90min
VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg sucht neuen Trainer: Die Kandidaten im Check

Simon Zimmermann
Die Wölfe müssen einen Nachfolger für Mark van Bommel suchen
Die Wölfe müssen einen Nachfolger für Mark van Bommel suchen / Stuart Franklin/GettyImages
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Wer übernimmt den Trainerjob beim VfL Wolfsburg und wird Nachfolger von Mark van Bommel? Die gehandelten Kandidaten und ihre Chancen im Überblick.


Die erste Trainerentlassung der Saison ist perfekt. Nach acht sieglosen Pflichtspielen in Serie trennte sich der VfL Wolfsburg am Sonntagnachmittag von Mark van Bommel. "Es gab unter dem Strich mehr trennende als verbindende Faktoren. Die Überzeugung, in dieser Konstellation aus der sportlich schwierigen Situation herauszukommen und schnellstmöglich die Kehrtwende herbeizuführen, hat gefehlt", begründete Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport, die Entscheidung.

Van Bommel war nach eigener Aussage "überrascht" von der Entscheidung. Der 44-jährige Niederländer hatte nach der Champions-League-Qualifikation in der Vor-Saison von Erfolgscoach Oliver Glasner ein schweres Erbe angetreten.

In der Sommer-Vorbereitung gingen alle Testspiele verloren, zum Pflichtspiel-Start passierte der jetzt schon berühmte Wechselfehler, weshalb der VfL im Pokal am Grünen Tisch ausschied. Doch in der Bundesliga legten die Wölfe furios los: Vier Siege an den ersten vier Spieltagen brachten den VfL an die Tabellenspitze.

Von dort ging es aber wieder stetig nach unten. Nach vier Bundesliga-Pleiten in Folge wurde der VfL auf Rang neun durchgereicht. Viel schwerer wog dabei aber die Tatsache, dass das Team große Probleme offenbarte.

Van Bommel ließ keinen Plan erkennen: Ein konsequentes Ende mit Schrecken

Spielerisch ging wenig bis nichts in den vergangenen Wochen. Van Bommel war in Wolfsburg eigentlich angetreten, um den Tabellendritten der Vor-Saison gerade hier zu verbessern. "Das Gute der Vorsaison beibehalten und was Neues hinzufügen", lautete sein Credo.

Doch das "Neue" blieb selbst bei der Siegesserie zum Start eher im Verborgenen. "Das Gute" unter Oliver Glasner hat der VfL, Stand jetzt, endgültig verloren. Eine stabile Defensive und schnelles Umschaltspiel gepaart mit großer Effektivität zeichneten den VfL 2020/21 aus. Davon war kaum mehr etwas zu sehen. Zwölf Gegentore hat der VfL bereits geschluckt, gerade bei Standards zeigte man sich überraschend anfällig. Neun eigene Tore nach neun Spieltagen sind für die Ansprüche eines Champions-League-Teilnehmers deutlich zu wenig.

Und so muss man am Ende festhalten, dass das Duo Schmadtke/Schäfer im Sommer einen Fehlgriff gemacht hat. Die Hoffnungen, das Team auf eine neue Stufe zu hieven, konnte van Bommel nicht erfüllen. Zwar soll der Niederländer mit seiner Art durchaus gut angekommen sein innerhalb des Klubs und der Mannschaft. Einen wirklichen Plan, wie er das VfL-Spiel verbessern wollte, konnte man aber nicht (mehr) erkennen.

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Sportdirektor Marcel Schäfer und Geschäftsführer Jörg Schmadtke müssen einen neuen Chefcoach suchen / RONNY HARTMANN/GettyImages

Deshalb könnte man behaupten, Schmadtke hat seinen Fehler relativ schnell erkannt und früh die Notbremse gezogen. Die große Frage lautet nun jedoch: Wie geht es weiter in der Autostadt? Welche Art von Trainer könnte "das Gute" aus der Glasner-Zeit wiederbeleben?

Schließlich ist die Mannschaft zusammengeblieben und wurde sogar noch verstärkt. Mit dem Stil der Vor-Saison war man sehr erfolgreich. "Zeitnah" wolle man darüber informieren, wie sich der VfL im Trainerteam aufstellen wird, teilte der Klub am Sonntag mit.

Spekulationen über mögliche Nachfolger gibt es schon längst. Co-Trainer Michael Frontzeck wird "bis auf Weiteres" als Interims-Cheftrainer einspringen. 90min gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der Trainersuche, den gehandelte Kandidaten - und gibt eine Einschätzung:

1. Edin Terzic

Edin Terzic
Edin Terzic ist ein begehrter Mann / Pool/GettyImages

Dortmunds Technischer Direktor wird derzeit eigentlich überall gehandelt, wo in der Bundesliga ein Trainerstuhl wackelt oder zu besetzen ist. Als Interimscoach beim BVB zeigte Schwarz-Gelb unter Terzic in der vergangenen Rückrunde starken Tempofußball, schaffte noch die CL-Quali und holte den DFB-Pokal.

Terzic musste im Anschluss Platz machen für Marco Rose. Zunächst war eine Co-Trainer-Rolle angedacht, später schuf man in Dortmund eigens für Terzic eine neue Stelle. In dieser soll sich der 38-Jährige derzeit sehr wohl fühlen. Verhandlungen mit Hertha BSC soll er zuletzt abgeblockt haben.

Der VfL wäre als Champions-League-Teilnehmer aber nochmals eine andere Nummer. Sportlich wäre Wolfsburg für Terzic also sicher reizvoll. Ob er dafür seinen Job bei seinem Herzensklub aufgeben würde?

90min-Meinung: Terzic würde ziemlich perfekt für den VfL passen. Er verkörpert so ziemlich alles, was man bei einem van-Bommel-Nachfolger mutmaßlich sucht. Ein Deal bleibt zum jetzigen dennoch eher unwahrscheinlich. Tendenz: Terzic bleibt beim BVB!

2. Domenico Tedesco

Domenico Tedesco
Domenico Tedesco ist aktuell vereinslos / Oleg Nikishin/GettyImages

Fast schon zwangsläufig wird auch Domenico Tedesco mit dem VfL in Verbindung gebracht. Der 36-jährige Deutsch-Italiener war bis Ende Mai bei Spartak Moskau Chefcoach. In Russland führte er die Mannschaft zur Vize-Meisterschaft - ein Kunststück, das ihm auch schon bei Schalke 04 gelungen war.

Derzeit ist Tedesco ohne Job und daher frei verfügbar - könnte in Wolfsburg also sofort übernehmen.

90min-Meinung: Tedesco ist ein ganz heißer Kandidat! Zum einen, weil er direkt übernehmen könnte. Zum anderen, weil auch er sehr gut ins gesuchte Profil passen dürfte. Tedesco lässt Tempofußball spielen, der auf eine stabile Defensive beruht. So wurde er auf Schalke Zweiter und hatte auch bei Spartak Erfolg. Und so hat ja auch ein gewisser Oliver Glasner den VfL in die Königsklasse geführt. Mit Tedesco zurück in die Zukunft?

3. Florian Kohfeldt

Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt stieg mit Werder ab / Alexander Hassenstein/GettyImages

Frei verfügbar ist auch Florian Kohfeldt. Der 39-Jährige musste im Sommer den Abstieg mit Werder Bremen verkraften. Kurz vor Saisonende wurde Kohfeldt freigestellt.

3,5 Jahre war er Chefcoach an der Weser - mit vielen Höhen und Tiefen. Kohfeldt gilt generell als Verfechter des Offensivfußballs. Bislang hat er als Trainer nur für Werder gearbeitet.

90min-Meinung: Kohfeldt wäre ein anderer Trainertyp als Terzic oder Tedesco. Er würde dafür stehen, die Weiterentwicklung der Mannschaft voranzutreiben, bzw. überhaupt erst wieder in Gang zu bringen. Nach den letzten Monaten in Bremen sind aber durchaus Zweifel angebracht. Der Topfavorit auf den Wölfe-Job dürfte Kohfeldt nicht sein.

4. Ole Werner

Ole Werner
Ole Werner trat in Kiel zurück / Cathrin Mueller/GettyImages

Mit Ole Werner ist noch so ein junger Coach auf dem Markt. Letzte Saison scheiterte er mit Holstein Kiel erst in der Relegation am Bundesliga-Aufstieg, im DFB-Pokal ging es für den Zweitligisten bis ins Halbfinale.

Seit 2013 war Werner als Trainer beim KSV tätig - zunächst in der Jugend, dann in der zweiten Mannschaft. Im Oktober 2019 wurde er schließlich endgültig zum Chefcoach der Profis befördert. Die Störche spielten unter Werner einen beeindruckenden Kombinationsfußball und waren äußerst erfolgreich.

Nach einem schlechten Saisonstart ging Werner Ende September freiwillig. Kiel hatte zuvor eine Reihe von Stammspielern aus der Vor-Saison abgeben müssen.

90min-Meinung: Sollte Schmadtke bereit sein, nochmals ein gewisses Risiko einzugehen, wäre Werner der perfekte Mann. In Kiel hat er gezeigt, wie sehr er eine Truppe entwicklen kann. Dazu tritt er bescheiden und sympathisch auf. Er wäre eine Top-Lösung, wenn auch vermutlich nicht die Nummer eins auf Schmadtkes Liste.

5. Lucien Favre

Lucien Favre
Für Lucien Favre wäre es der vierte Bundesliga-Job / Lars Baron/GettyImages

Wie wäre es mit ganz viel Erfahrung, statt jungem Wilden auf der VfL-Bank? Lucien Favre ist nach seinem Aus beim BVB immer noch frei - und weiterhin ein absoluter Fachmann. Der 63-jährige Schweizer wäre theoretisch sofort verfügbar. In Berlin und Gladbach hat Favre hinlänglich bewiesen, wie er eine Mannschaft formen kann. Auch die Zeit beim BVB war - zumindest zu Beginn - ziemlich erfolgreich.

90min-Meinung: Schmadtke dürfte Favre durchaus auf der Liste haben. Der Schweizer ist nach 90min-Infos aber auch ein Kandidaten beim neureichen Newcastle United. Scheitert ein Wechsel zu den Magpies, dürfte Favre unter den erfahrenen Optionen die Nummer eins sein. Dennoch bleibt aus aktueller Sicht eine Anstellung beim VfL noch in recht weiter Ferne.

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