Karim Adeyemi hat wohl schon den Abflug nach Barcelona geplant, muss sich jedoch noch gedulden, bis sich die beiden Vereine über eine Ablöse einig werden. Spanische Medien gehen von einer Einigung im Bereich von 30 Millionen Euro aus, nachdem der BVB eine Einstiegs-Offerte in Höhe von 20 Millionen Euro bereits abgelehnt hat.
Doch macht ein Deal für den FC Barcelona überhaupt Sinn? Immerhin war Adeyemi selbst in Dortmund kein Stammspieler. Wir sehen uns Gründe für und gegen einen Transfer an und ziehen ein eindeutiges Fazit.
Kontra: Adeyemi scheitert regelmäßig an sich selbst
Karim Adeyemi gilt zwar seit langer Zeit als großes Talent, hat dieses jedoch nie wirklich konstant auf dem Platz zeigen können. Der 24-Jährige fiel häufig mit Undiszipliniertheiten auf und neben dem Platz auf und scheint seine Fußballer-Karriere auch nicht immer an erste Stelle gestellt zu haben. Es ist nicht aus der Luft gegriffen, dass viele sagen, Adeyemi stehe sich selbst im Weg.
Warum sollte das in Barcelona anders laufen? Es ist bestens bekannt, dass Hansi Flick höchste Ansprüche in Sachen Disziplin und Zuverlässigkeit stellt. Ob Adeyemi diese erfüllen könnte, wo es doch in einer Stadt wie Barcelona noch deutlich mehr Optionen zur Ablenkung als in Dortmund gibt, bleibt fraglich.
Pro: Es ist ein guter Transfer-Zeitpunkt
Wenn man Adeyemi an Bord holen möchte, ist der Zeitpunkt ziemlich günstig. Adeyemi hat keine gute Saison hinter sich, war nicht bei der WM mit dabei und konnte seinen Wert somit zuletzt nicht steigern. Angesichts der Tatsache, dass sein Vertrag beim BVB zudem in einem Jahr ausläuft, wäre ein Deal so günstig zu realisieren wie lange nicht.
Adeyemi besitzt laut transfermarkt.de einen Marktwert von 40 Millionen Euro, jedoch muss Barca aufgrund der kurzen Vertragslaufzeit wohl gar nicht so viel zahlen. Mit seinen noch jungen 24 Jahren könnte Adeyemi seinen Wert in den kommenden Jahren wieder steigern. Es ist wie bei den Aktien: Manchmal ist es sinnvoll, am Tiefpunkt zuzuschlagen - in der Hoffnung, dass kein noch tieferer Tiefpunkt folgt.
Kontra: Ballbesitzfußball ist nicht das Spiel von Adeyemi
Es ist fest in der Barca-DNA verankert, dass der Klub einen ballbesitzorientierten sowie taktisch und technisch sauberen Fußball aufzieht. Kein Trainer dieser Welt dürfte das in absehbarer Zeit ändern. Zwar legt Hansi Flick auch einen Fokus auf schnelle Aktionen, jedoch ändert dies nichts daran, dass die Katalanen meist eine tief stehende Abwehrreihe knacken müssen. Hierfür benötigt es Kreativität, eine gute Entscheidungsfindung, Zuverlässigkeit am Ball und ein starkes Passspiel. All das sind keine Eigenschaften, für die Adeyemi wirklich steht.
Der Borusse kann mit seiner Schnelligkeit insbesondere dann glänzen, wenn er viel Wiese vor sich hat. In Barcelona dürfte er zu selten in solche Situationen kommen. Dafür besteht die ganz große Gefahr, dass er vom Kombinationsspiel der Katalanen heillos überfordert wäre.
Pro: Adeyemi mit guten Leistungen in der Champions League
Adeyemi gehört zu den ganz wenigen Spielern, die in der Champions League zuverlässiger treffen als in der Bundesliga. Der Außenstürmer kommt in der Liga in 98 Spielen auf 23 Tore und in der Königsklasse in 48 Partien auf 16 Tore. Der 24-Jährige kann auf der großen Bühne oft nochmal mehr aus sich herausholen als im Bundesliga-Alltag. Adeyemi hat keine Angst vor großen Gegnern und kommt gegen diese auch häufiger in seine geliebten schnellen Umschaltsituationen. Wenn der FC Barcelona solche Situationen überhaupt erhält, dann auch eher in der Champions League.
Die Katalanen haben den Henkelpott lange nicht mehr gewonnen, weshalb der Wettbewerb eine enorme Priorität genießt. Hier kann es auch nicht schaden, schnelle und torgefährliche Spieler zu besitzen, die als Joker funktionieren.
Kontra: Der FC Barcelona hat keinen Bedarf
Man muss sich natürlich die Frage stellen, ob der FC Barcelona überhaupt Bedarf hat. Mit Lamine Yamal und Raphinha sind die Plätze auf dem Flügel eigentlich schon vergeben. Mit Anthony Gordon kam zudem erst vor wenigen Wochen ein Außenstürmer, der mit seiner enormen Geschwindigkeit ein ähnliches Profil mitbringt wie Adeyemi. Spieler wie Dani Olmo und Fermín López können auch auf dem Flügel eingesetzt werden und zudem gäbe es noch den jungen Roony Bardghji.
Wenn man trotzdem noch einen Flügelspieler dazu holen möchte, würde es mehr Sinn machen, einen Akteur zu verpflichten, der sich als Spielertyp mehr von Gordon unterscheidet und auf engem Raum stärker ist. Beispielsweise hätte auch eine feste Verpflichtung von Marcus Rashford auf dem Papier mehr Sinn gemacht, der ja in der vergangenen Saison gezeigt hat, dass er mit dem Barca-Fußball klarkommt.
Fazit
Zwar könnte Adeyemi dem FC Barcelona womöglich in einzelnen Spielen mit seiner Geschwindigkeit weiterhelfen und wäre für eine recht erschwingliche Summe verfügbar, jedoch spricht deutlich mehr gegen einen Transfer. Der FC Barcelona ist einfach eine Hausnummer zu groß für einen Spieler, der sowohl sportlich als auch in Sachen Einstellung noch nicht wirklich konstant überzeugen konnte.
Hinzu kommt, dass der Spielstil der Katalanen Adeyemi so gar nicht in die Karten spielt und mit Anthony Gordon schon ein ähnlicher Spielertyp vorhanden ist. Der Engländer wird es sportlich aus ähnlichen Gründen schwer haben, hat aber dann doch den Ticken mehr Qualität, um in der Hierarchie vor Adeyemi zu stehen. Sollte Adeyemi Dortmund verlassen wollen, würde die Premier League wohl besser zu seinem Spielstil passen.
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