"Verschlimmbessern nur": Warum Kohfeldts VAR-Kritik treffend ist

Florian Kohfeldt.
Florian Kohfeldt. / Oliver Hardt/Getty Images
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Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt hat ganz offen die Abschaffung des Video Assistant Referees gefordert. Mit seiner Wortwahl, dass nur "verschlimmbessert" werde, liegt er richtig. Denn viele Entscheidungen sind wirklich nicht im Sinne des Fußballs.

Dass einige Ex-Profis oder TV-Experten den VAR im Fußball abschaffen wollen, ist nichts außergewöhnliches. Dass es allerdings ein aktiver Bundesliga-Trainer tut, hat schon eine besondere Note. Und genau das fordert Florian Kohfeldt, Trainer des SV Werder Bremen. Er knüpft das auch nicht mal an irgendwelche Bedingungen wie eine veränderte Vorgehensweise, sondern die komplette Rückkehr zum Prä-VAR-Zustand.

"Ich bin dafür, dass wir alles wieder abschaffen und wir wieder Fußball spielen", sagte Kohfeldt der Bild. Womit er den Nagel auf den Kopf traf, ist folgende Formulierung: "Wir verschlimmbessern nur." Eigentlich ist "Verschlimmbessern" kein schönes Wort. In diesem Fall passt es aber, denn nicht selten sind Entscheidungen, die ja den Fußball gerechter machen sollen, total fußballfern und, obwohl sie richtig sind, dermaßen abstrus, dass trotzdem niemand glücklich ist.

Aktueller Aufhänger ist natürlich der Ausgleich des 1. FC Köln gegen Bremen. Für alle Werder-Akteure hat Emmanuel Dennis Torwart Jiri Pavlenka dabei klar gefoult, die Kölner sehen das natürlich anders. Und genau das ist eine Situation, in de der VAR sowieso nicht helfen kann, denn hier kommt es auf das Ermessen des Schiedsrichters an. Für beide Seiten gibt es gute Argumente.

Darüber können wir jetzt tagelang diskutieren, der VAR jedenfalls wird das nicht lösen können. Anders sieht es bei Fragen wie Abseits aus, da sind wir natürlich sehr genau. So genau, dass man sich inzwischen fragen muss: Wollen wir, dass das Millimeter-Maß angelegt wird, wenn der Große Zeh knapp über die Ferse des Gegners ragt?

Und natürlich muss auch der letzte inzwischen feststellen, dass es trotz VAR zu wirklich gravierenden Fehlern kommt. Nehmen wir den Elfmeter für Holstein Kiel im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Rot-Weiss Essen. Hier kann nun wirklich niemand ernsthaft behaupten, dies sei ein Foul gewesen. Der VAR griff aber nicht ein, wohl weil es eben einen "Kontakt" gab, als der Kieler Spieler von allein schon lange gefallen war. "Nicht jeder Kontakt ist ein Foul", betonte Mats Hummels übrigens erst kürzlich wieder in seinem Podcast. Stimmt. Aber nahezu jeder "Kontakt" verhindert eine "klare Fehlentscheidung" und damit ein Eingreifen des Video-Assistenten. Und genau so etwas kann nun wirklich nicht im Sinne des Fußballs sein.

Das alles war übrigens vorher klar, auch wenn einige so tun, als würde der VAR die Erwartungen nicht erfüllen. Es war klar, dass es weiter Diskussionen geben würde und er nicht alles lösen kann. Deshalb ist jetzt eben die Frage: Wollen wir ständig über den VAR diskutieren, auch wenn der gerade sowieso machtlos ist und nicht vor allen Fehlern bewahren kann, weil letztlich immer noch Menschen entscheiden? Wollen wir, dass jeder Millimeter Abseits erkannt und minutenlang geprüft wird? Wollen wir uns den Kopf darüber zerbrechen, was jetzt eine "klare Fehlentscheidung" ist und was nicht? Wollen wir, dass Schiedsrichter-Assistenten die Fahne trotz drei Meter Abseits zur Sicherheit mal unten lassen?

Ehrlich gesagt: Nein! Es gibt nun zwei Optionen: Man schafft den VAR wieder komplett ab, oder aber man überarbeitet ihn etwas. Vor allem die "klare Fehlentscheidung" war von Anfang an zum Scheitern verurteilt und muss dringend weg. Lieber sollten die Vereine mehr eingebunden werden, wann jetzt was geprüft wird und wann nicht. So, wie wir es aktuell machen, verschlimmbessern wir tatsächlich nur. Die Aussichten darauf, dass sich zeitnah entscheidend etwas ändert, sind aber verschwindend gering. Leider.