Frauen-Bundesliga

Vier junge Spielerinnen, die ihr diese Saison im Auge behalten solltet

Helene Altgelt
Gia Corley konnte letzte Saison schon Erfahrung in der UWCL sammeln
Gia Corley konnte letzte Saison schon Erfahrung in der UWCL sammeln / SOPA Images/GettyImages
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Klara Bühl, Lena Oberdorf oder Jule Brand sind trotz ihres jungen Alters schon bekannt und spielen in der Nationalmannschaft. Aber auch jenseits von Bayern und Wolfsburg gibt es junge Spielerinnen, die ihr Potenzial bereits unter Beweis gestellt haben. 90min stellt vier Talente unter 21 vor, die bereits wichtige Bestandteile ihrer Teams sind.


1. Lisanne Gräwe (19, Leverkusen)

Lisanne Gräwe
Gräwe spielt auch für Deutschlands Jugendteams / Gunnar Hoffsten/GettyImages

Die Mittelfeldspielerin stieß vor einem Jahr von Wolfsburgs zweitem Team zu Leverkusen und avancierte in ihrer ersten Saison prompt zu einer absoluten Säule des Teams. Sie stand in allen Spielen bis auf zwei in der Startelf und war im zentralen Mittelfeld Taktgeberin.

Gräwe helfen dabei ihre Beidfüßigkeit und Ruhe am Ball, durch die sie selten in Bedrängnis gerät. Das liegt auch daran, dass sie immer wieder eine gute Übersicht beweist und das Spiel liest, auch bevor sie den Ball am Fuß hat. Dazu kommt eine sehr gute Technik - Gräwe schießt nicht oft auf das Tor, aber wenn, dann wird es schwierig für die gegnerische Torhüterin.

Wegen all dem landete sie auch auf dem fünften Platz der NXGN-Liste der größten Talente 2022. Sicher ist auch, dass in Gräwe noch mehr Potenzial steckt: In Spielen, bei denen Leverkusen wenig Ballbesitz hatte, gelang es ihr teilweise noch nicht, Zugriff auf das Mittelfeld zu bekommen - so etwa bei den beiden 1:7-Klatschen gegen Hoffenheim und Bayern.

So sagte auch Achim Feifel, letzte Saison Trainer bei Leverkusen und nun Sportdirektor, im Interview mit GOAL: "Ich hoffe - und wir sind sicher -, dass sie in der zweiten Saison den nächsten Schritt machen kann und mehr und mehr Stabilität in den Spielen erreicht." Wenn es Gräwe gelingt, sich in diesen Spielen auch zu behaupten, hat sie nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ihr Vertrag läuft 2023 aus - die Topclubs werden das sicherlich auch wissen.


2. Riola Xhemaili (19, SC Freiburg)

Riola Xhemaili
Xhemaili in Aktion für die Schweizer Nati / Eurasia Sport Images/GettyImages

Auch Xhemaili, ebenso wie Gräwe im zentralen Mittelfeld zuhause, ist letzte Saison zu ihrem jetzigen Verein gewechselt und erwies sich als Glücksgriff für den SC Freiburg. Dabei waren die ersten Spiele noch schwierig für die junge Schweizer Nationalspielerin, die das Tempo und die Intensität aus der Liga des Nachbarlands nicht gewohnt war. Mit der Zeit lernte Xhemaili aber, in den Zweikämpfen dagegenzuhalten und schnellere Entscheidungen zu treffen. In der Rückrunde war ihr dann anzusehen, dass sie ihre Rolle auf dem Platz gefunden hatte, sodass sie ihrer Kreativität vollen Lauf lassen konnte. Am Ende standen fünf Vorlagen zu Buche, und damit die meisten in Freiburgs Team.

Xhemaili spielt viele Steilpässe in die gefährlichen Zonen des Platzes - nicht jeder davon kommt an, aber wenn, dann entsteht fast immer eine Chance für Freiburg. Auch bei Standardsituationen sind ihre Hereingaben gut, sie geht zudem gerne ins Dribbling. Angesichts dieser Stärken wunderten sich viele, dass sie bei der EM für die Schweiz nur wenige Minuten sammeln durfte und in den ersten beiden Spielen gar nicht zum Einsatz kam. Umso überraschender, weil der Schweizer Nationaltrainer Nils Nielsen zuvor sehr auf sie gesetzt hatte. Xhemaili vertändelt allerdings in manchen Situationen zu einfach den Ball, hat auch bei defensiven Zweikämpfen noch Luft nach oben. Wegen dieser Schwächen könnte sich Nielsen entschieden haben, ihre Kreativität zu opfern.


3. Camilla Küver (19, Eintracht Frankfurt)

Camilla Küver
Camilla Küver, Außenverteidigerin von Eintracht Frankfurt / Sebastian Widmann/GettyImages

Eigentlich hätte die Saison 2021/22 für Camilla Küver schon der endgültige Durchbruch sein sollen. Zuvor hatte sie sich schon in ihrer ersten Saison bei der ersten Mannschaft mit nur 17 Jahren einen Stammplatz auf der defensiven Außenbahn erarbeitet und wollte diese Leistung bestätigen. Aber dann: 13. November 2021, es läuft die 68. Minute in einem Spiel gegen Jena, das zu dem Zeitpunkt bereits längst entschieden ist. Küver knickt um, die Befürchtung ist sofort da und bewahrheitet sich: Kreuzbandriss.
Inzwischen hat sie ihr Comeback gefeiert und will diese Saison wieder angreifen.

Dabei hilft ihr ihre Flexibilität, Küver kann rechts und links eingesetzt werden und hat früher auch in offensiveren Rollen gespielt. Mit 1,83 Meter überragt sie die meisten ihrer Teamkolleginnen und ist dementsprechend kopfballstark. Auch das Eins-gegen-Eins scheut sie nicht und setzt sich dort oft durch. Küver, die früher auch Leichtathletik gemacht hat, kann durch ihre Laufstärke auch die Mischung von Angriff und Defensive auf ihrer Position bewältigen. Die Kondition muss nach der langen Verletzungspause vermutlich aber erst wieder aufgebaut werden. Zunächst sind noch kleinere Eingewöhnungsschwierigkeiten zu erwarten. Aber wenn Küver ihre bereits gezeigten Stärken wiederfindet, wird sie bald wieder auf Spielzeit kommen.


4. Gia Corley (20, TSG Hoffenheim)

Gia Corley
Gia Corley im Trikot der TSG Hoffenheim / Simon Hofmann/GettyImages

Ähnlich wie auch Gräwe konnte sich Corley in der ersten Mannschaft eines Topklubs - in ihrem Fall Bayern München - zunächst nicht durchsetzen und entschied sich daher für einen Wechsel. Seit einem Jahr läuft die quirlige Offensivspielerin für die TSG Hoffenheim auf, das Zwischenfazit ist bisher gemischt bis gut: Sie sammelte Spielzeit, wechselte aber oft zwischen Bank und Startelf. Auch ihre Leistungen waren wechselhaft: Bei ihrer Gala gegen Leverkusen glänzte Corley und steuerte zwei Tore und einen Assist bei, in anderen Spielen ging sie noch unter.

Das waren oft die Spiele, in denen Corley wenig Platz gelassen wurde. Sie ist technisch sehr beschlagen, der Ball klebt regelrecht an ihrem Fuß, wenn sie ihn in Richtung Tor mitnimmt. Auch dribbeln und schießen kann Corley, am liebsten vom offensiven Mittelfeld aus. Wenn sie den Platz aber nicht bekommt, hat Corley noch Schwierigkeiten. In der Luft ist sie mit ihren 1,59 Metern auch vermutlich nicht die gefürchteste Gegenspielerin der Bundesliga. Dafür kann sie für die besonderen Momente sorgen und traut sich auch mal, die Initiative zu übernehmen.


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