Revolution im Profifußball? IFAB will "Orangene Karte" testen

  • Die internationalen Regelhüter vom IFAB wollen Orangene Karte im Profibereich einführen
  • Zeitstrafen wären dann künftig möglich
  • Änderungen könnten zur Saison 2024/25 offiziell werden

Künftig könnte es auch die "Orangene Karte" geben
Künftig könnte es auch die "Orangene Karte" geben / Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages
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Die Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) wollen Zeitstrafen im Profifußball testen und dafür eine "Orangene Karte" einführen.

Der Einsatz von Zeitstrafen - ähnlich wie etwa beim Handball - hat sich im Breiten- und Jugendfußball als wirksam erwiesen.

In einer Sitzung am Dienstag unterstützte der IFAB die Empfehlung, auf Elite-Level Zeitstrafen für härtere und taktische Fouls zu verhängen, ebenso wie für zu heftiges Reklamieren und verbale Außeinandersetzungen. Solche Vergehen sollen mit einer "Orangenen Karte" oder sogenannte "sin-bins" geahndet werden, die damit in der Bestrafung zwischen einer Gelben und Roten Karte liegt.

Der IFAB wird nun mit der Ausarbeitung von Vorschriften für die Einführung von orangenen Karten beginnen, die bis zum Start der Saison 2024/25 in den großen europäischen Ligen eingeführt werden könnten.

IFAB-Direktor und FA-Geschäftsführer Mark Bullingham sagte dazu: "Wenn wir uns mit orangenen Karten befassen, muss natürlich ein Protokoll entwickelt werden. Die Bereiche, die wir uns angesehen haben, waren verbale Auseinandersetzungen. Die Bestrafung mit einer Zeitstrafe hat in England im Breitenfußball in solchen Fällen sehr, sehr gut funktioniert."

Bullingham weiter: "Wir haben auch über andere Bereiche gesprochen, insbesondere über taktische Fouls. Ich denke, die Frustration der Fans, wenn sie Spiele sehen, bei denen ein vielversprechender Gegenangriff durch ein solches Foul zunichte gemacht wird, und die Frage, ob eine Gelbe Karte dafür ausreicht, hat uns dazu veranlasst, zu prüfen, ob dies ebenfalls in das Protokoll aufgenommen werden sollte.

Zeitstrafe von 10 Minuten geplant

Im Gespräch ist laut Bullingham eine Zeitstrafe von zehn Minuten: "Wenn das Protokoll in diese Richtung geht, dann muss man auf jeden Fall auch 10 Minuten vom Spielfeld gehen."

"Einige Spieler begehen ein Foul - ich weiß, man nennt es taktisches Foul, zynisches Foul, Profi-Foul - aber ein Foul, das einen vielversprechenden Angriff verhindert, und sie tun es bewusst, weil sie wissen, dass sie eine Gelbe Karte bekommen werden, und wir denken, dass das das Spiel wirklich unterbricht. Würden sie es also nicht tun, wenn sie wüssten, dass es eine Zeitstrafe geben würde? Und das wäre die Frage. Ich denke, dass der Erfolg von Zeitstrafen im Breitensport eher in der Prävention als in der Heilung liegt. Man erreicht einen Punkt, an dem die Spieler wissen, dass ihnen Zeitstrafen drohen, und deshalb nicht mehr dagegen verstoßen. Wir würden uns wünschen, dass sich das auch ändern würde", so Bullingham.

Der frühere Weltklasse-Referee Pierluigi Collina, beim Weltverband FIFA Chef der Schiedsrichter-Kommission und Mitglied des technischen Unterkomitees des IFAB, erklärte nach der Sitzung in London: "Es hat in den englischen Amateurligen funktioniert, aber jetzt geht es um ein höheres Niveau. Wir müssen dafür etwas entwickeln, das funktioniert und des Spitzenfußballs würdig ist."

Über die Änderungen am Spiel wird auf der nächsten IFAB-Jahreshauptversammlung am 2. März 2024 endgültig abgestimmt und entschieden.