Werder Bremen

Werder Bremen: Klaus Filbry über ungerechtfertigte Kritik an Baumann & die sportlich-finanzielle Planung

Yannik Möller
Klaus Filbry (re.) setzt sich auch für Frank Baumann ein
Klaus Filbry (re.) setzt sich auch für Frank Baumann ein / Thomas Lohnes/Getty Images
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Die Stimmung bei Werder Bremen könnte besser sein - um es vorsichtig zu formulieren. Der Finanz-Geschäftsführer Klaus Filbry hat sich im kicker erklärt. Dabei sprach er u.a. über ungerechtfertigte Kritik an Frank Baumann, die sportlichen Ziele und die finanziellen Spannungen des Klubs.


Zwar nicht erst, aber besonders seit dem Abstieg haben die Fans von Werder Bremen einen besonders strengen Blick auf die Arbeit ihrer Mannschaft und der Verantwortlichen. Durch den durchwachsenen Saisonstart, den gefühlten Ausverkauf der Mannschaft ohne sichtbaren Plan der Umstrukturierung und die finanzielle Lage, sorgen sich viele Anhänger.

Klaus Filbry ist inzwischen einige Jahre in der Vereinsführung, hält dort den Posten des Geschäftsführers Finanzen inne. Im Interview mit dem kicker hat er Stellung zu den aktuellen Themen bezogen.

Baumann-Kritik aus Filbry-Sicht "unberechtigt": Finanz-Boss attestiert "sehr gute Arbeit von Frank und Clemens"

Die gebremste Euphorie, die vor dem Saisonstart noch zu fühlen war, nimmt auch er wahr: "Sie hat einen Dämpfer bekommen. Dass es an einem Traditions- und Abstiegsstandort per se eine andere Erwartungshaltung gibt, das ist normal in Fußball-Deutschland, dem müssen wir uns auch stellen."

"Aber die geäußerte Kritik gegen Frank [Baumann] ist aus meiner Sicht unberechtigt", sagt er auch und spricht damit ein zurzeit sensibles Thema an. Die Arbeit des Sport-Geschäftsführers steht bei den Fans unter besonderer Beobachtung. Sie erkennen keinen Plan, wie der Kader umstrukturiert und dabei die Qualität bei zahlreichen Abgängen erhalten bleiben soll. Dadurch hat auch Trainer Markus Anfang einen erschwerten Job.

Klaus Filbry
Klaus Filbry gehört seit Jahren zur Bremer Chef-Etage (Archiv) / JOERG SARBACH/Getty Images

Filbry erklärt seine Sicht so: "Ich sehe uns in der gemeinsamen Verantwortung, als Geschäftsführung und mit dem Aufsichtsrat, weil wir diesen Kurs zusammen bestimmt haben. Aber auch die Mannschaft muss man einbeziehen. Jeder hat hier seine Verantwortung zu tragen und sich der Kritik zu stellen, und das tun wir geschlossen."

So hatte es bereits einige "Baumann raus!"-Rufe und Pfiffe rund um das letzte Spiel gegeben (1:4-Niederlage gegen Paderborn). Seine Rückendeckung begründet er ebenfalls: "Wir haben es durch die sehr gute Arbeit von Frank und Clemens [Fritz] bis jetzt geschafft - weil wir hart verhandelt haben - viele vernünftige Transfererlöse in einem unfassbar schwierigen und fast stagnierenden Markt zu erzielen."

Mit dieser Arbeit habe man die "wirtschaftlichen Ziele fürs Erste erreicht", fügte der 54-Jährige hinzu. So sei es das intern formulierte Ziel gewesen, einen Netto-Transfererlös von 20 Millionen Euro zu erzielen. Das sei nun geschafft worden und zeitgleich der Grund, weshalb es nicht möglich war "Spieler auf Vorrat zu verpflichten".

Frank Baumann
Sport-Geschäftsführer Frank Baumann steht bei den Fans besonders in der Kritik / Martin Rose/Getty Images

Dabei geht es um die "wirtschaftliche Stabilität", wie Filbry es nennt und hervorhebt. Diese liege drei Bausteinen zugrunde: ein durch die Landesbürgschaft abgesicherter Kredit, die Mittelstandsanleihe und die Spielerverkäufe. "Heute können wir sagen: die Saison ist auf jeden Fall durchfinanziert", stellt er klar, während er aber auch weitergehende Belastungen nicht zu erwähnen vergisst.

Ein Aspekt dabei sei die "Unsicherheit, wann wir wieder vor vollem Haus spielen können". Durch die fehlenden Ticketverkäufe fehlen Einnahmen, mit denen die Klubs normalerweise fest rechnen konnten.

Die 50 prozentige Zulassung gehe zwar "in die richtige Richtung", es helfe aber "nicht genug und ist nicht annähernd das, was wir benötigen". Dies sei ein Zustand, der "nur bedingt durchhaltbar" ist. Im Klartext: eine weitere Saison ohne die gewohnte Auslastung des Stadions wird sich der Verein wohl kaum leisten können.

"Das bedarf Geduld": Filbry verspricht Neuzugänge und ein umsichtiges Handeln der Verantwortlichen

Ein ebenso großes Thema sind die noch immer ausbleibenden Verstärkungen für die Mannschaft. Immerhin war es das Ziel, einen Kader zu formen, der in der 2. Bundesliga definitiv oben mitspielen kann. "An diesen Personalien arbeiten wir", verspricht Filbry.

Dennoch sei Vorsicht geboten: "Aktuell dauert es an der einen oder anderen Stellen vielleicht etwas länger, weil wir bei den Transfers jetzt sorgfältige Entscheidungen treffen müssen. Clemens und Frank arbeiten daran, aber man muss konstatieren, dass es nicht so schnell geht, wie wir uns das alle wünschen würden. Das bedarf Geduld."

Markus Anfang
Markus Anfang hat einige Wochen in der Saison noch immer keinen festen Kader / Martin Rose/Getty Images

Baumann habe mit seiner öffentlichen Ansage im Juli, noch 15 bis 20 Transfers zu tätigen, lediglich "offen und ehrlich über die Planungen gesprochen". Filbry zeigte sich sicher, dass man am Ende der Transferphase auch "in dieser Großenördnung liegen" werde. Zeitgleich glaubt er nicht, dass den Verein noch viele Spieler verlassen werden: "Wir müssen niemanden mehr verkaufen und werden nur noch Spieler abgeben, wenn es wirtschaftlich passt und wir eine Alternative verpflichten können, die uns sportlich weiterhilft."

Allerspätestens im September soll dann ein fertiges Team auf dem Platz stehen, dass bestenfalls unter die Top drei kommen kann. Einen Verlust der Strahlkraft des Klubs sieht Filbry wegen der Ligazugehörigkeit aber nicht. Dabei verweist er auf die 12.000 Fans in der Dauerkarten-Warteliste, die ausverkauften Logen und die "guten, neuen Sponsoren", die "in der 2. Liga nicht selbstverständlich" seien.

"Wir merken also die Ungeduld, aber auch die Lust", hält der Finanz-Boss fest. Am kommenden Samstag kann Werder gegen den derzeitigen Tabellendritten Karlsruher SC für etwas Ruhe und eine bessere Atmosphäre sorgen.

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