Was ist eigentlich mit Benjamin Pavard los?

Dominik Hager
Pavard wirft mit seinem Verhalten Fragen auf
Pavard wirft mit seinem Verhalten Fragen auf / Pool/GettyImages
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Benjamin Pavard macht derzeit so viele Schlagzeilen, wie eigentlich noch nie in seiner Karriere. Der Bayern-Verteidiger eckt mit einem offenbar sehr großem Ego und Selbstbewusstsein an, stellt hochgegriffene Forderungen und hat sich bei Les Bleus komplett ins Aus geschossen. Demnach muss die Frage gestellt werden: Was ist eigentlich mit Benjamin Pavard los?


Eigentlich hat Benjamin Pavard bislang einen ganz normalen Karriereweg hingelegt, der an vielen Stellen einen sehr guten Verlauf nahm. Der Spieler wagte in jungen Jahren den Sprung aus der Heimat zum VfB Stuttgart, wo er überzeugen und sich für höhere Aufgaben empfehlen konnte. Demnach folgte der Sprung zu einem Top-Klub, nämlich den FC Bayern, sowie der Aufstieg zum französischen Nationalspieler. In den vergangenen Jahren kamen große Erfolge dazu, wie der WM-Sieg 2018 und der Triple-Gewinn 2020. Alles perfekt also - sollte man zumindest meinen.

Pavard nie im Fokus der Aufmerksamkeit

Fakt ist allerdings auch, dass Pavard trotz seiner Erfolge immer ein wenig unter dem Radar geschwommen ist. Der Franzose wurde zwar für seine Verlässlichkeit und Disziplin gelobt, bestimmte aber nie die Schlagzeilen. Aus der Ferne wirkte der Abwehrspieler wie ein Musterprofi, der nicht aneckte, hart an sich arbeitete und es weit gebracht hat, obwohl er nicht zu den absoluten Hochbegabten zählte. Der Franzose polarisierte wenig, selbst wenn einige immer an seiner Eignung für einen absoluten Spitzenklub gezweifelt haben.

Pavard bringt keine herausstechenden Fähigkeiten mit, weshalb er im Kreise der grandiosen Kicker bei den Bayern und der Equipe Tricolore eher wie ein Mitläufer wirkt. Man war oft schon geneigt zu sagen, dass Pavard schon ziemlich Glück hat, bei einem der besten Klubs und einer der besten Nationalteams gesetzt zu sein. Tatsächlich musste sich der Spieler auch lange keinem harten Konkurrenzkampf erwehren.

Möchte Pavard einen Image-Wandel vollziehen?

Seit einiger Zeit scheint es Pavard aber nicht mehr zu reichen, einfach nur bei den Top-Teams mitzuspielen, gewissermaßen aber ein leeres Blatt Papier zu sein. Es wirkt so, als wolle der Spieler einen Image-Wandel vom verlässlichen, aber unspektakulären Mitläufer, zum selbstbewussten und auch mal aneckenden Alpha-Tier vollziehen. Demnach stellte er auch bereits zum Ende der Saison 2021/22 klar, dass er künftig als Innenverteidiger spielen wolle. Pavard reichte es also nicht mehr, beim FC Bayern Stammspieler zu sein, sondern forderte einen Platz in der Feldmitte ein. Dort spielen in der Regel die Führungsspieler, die auch verbal am lautstärksten sind. Zuletzt kursierten Gerüchte, dass der Akteur seinen Bayern-Vertrag nur über 2024 hinaus verlängern möchte, wenn er innen gesetzt sei.

Man hat das Gefühl, dass Pavard mit seinen allzu großen Ansprüchen davon ablenken will, wer er eigentlich ist: Nämlich der Rollenspieler, den viele schon immer im Franzosen sehen. Mit seinem polarisierenden Verhalten bringt sich Pavard zudem permanent ins Gespräch, was ansonsten zuvor nie der Fall war. Die Frage muss schon erlaubt sein, bei welchem Top-Klub Pavard überhaupt als Innenverteidiger gesetzt wäre? Eine Antwort darauf ist kaum zu finden.

Es ist durchaus möglich, dass auch eine eigene Verunsicherung dazu führt, dass Pavard immer großspurigere Sätze von sich gibt. Die Münchner Verpflichtung von Mazraoui hat seinen Stammplatz rechts hinten in Gefahr gebracht. Demnach weiß er genau, dass er nun um diesen Platz kämpfen muss. Genau das scheint ihn jedoch gar nicht zu schmecken. Sorgt er nun aber dafür, dass der Fokus sich mehr um die Frage dreht, auf welcher Position Pavard spielt, als um die Frage, ob er überhaupt spielt, stärkt er seine Person gewissermaßen. Ansonsten stellt sich schließlich nur bei absoluten Stammspielern und Führungskräfte wie Kimmich eine solche Frage.

Vielleicht erhofft sich Pavard, auch als Star und Platzhirsch angesehen zu werden, wenn er sich wie ein solcher verhält. Es ist sicherlich auch möglich, dass er dabei von seinem Berater Joseph Mohan angestachelt wird. Womöglich hat auch dieser es geschafft, seinen Klienten in eine Art Traumwelt zu verfrachten.

Schießt sich Pavard selbst ins Abseits?

Die harte Realität sieht aktuell aber anders aus. Pavard hat von Oliver Kahn einen saftigen Einlauf kassiert und muss definitiv auch einen Bankplatz in der Rückrunde befürchten. Bei der französischen Nationalmannschaft musste er sich an diese Rolle bereits gewöhnen. Nach dem ersten WM-Spiel wurde er von Deschamps abgesägt, da er mental und körperlich nicht in der richtigen Verfassung sei. Im Anschluss sei er laut dem renommierten französischen Sportjournalist und YouTuber Romain Molina durch unkollegiales und egoistisches Verhalten aufgefallen. Zudem soll er Internas an die Presse gesteckt haben. Im Grunde kann man also sagen, dass der Spieler bei Les Bleus nach seiner Ego-Tour wohl ziemlich unten durch ist und eine schwere Zukunft vor sich hat.

Genau das droht dem Spieler auch auf Klub-Ebene, wenn er nicht bereit ist, sich realistisch einzuschätzen und es auch verkraften kann, im Konkurrenzkampf mit anderen Spielern zu stehen. Sportlich bietet der Abwerhspieler durch seine Polyvalenz und Verlässlichkeit für jedes Team der Welt einen Mehrwert. Möchte er sich aber jetzt zum großen Star aufschwingen, droht das Pendel in die falsche Richtung zu kippen. Genau das ist in Teilen ja auch schon passiert.


Die finale WM-Analyse: Tobias Escher über das epische Endspiel, die Lehren der WM und seine Topelf des Turniers.


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