Spielabbruch wegen Gladbacher Schmähbanner? Diskussionen um Schiedsrichter Ittrich
Von Daniel Holfelder

Borussia Mönchengladbach hat das Samstagabendspiel gegen RB Leipzig mit 3:0 gewonnen. Für Aufregung sorgte ein beleidigendes Banner im Gladbacher-Fanblock, das sich gegen RB Leipzig, Max Eberl und Marco Rose richtete. Für Schiedsrichter Patrick Ittrich ging die Wortwahl der Borussia-Anhänger zu weit. Der Unparteiische drohte mit einem Spielabbruch und zwang die Fans dazu, das Spruchband zu entfernen. Nach der Partie äußerten sich sowohl Ittrich selbst auch auch der Verein "Fanhilfe Mönchengladbach".
"Ein Hurensohnverein stellt nur Hurensöhne ein" - so lautete die Botschaft, die einige Gladbacher Anhänger auf dem betreffenden Banner aussandten. Über die Stadionlautsprecher ließ Schiedsrichter Patrick Ittrich kurz vor der Halbzeitpause dazu auffordern, das Banner zu entfernen - andernfalls drohe im schlimmsten Fall ein Spielabbruch. Angesichts der 2:0-Führung wollten die Fohlen-Anhänger dieses Risiko nicht eingehen und fügten sich der Aufforderung.
Nach der Partie stellte sich die Frage, wie wahrscheinlich ein Spielabbruch tatsächlich gewesen war. Im Interview mit Sky wurde Ittrich auf den sogenannten Drei-Stufen-Plan des DFB angesprochen. Dieser sieht vor, wie der 43-Jährige bestätigte, dass ein Spielabbruch als dritte Stufe erst dann in Erwägung gezogen werden kann, wenn zuvor das Spiel unterbrochen wurde (Erste Stufe) bzw. die Mannschaften in die Kabine geschickt wurden (Zweite Stufe).
Der Spielabbruch sei "das letzte Mittel", erklärte Ittrich. "Es muss auch verhältnismäßig sein." Der gebürtige Hamburger fuhr jedoch fort: "Aber bei Spruchbändern, auf denen Beleidigungen oder Schmähungen oder solche Äußerungen zu sehen sind, habe ich eine relativ kurze Leine. Ich finde, dieser rechtsfreie Raum muss sowohl im Internet als auch im Stadion unterbunden werden. Da muss auch klar dagegen vorgegangen werden."
Ittrich weiter: "Ich finde, der Drei-Stufen-Plan sollte schon eingehalten werden. Aber ich finde, wir müssen auch relativ deutlich gegen solche Sachen vorgehen. Hier sind Kinder im Stadion, hier sind Menschen, die wollen Fußball sehen. Diese Fläche Fußball zu nutzen, um seine Beleidigungen und verschmähenden Äußerungen rauszuposaunen, das muss aufhören."
Der Verein "Fanhilfe Mönchengladbach" warf dem Referee vor, den Drei-Stufen-Plan des DFB zu missachten und "ein Unverständnis für Fankurven [zu zeigen], das einem BuLi-Schiri unwürdig" sei:
Schiri @patrick_ittrich gibt hier offen zu, dass ihn die Linie des @DFB nicht interessiert.
— Fanhilfe Mönchengladbach (@FanhilfeMg) September 17, 2022
Von der Wortwahl des Banners mag man halten, was man will - aber hier wird ein Unverständnis für Fankurven gezeigt, das einem BuLi-Schiri unwürdig ist.#bmgrbl pic.twitter.com/FHfTgCL3ZH
Kritik erntete Ittrich auch von den Sportjournalisten Mara Pfeiffer und Max-Jacob Ost:
Extrem problematisch. Das Thema ist eigentlich hinreichend diskutiert und geklärt. Solche Alleingänge schaden. https://t.co/Ex6eGDjwin
— Mara Pfeiffer 🐱 (@Wortpiratin) September 17, 2022
Das ist schon wirklich erstaunlich kurz gedacht von @patrick_ittrich. Sich selbst die Regeln machen und das im Ozean des Graubereichs der Beleidigung kann nicht funktionieren. Zudem stimmt es nicht, dass das Stadion ein rechtsfreier Raum sei. https://t.co/yQPm3wxl47
— Max-Jacob Ost (@GNetzer) September 17, 2022
Zugleich gab es von vielen Fans und Usern auch Zustimmung:
Ist das euer Verständnis von "Fankultur"? Wie kaputt seid ihr eigentlich? Großen Respekt hier an @patrick_ittrich, einer mit Rückgrat.
— Acosta (@Acosta_Pranke) September 17, 2022
Falsch / vollkommen korrekt vom Schiri / der Ton macht die Musik - wählt andere Worte - so einfach ist dass
— Bernd „ nur der HSV - #UnsUwe (@magicio01) September 17, 2022
Großartig @patrick_ittrich 👍🏼
— AufewigHSV 🖤🤍💙 (@aus_coe) September 18, 2022