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DFB-Team

Niklas Dorsch: Der Rudelführer der U21-Hyänen - Zeit für etwas Größeres

Yannik Möller
Jun 7, 2021, 10:37 AM GMT+2
Niklas Dorsch mit der verdienten Europameister-Trophäe
Niklas Dorsch mit der verdienten Europameister-Trophäe / JURE MAKOVEC/Getty Images
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Als "emotional leader" und großartiger Abräumer vor der Abwehr hat Niklas Dorsch einen großen Anteil am EM-Triumph der deutschen U21-Nationalmannschaft. Erneut konnte der 23-Jährige zeigen, welch Können in ihm steckt. Die belgische Liga, wo er seit nun einem Jahr spielt, ist für ihn längst zu klein. Das hat er am Sonntagabend erneut unter Beweis gestellt.

In der 86. Minute musste Niklas Dorsch am Sonntagabend ausgewechselt werden. Es lief das Finale der U21-Europameisterschaft, Deutschland führte verdient mit 1:0 gegen Portugal. Bis dahin hatte die Mannschaft von Stefan Kuntz bereits eine sehr starke Verteidigungsarbeit gezeigt. Dass mit der Auswechslung von Dorsch noch einmal Sorgen aufkamen, sprach dabei eindeutig für ihn.

Wieder einmal hat sich der defensive Mittelfeldspieler zeigen können. Als Leader, Ballverteiler, Zweikämpfer vom Dienst hatte er einen großen Anteil daran, dass sich dieser deutsche U21-Jahrgang nun Europameister nennen darf. Gegen Portugal brachte er acht seiner neun langen Pässe an den Mann, vier wichtige Tackles gelangen ihm, zwei Drittel seiner Duelle konnte er gewinnen und den wichtigen Eröffnungspass auf Ridle Baku spielen, der Lukas Nmecha das Siegtor vorbereitete.

Im Netz verglichen einige Fans und Zuschauer seinen Auftritt im Finale mit dem von Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014 gegen Argentinien. Dorsch warf sich buchstäblich in jeden zu erreichenden Zweikampf, spielte gefühlt mehrere Krämpfe durch und war somit ein bedeutsamer Teil der unüberwindlichen deutschen Abwehr.

Dorsch kann und sollte in eine größere Liga wechseln - Bundesliga-Klubs dürften sich die Finger lecken

Mit dieser Leistung, wie auch schon im Halbfinale gegen die Niederlande, hat er sich wieder einmal in den Fokus gespielt. Rückblickend überrascht es erneut, dass er - bei allem Respekt - nur in der belgischen Jupiler Pro League spielt. Im Sommer 2020 wechselte er für nun einmal mehr beinahe lächerlich wirkende 3,5 Millionen Euro vom 1. FC Heidenheim nach Gent.

Schon beim Zweitligisten spielte der heute 23-Jährige auffällig gut. Spätestens mit den beiden Relegations-Duellen gegen Werder Bremen vor etwa einem Jahr wurde der ehemalige Jugendspieler des FC Bayern (ein Profi-Einsatz inklusive Tor für den FCB) bekannter. Bei KAA Gent, seinem aktuellen Verein, hat er einen bis 2024 gültigen Vertrag.

Somit ist er langfristig an den Klub gebunden. Und dennoch scheint es nun Zeit für den nächsten Schritt zu sein, nur ein Jahr nach seinem vorigen Wechsel. Dorsch hat längst zu viel Qualität, um über den Saisonverlauf wieder in Belgien in den Hintergrund zu rücken. Im defensiven Mittelfeld bringt er schon jetzt die Qualitäten mit, die notwendig sind, um mindestens in der oberen Hälfte der Bundesliga mitzuhalten.

Mit seinen 23 Jahren ist er auch noch lange nicht an seinem spielerischen Zenit angekommen, was speziell für Bundesligisten, die sich als Entwicklungsvereine verstehen (müssen), besonderes interessant ist. Derzeit wird er von transfermarkt auf einen Wert von sieben Millionen Euro geschätzt. Eine Bewertung, die sich bei stetiger Entwicklung in einer deutlich mehr beachteten Liga, zweifelsfrei und rasch verdoppeln, verdreifachen und vermutlich auch vervierfachen kann.

Niklas Dorsch
Einen großen Anteil am EM-Titel kann sich Niklas Dorsch auf die Fahne schreiben / Jurij Kodrun/Getty Images

Passend wäre dieser Schritt in die Bundesliga auch im doppelten Sinne. Seine Berater-Agentur "CN-Sports", geführt von Christian Nerlinger, vertritt vorrangig Spieler aus der obersten deutschen Spielklasse. Spieler wie Florian Neuhaus, Benjamin Henrichs oder Mitchell Weiser stehen dort unter Vertrag. Die notwendigen Drähte, die natürlich auch schnell gespannt wären, sind also vorhanden.

Es ist auch nicht allzu weit hergeholt, dass Dorsch sogar für Vereine, die das internationale Geschäft zumindest anstreben oder dort hin und wieder vertreten sind, sehr interessant sein dürfte. Selbstverständlich spiegelt das EM-Finale nicht jedes einzelne Spiel des Mittelfeldspielers wieder. Doch ist es ein klarer Ausdruck von dem gewesen, was er einem Team in naher Zukunft regelmäßig bieten kann.

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