Steile These: Der BVB hat sich unter Kovac in eine gefährliche Lage gebracht
Von Oliver Helbig

Oberflächlich betrachtet könnte man bei Borussia Dortmund von einer durchaus erfolgreichen Saison sprechen, denn mit dem derzeitigen zweiten Platz in der Bundesliga und der Chance, auch in der Champions League noch ein Wörtchen mitzureden, steht lediglich das bereits erfolgte Aus im DFB-Pokal als dicker Wehrmutstropfen zu Buche – zumindest was den messbaren sportlichen Erfolg angeht.
Doch neben der einen oder anderen Unzufriedenheit der Dortmunder Fans mit dem Spielstil der Kovac-Truppe und der mitunter fußballerischen Magerkost hat sich die Borussia im Schatten all des Offensichtlichen vermutlich ein mächtiges Problem geschaffen.
Hat Niko Kovac den BVB in eine gefährliche Situation gebracht?
Steile These, aber unter Niko Kovac scheint sich der BVB eines seiner wichtigsten Standbeine angesägt zu haben. Bereits Anfang 2025 machte Hans-Joachim Watzke mit deutlichen Worten klar, dass Dortmund ein Verkaufsverein sei und man aufsteigende Starspieler immer wieder abgeben müsse, um - übertrieben gesagt - am Leben bleiben zu können.
"Solche Transfers sind für uns unabdingbar. Wir spielen seit zehn Jahren oberhalb jeder Grenze des Möglichen“, sagte Watzke damals noch im Interview mit der SportBILD.
- Nochmal nachlesen: Seit zehn Jahren über dem Möglichen - Watzke stellt millionenschwere BVB-Verkäufe in Aussicht
Zugegeben: Verkaufen konnte Borussia Dortmund in den letzten Jahren auf jeden Fall richtig gut. Dennoch liegt genau hier nun der so brenzlige Punkt, bei dem sich der BVB mit Trainer Niko Kovac offenbar eines seiner wichtigsten Standbeine angesägt hat, was die Borussen in naher Zukunft vor große Probleme stellen dürfte.
Blickt man auf die zehn teuersten Verkäufe in der Vereinsgeschichte des BVB, so findet man hier Namen wie den von Mittelstürmer Erling Haaland, der für 60 Millionen Euro zu Manchester City ging, Mittelfeldstar Jude Bellingham, der für 127 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte oder aber Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang, der für etwas mehr als 60 Millionen Euro zum FC Arsenal transferiert wurde.
Deutlich wird aber auch, dass der BVB vor allem von millionenschweren Verkäufen von Flügelstürmern profitiert hat und sich gerade über diese Position Speck anfressen konnte.
In den Top 10 der teuersten Verkäufe des BVB stehen gleich vier Außenbahnspieler, die den Geldfluss auf das Dortmunder Konto aufrechterhalten haben und finanzielle Handlungsräume brachten. Neben Christian Pulisic, der bei seinem Wechsel zum FC Chelsea 64 Millionen Euro einbrachte und Jadon Sancho, für den Manchester United 84 Millionen Euro locker machte, stehen hier noch die Verkäufe von Ousmane Dembele, der damals noch auf dem Flügel agierte und nicht, wie in Paris, eher im Zentrum, und mit 148 Millionen Euro vom FC Barcelona bis heute der ganz große Top-Verkauf der Dortmunder ist, sowie zuletzt noch Jamie Gittens, der im vergangenen Sommer für 56 Millionen Euro ebenfalls nach England zum FC Chelsea ging. Allein mit diesen vier Top-Verkäufen wurden in den letzten zehn Jahren über 350 Millionen Euro an Transfereinnahmen erzielt.
Der BVB hat sich seine Flügelspieler weggezüchtet
Doch blickt man auf den aktuellen Kader des BVB, so fehlt eben diese Dortmunder Goldgrube mittlerweile. Außer Karim Adeyemi kann man wohl keinen Dortmunder Angreifer als Flügelstürmer bezeichnen. Zwar gilt Adeyemi immer wieder als Verkaufskandidat, doch angesichts seines Vertragsendes im Jahr 2027 dürfte sich der finanzielle Zugewinn bei einem tatsächlichen Verkauf im Sommer um einige Millionen reduzieren.
Schaut man sich Adeyemis Mitspieler an, fehlen in Dortmund die Flügelstars. Unter Niko Kovac wurde diese Position quasi aus der Dortmunder DNA gestrichen. Der 54-Jährige züchtete diese sonst so gewinnbringende Position, die in Dortmund jahrelang fest verankert zu sein schien, weg, setzte auf andere Ansätze und könnte dem ärgsten Bayern-Verfolger damit auf lange Sicht ein mächtiges Problem geschaffen haben.
Die Dortmunder Bosse stehen vor einer bedeutenden Grundsatzfrage
Damit stellt sich nun nämlich die Frage, wie der BVB in Zukunft zu seinen dringend benötigten millionenschweren Einnahmen kommen will, nachdem das bisherige Erfolgsmodell mit Flügelspielern auf absehbare Zeit nicht mehr greift.
Zwar scheint es, dass die Dortmunder Bosse aufgrund des sportlichen Erfolgs diesen Kovac-Weg noch mitgehen und gewisse Zugeständnisse machen, jedoch heißt es unter anderem bei der BILD eben auch, dass man im Sommer die Köpfe zusammenstecken will, um zu besprechen, wie man sich in Zukunft aufstellen will und ob man nicht zum altbewährten Flügelspiel zurückkehren sollte. Dazu würde passen, dass sich Dortmund weiterhin mit einer Verpflichtung von Said El Mala vom 1. FC Köln beschäftigen soll.
Es wird spannend zu sehen sein, wie Borussia Dortmund seine Zukunft auch auf dem Transfermarkt gestalten und die von Watzke in den Vordergrund gestellten Verkäufe erwirtschaften möchte. Der BVB benötigt nun entweder einen neuen Kassenschlager oder muss seine Entwicklung radikal überdenken.
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