportlich gegen eine zweite Palhinha-Chance spricht
Der FC Bayern hat sich unter Cheftrainer Vincent Kompany sein altes Selbstverständnis und zu einer neuen Dominanz zurückerkämpft. In der Vorsaison überrollte der Verein aus der bayerischen Landeshauptstadt zahlreiche Gegner fast im Spaziergang.
Mit ihrem spielstarken Ansatz und hohem Pressing drückten die Münchner ihren ganz persönlichen Stempel auf. Daran dürfte sich in der kommenden Saison kaum etwas ändern – im Gegenteil. Es ist eher zu erwarten, dass der deutsche Rekordmeister seine neu gewonnene DNA weiter festigen und verbessern will.

Und genau das wäre für Joao Palhinha das große Problem: Der Portugiese gilt als klassischer Abräumer und stehender Sechser, der vor der Abwehrreihe aufräumt. Diese Rolle ist im Spiel des FC Bayern über weite Strecken der Saison jedoch fast vollkommen überflüssig.
Palhinha ist keiner, der das Spiel nach vorne auf dem Niveau eröffnen kann, das der FC Bayern braucht. Zudem gilt Palhinha nicht als Spieler, der Pressinglinien überspielt oder überläuft und sich geschickt aus dem Druck des Gegners windet. Zudem müsste er bei gegnerischen Ballgewinnen schnell wieder umschalten können und weite Wege in die eigene Hälfte mit schnellen Schritten meistern.
Der Kompany-Fußball scheint auf den ersten Blick und über weite Teile der Saison hinweg also nicht gerade ein sinnvolles Nest zu sein, in das sich der 31-Jährige setzen sollte.
Was sportlich für eine zweite Palhinha-Chance spricht
Das Spielerprofil von Palhinha könnte jedoch im Saisonendspurt interessant werden, wenn es neben der vermeintlich fast sicheren deutschen Meisterschale in den K.-o.-Spielen der Pokalwettbewerbe gegen Teams auf Augenhöhe und in enge Duellen geht.
In der Phase, in der man zum Beispiel ab dem Viertelfinale der Champions League vielleicht auch mal dazu gezwungen ist, eine knappe Führung über die Zeit zu bringen, oder in der man sich vielleicht nicht in der ganz großen Favoritenrolle gegen einen anderen Top-Klub befindet, würde einer wie Joao Palhinha den Bayern mit Sicherheit weiterhelfen können. Denn außer ihm haben die Bayern keinen anderen ähnlichen Spielertyp im Kader, der körperlich dazwischen gehen und im Mittelfeld dazwischenhauen kann. Mit Leon Goretzka verloren die Bayern einen Akteur, der diese Körperlichkeit mitbrachte, allerdings auch eine deutlich offensivere Auslegung als Palhinha hatte.

Joao Palhinha würde mit seinen persönlichen Stärken die Kaderbreite in gewisser Weise vertiefen und ein Element einbringen, das die Münchner ohne ihn so nicht haben. Das könnte wiederum dazu führen, dass die Bayern insgesamt besser werden - wenn auch nicht in großem Ausmaß. Gerade in der Schlussphase der Saison könnten sein aggressives Zweikampfverhalten, seine Kopfballstärke und sein durchaus starkes Stellungsspiel vonnöten sein, um zu internationalen Erfolgen beizutragen, die in der abgelaufenen Saison ausblieben.
Fazit
Joao Palhinha wäre mit seinem Profil eine durchaus interessante Ergänzung für den Werkzeugkasten von Vincent Kompany, die vor allem gegen Ende der Saison von Bedeutung sein könnte.
Die alles entscheidende Frage ist dabei nur, ob sich eine zweite Chance angesichts des hohen Gehalts des Portugiesen rechtfertigen würde. Kann man es sich an der Säbener Straße erlauben, einen Gutverdiener durch die Saison zu schleifen und Spielzeit für Talente zu opfern, um ihm dann am Saisonende eventuell und nur bedingt eine kleine Rolle zuzuteilen?

Vermutlich eher nein, wenn man Preis-Leistung ins Verhältnis stellt. Auch, weil die Frage ist, ob Palhinha ohne regelmäßige Spielzeit überhaupt im Flow und fit wäre, wenn man ihn vereinzelt und auf den Punkt bräuchte.
Gibt es womöglich doch eine kleine Palhinha-Chance?
Letztlich liegt es auch ein bisschen bei Joao Palhinha selbst, ob er sich in der aktuellen Phase der Vorbereitung noch aufdrängen kann. Nur anbieten reicht für den vermeintlichen Transferflop nicht mehr aus. Der Portugiese müsste die Bayern-Bosse und vor allem Kompany deutlich von sich begeistern, um die Segel noch einmal umzusetzen.
Sein Abgang steht deshalb weiterhin ganz oben auf der Agenda – doch die Münchner sind wiederum auf Angebote für den Abgangskandidaten angewiesen, und die scheint es derzeit nicht zu geben.
Es ist also vielleicht sogar vorstellbar, dass es bei Palhinha ähnlich läuft wie einst bei Leon Goretzka, der ebenfalls lange als Verkaufskandidat Nummer eins galt und die Transferphase irgendwie überstand. Am Ende nahm Goretzka eine wichtigere Rolle ein, als man ihm zugetraut hatte. Sag also niemals nie - vor allem nicht im Profifußball.
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