Nach dem Schalke-Abschied: Wie schlägt sich Rabbi Matondo in Glasgow?

Yannik Möller
Rabbi Matondo
Rabbi Matondo / Ian MacNicol/GettyImages
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Im vergangenen Sommer trennten sich die Wege von Rabbi Matondo und Schalke 04 endgültig. Seitdem spielt er in Schottland für die Glasgow Rangers auf. Doch wie schlägt sich der 22-Jährige, insbesondere mit der zuvor erfolgreichen Leihe nach Brügge im Rücken?


Als Rabbi Matondo im Frühjahr 2019 nach Gelsenkirchen kam, waren die in ihn gesetzten Hoffnungen groß. Obwohl er aus der U23 von Manchester City zu Schalke wechselte, sollte er frühzeitig bei den angeschlagenen Profis aushelfen können.

Die damalige Saison nach der vorigen Vizemeisterschaft verlief sehr schlecht. Matondo, so die Zuversicht, könnte mit seinem Tempo für mehr Gefahr und Flexibilität in der Offensive sorgen. Die Bemühungen seitens Domenico Tedesco und Christian Heidel, den damals 18-Jährigen langsam an die erste Elf heranzuführen, wurden auch durch die Ablösesumme von neun Millionen Euro konterkariert.

Doch so, wie er in der Rückrunde der Saison 2018/19 - wenig überraschend - noch keinen Einfluss ausüben konnte, verlief schlussendlich seine gesamte Zeit auf Schalke. Den Durchbruch schaffte er nie.

Rabbi Matondo
Matondo zu Schalke-Zeiten / Soccrates Images/GettyImages

Das lag aber weniger an ihm selbst, als an den Krisen und Formtiefen, die zu diesen Zeiten durchgemacht wurden. Erst der Beinahe-Abstieg, in dessen Spielzeit er zu S04 kam. Später die Rückrunde unter David Wagner, in der bloß ein einziger Sieg erreicht wurde. Anschließend die Abstiegs-Saison, deren Rückrunde er dann leihweise bei Stoke City verbrachte.

Entweder wurde so gut wie gar nicht auf Matondo gesetzt, oder er sollte in einem Spiel, das so gut wie keine Offensivstrukturen hatte, als schneller Sprinter alleine für die Umschaltmomente sorgen. Das laute "go Rabbi, go!" von der Seitenlinie dürfte einigen Fans noch im Gedächtnis sein.

Gute Ansätze, aber keine nachhaltige Qualität: Matondo mit Start-Problemen in Glasgow

Zunächst folgte eine für ihn sehr erfolgreiche Leihe zu Cercle Brügge. Dort spielte er regelmäßig auf und wurde zum Fanliebling. In seinen 27 Einsätzen für den belgischen Klub konnte er zudem zehn Treffer erzielen und zwei weitere vorbereiten. Im vergangenen Sommer erfolgte dann die endgültige Trennung: Für drei Millionen Euro wechselte der junge Waliser nach Schottland, wo er seitdem für die Glasgow Rangers aufspielt.

"Er konnte definitiv nicht sofort einschlagen, was allerdings zum Teil auch daran liegen könnte, dass er noch nicht in seiner besten Rolle eingesetzt wurde", zog Aidan Smith, der in Schottland unter anderem für The Herald und die Glasgow Times schreibt, gegenüber 90min ein durchwachsenes Fazit zur bisherigen Zeit von Matondo.

"In kürzeren Einsätzen hat er auf der linken Seite einen guten Eindruck hinterlassen können, aber unter Giovanni van Bronckhorst als Trainer konnte er dort nicht allzu häufig spielen. Trotz dessen muss man feststellen, dass er die Möglichkeiten, wenn er die Einsatzzeiten bekam, nicht wirklich genutzt hat", so Smith weiter.

Schwache Saison als schweres Pflaster: Was bedeutet der Trainerwechsel für den Ex-Schalker?

Allerdings dürfte sich der Flügelspieler, was den bisherigen Verlauf der Saison betrifft, durchaus an seine S04-Zeiten erinnern. Immerhin sind die Rangers sehr enttäuschend in die Spielzeit gestartet - national wie international.

"Der Verein musste die schlechteste Gruppenphase der Champions League in der Vereinsgeschichte hinnehmen, und im heimischen Meisterschaftsrennen konnten sie ebenfalls nicht überzeugen. Derzeit stehen sie sogar neun Punkte hinter dem Rivalen Celtic", so die Erklärung aus Schottland.

Van Bronckhorst wurde aufgrund dieser Verfehlungen entlassen. Michael Beale ist als neuer Glasgow-Trainer eingestellt worden.

Für Matondo selbst könnte das sogar ein guter Schritt sein. Immerhin, so Smith, hatte er unter van Bronckhorst keine gute Lobby: "Er wechselte immer wieder ins Team hinein und wieder hinaus, und hat unter ihm nur ein einziges Mal über die vollen 90 Minuten spielen dürfen."

"Er hat zwar immer mal wieder andeuten können, dass er die Qualität hat, aber hat es schlussendlich trotz eines schwächelnden Teams nicht geschafft, sich einen Startplatz zu erspielen", zog Smith ein Zwischenfazit zu den Leistungen. "Dazu hat er auch noch kein Tor erzielen können, wenngleich er bereits mehrere vorbereitet hat. Es wird abzuwarten sein, ob und wie er unter der Führung von Beale zum Einsatz kommt."

Bisher, so macht es den Eindruck, hat Matondo also einen recht gemischten Start in Glasgow erwischt.

Rangers-Fans sehen die fehlende Körperlichkeit als Nachteil für Matondo

Dazu passt auch das Empfinden der Fans. "Ich denke, zu ihm gibt es gemischte Gefühle unter den Anhängern. Es ist ihnen bewusst, dass er ein sehr guter Spieler sein kann, aber - wie vom Rest des Teams auch - erwarten sie mehr von ihm", erklärte Smith.

Offenbar gibt es auch das wachsende Gefühl, dass er einfach nicht der Spielertyp ist, der im schottischen Fußball nachhaltig erfolgreich sein kann: "Manch einer hat die Befürchtung, dass er ein zu schmächtiger Spieler ist, der in Schottland Probleme bekommen könnte. Die Premiership ist eine sehr physische Liga und das macht es nicht leicht für ihn."

"Um bei den Rangers erfolgreich zu sein, wird er seinen Kampf und seinen Ehrgeiz auf dem Platz noch vergrößern müssen. Diese Eigenschaften, zusammen mit seiner Geschwindigkeit, könnten ihn aber noch zu einer guten Ergänzung werden lassen."


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