Werder Bremen

Werder benötigt Fingerspitzengefühl: Erster Chiarodia-Einsatz?

Marc Knieper
Werder-Coach Markus Anfang muss am Wochenende viel Fingerspitzengefühl beweisen
Werder-Coach Markus Anfang muss am Wochenende viel Fingerspitzengefühl beweisen / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Unmittelbar vor dem Ligakracher gegen Schalke 04 plagen den SV Werder immense Abwehrsorgen. Die Sorgen sind gar so groß, dass der noch unerfahrene und gerade einmal 16 Jahre alte Fabio Chiarodia zur Option wird. Trainer Markus Anfang benötigt eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl.


Eigentlich wollte Markus Anfang die WM-Quali-Partie seines Schützlings Milos Veljkovic am Sonntagabend ganz entspannt verfolgen. Nach einer guten Stunde lief es ihm dann aber doch kalt den Rücken herunter. "Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn wir ohne neue Verletzungen durch die Länderspiele gekommen wären", ärgerte er sich gegenüber der Deichstube.

Was passiert war? Veljkovic spürte urplötzlich ein nerviges Ziehen an der Leiste, ließ sich vorsichtshalber auswechseln und kontaktierte am Morgen danach - mit noch mehr Schmerzen als während des Spiels - seinen Cheftrainer per Telefonanruf. Der beorderte seinen Abwehrmann schnurstracks in die Hansestadt. Die Party in Serbien musste für Veljkovic ausfallen; dabei hatte er sich gemeinsam mit seinen Nationalelfkollegen dank des 2:1-Sieges über Portugal für die WM 2022 qualifiziert.

Werder Bremen: Milos Veljkovic verletzte sich beim WM-Qualifikationsspiel gegen Portugal an der Leiste
Paukenschlag für Werder: Milos Veljkovic zog sich bei der WM-Quali gegen Portugal eine Leistenverletzung zu / Gualter Fatia/GettyImages

Mittlerweile ist die Diagnose spruchreif: Das MRT in Bremen ergab eine Muskelverletzung, die einen Einsatz gegen Schalke unmöglich macht. Neben Veljkovic fällt auch Marco Friedl mit Gelbsperre und Corona-Infektion selbstredend aus. Ein Startelf-Einsatz von Ömer Toprak ist zwar möglich, aber noch längst nicht entschieden. Nach sechs verpassten Partien wegen andauernder Wadenprobleme huschte Werders Kapitän beim Auswärtserfolg gegen Nürnberg für die letzte Spielminute zurück auf das Grün.

Kein Veljkovic, kein Friedl: Werders Optionen für die Abwehrkette

Kein Veljkovic, kein Friedl, kein Toprak: Das wäre der Worstcase in Bremen. Anfang formt bereits jetzt die verschiedensten Möglichkeiten und muss sich bis Samstagabend schließlich für eine Konstellation entscheiden. Als sehr wahrscheinlich gilt die Rückkehr des zuletzt auf die Bank degradierten Lars Lukas Mai. Die Leihgabe des FC Bayern wusste bis dato überhaupt nicht zu überzeugen, hat gegen Schalke aber dank Bremer Personalsorgen die nächste Chance zu beweisen, dass er (doch) Zweitliga-Niveau besitzt und dem SV Werder weiterhelfen kann.

Die wahrscheinlichste, aber auch optimistischste Variante wäre das aktuell bestehende 3-5-2-System mit einem genesenen Toprak, einem hoffentlich tadellosen Mai und dem zuletzt soliden Anthony Jung in der hintersten Reihe. Auch Christian Groß oder Ilia Gruev, die beide eher im defensiven Mittelfeld zu Hause sind, könnten in die Abwehrkette rutschen.

Kein Startelf-Einsatz für Chiarodia!

Und dann wäre da noch kein Geringerer als Fabio Chiarodia. Der in Oldenburg geborene U17-Nationalspieler Italiens durfte bereits während der Sommervorbereitung der Profis in den Testspielen gegen Oberneuland und Rotterdam ran. Seine Aufgabe habe er damals "gut gemacht", so Anfang. "Wenn kein anderer da ist", müsse man den unerfahrenen Innenverteidiger vielleicht spielen lassen.

Aber: Anfang machte gegenüber der Medien deutlich, dass sein Jungspund die absolute Notlösung wäre. Wenn alle Stricke reißen quasi. Erst einmal wird er das Abwehrloch anderweitig stopfen (müssen). Derart jung und unerfahren gleich gegen einen Mitkonkurrenten ins kalte Wasser geschmissen zu werden, wäre das Todesurteil für Chiarodia. Einige Minütchen gen Ende des Spiels - allerdings nur bei ungefährdeter Führung oder als zusätzlicher Abwehrspieler zur Ergebnissicherung - sind hingegen denkbar.

Klar ist, dass bei den Bremern (und vor allem bei Coach Anfang) eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt ist. Defensiv gilt es, das Schalker Sturm-Duo aus Simon Terodde und Marius Bülter zu stoppen. Aber auch offensiv müssen die Bremer ihre Chancen kreieren. Für den Spielaufbau fehlt der ebenfalls gelbgesperrte Nicolai Rapp. Den könnte Anfang mit Niklas Schmidt (zuletzt zwei Mal Bank) ersetzen.

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