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Werder Bremen: Marvin Ducksch und sein persönliches Himmelfahrtskommando

Christian Gaul
Marvin Ducksch muss gegen einen enormen Druck bestehen
Marvin Ducksch muss gegen einen enormen Druck bestehen / Cathrin Mueller/Getty Images
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Der SV Werder Bremen präsentierte mit Marvin Ducksch endlich einen überfälligen Neuzugang. Doch der 27-jährige Stürmer steht nun unter einem enormen Druck.


Mit dem Abstieg in die 2.Bundesliga hatten sich die meisten Bremer Anhänger mittlerweile arrangiert. Dass jedoch der erwünschte Neuaufbau dermaßen schleppend und unbefriedigend ablaufen würde, stößt den Fans mehr als übel auf.

Der personelle Aderlass war mit den Abgängen von Maximilian und Johannes Eggestein, Milot Rashica, Josh Sargent, Ludwig Augustinsson oder auch Yuya Osako und den beiden Urgesteinen Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie groß - auch Kevin Möhwalds Verbleib ist unsicher.

Dabei nahmen die Bremer etwas über 30 Millionen Euro ein, doch aufgrund der brenzligen wirtschaftlichen Lage des Klubs wurde davon nur ein winziger Teil in den Kader reinvestiert. Für Kyu-Hyun Park und Nicolai Rapp legte man insgesamt weniger als 500.000 Euro auf den Tisch, Anthony Jung kam ablösefrei aus Kopenhagen.

Doch dieser Umstand ist nicht ausschlaggebend gewesen für die Anfeindungen der Anhänger in Richtung des Verantwortlichen Frank Baumann. Dem Bremer Geschäftsführer Sport konnte prinzipiell auch nicht der Vorwurf gemacht werden, er hätte nicht versucht, neue Spieler an Land zu ziehen.

Allerdings platzten gleich mehrere Deals, was wiederum neben den mageren fünf Punkten aus den ersten vier Saisonspielen die Fan-Seele zum Kochen brachte.

Nun aber konnte Baumann endlich einen bekannten Namen als Neuzugang vorstellen, dann sollte doch jetzt alles Ordnung sein.

Ducksch muss die Last der Verantwortlichen tragen - das Potenzial ist vorhanden

Denn nicht nur muss Ducksch mit seiner eigenen Leistung dafür sorgen, dass die Bremer Fans den Neuzugang ins Herz schließen. Dies ist ein üblicher Vorgang bei einem Vereinswechsel.

Vielmehr lastet auf dem Stürmer nun das Versagen aller Bremer Verantwortlichen in den letzten Jahren, welches schließlich zum Gang in die zweite Liga unter minimalsten wirtschaftlichen Voraussetzungen führte.

Obwohl Frank Baumann selbst wohl abstreiten würde, zum Wohle seiner eigenen Person auf eine starke Saison von Ducksch zu hoffen, kann er diesen Umstand sicherlich nicht gänzlich von sich weisen.

Denn nun hat man endlich einen neuen Spieler vorgestellt, der immerhin 3,5 Millionen Euro kostete. Also haltet nun bitte die Füße still, liebe Bremer Sympathisanten! Doch wird Ducksch bedingungslos liefern müssen, um das Pulverfass im Weserstadion nicht endgültig explodieren zu lassen.

Der Stürmer selbst wird sich dessen ebenso bewusst sein, wie auch Baumann und die restlichen Verantwortlichen - das Potenzial, um diese Eskalation vermeiden zu können, hat Ducksch jedoch allemal.

Frank Baumann
Frank Baumann will Tore sehen und keinen Hass / Frederic Scheidemann/Getty Images

In der Saison 2017/18 spielte Ducksch noch für Holstein Kiel in der 2.Bundesliga. In 33 Partien konnte er damals 18 Tore erzielen. Die Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 war der kantige Angreifer für Hannover 96 auf Torejagd im Unterhaus getrimmt. Jeweils 15 Treffer belegen auch hier wieder, dass sich der 27-Jährige als Glücksgriff für die Bremer Ambitionen herausstellen kann.

Bei den 96ern lernte Ducksch bereits ein erwartungsvolles Umfeld und dessen Unzufriedenheit über das Verfehlen der gesteckten Ziele kennen - trotzdem ließ er sich nicht beeindrucken. Hinzu kommt, dass er auch in Hannover bereits gewohnt war, neben einem ähnlichen Spielertypen in einer Doppelspitze aufzulaufen.

Damals war es Hendrik Weydandt, perspektivisch könnte es Niclas Füllkrug werden. Somit scheint klar, dass die Vorzeichen schlechter stehen könnten. Scheitert Ducksch jedoch, wird es einen Aufschrei geben, von dem sich die Hanseaten nicht mehr erholen werden.

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