90min
FanVoice

Nach Newcastle-Übernahme: Der moderne Fußball als perfides Delikt-Versteck

Marc Knieper
Machen Späße, sollten aber eigentlich keinen Grund zur Freude haben: Die Fans von Newcastle United
Machen Späße, sollten aber eigentlich keinen Grund zur Freude haben: Die Fans von Newcastle United / OLI SCARFF/GettyImages
facebooktwitterreddit

Ein Konsortium aus Saudi-Arabien kauft Premier-League-Klub Newcastle United. Warum die Übernahme nicht nur aus fußballerischer Sicht an Ekel kaum zu übertreffen ist. Ein Kommentar.


Schon seit geraumer Zeit ist es im englischen Fußball möglich und üblich, dass stinkreiche Milliardäre einen Klub aus der Premier League aufkaufen. Nun hat das nächste Konsortium zugeschlagen: Die Truppe rund um Mohammed bin Salman, dem Kronprinzen Saudi-Arabiens, nimmt Niemandsland-Klub Newcastle United unter seine Fittiche.

Eine perfide Übernahme, bei der ein jeder Fußball-Fan nicht nur in puncto Financial Fairplay und Gerechtigkeit innerhalb des Fußballs bitter aufstößt, sondern bei der das Fundamentalste überhaupt außer Acht gelassen wird: die Menschenrechte. Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes ist hier ein Fremdwort. Denn Bin Salman soll neben etlichen Menschenrechtsverletzungen den Mord eines Journalisten in Auftrag gegeben haben. Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA ist sich mehr als sicher, konnte den Kronprinzen bis dato aber nicht zur Rechenschaft ziehen.

Mohammed bin Salman übernimmt Newcastle United
Mohammed bin Salman (36) übernimmt Premier-League-Klub Newcastle United / Anadolu Agency/GettyImages

Die Realität in Saudi-Arabien ist erschreckend. Meinungs- und Religionsfreiheit gibt es keine. Frauen haben außerordentlich wenig zu sagen und Homosexualität wird bestraft. Dazu steht die Todesstrafe – die grausamste und barbarischste Strafe aller Zeiten – quasi an der Tagesordnung. Laut Menschenrechtsorganisation AI erfolgten zwischen Januar und Juli dieses Jahres mindestens 40 Hinrichtungen.

Dank Newcastle-Übernahme: Bin Salman möchte Verbrechen kaschieren

Bin Salman übernimmt kurzerhand einen Fußballklub und möchte mit dem hohen Ansehen und dem glorreichen Glanz des (einst) so schönen Fußballs all diese Schandtaten und all seine Menschenrechtsverletzungen verdecken. Einen kleineren Klub zu alter Stärke zurückzuführen hätte ein nettes Narrativ inne.

Newcastle United Fans feiern Übernahme durch Konsortium
Trotz Menschenrechtsverletzungen en masse: Viele Fans freuen sich auf eine Veränderung im Klub / -/GettyImages

Einen renommierten Erstligisten Englands zu übernehmen, dient lediglich als Versteck aller Delikte – und als Machtkampf im Nahen Osten. Katar besitzt Paris Saint-Germain, die Vereinigten Arabischen Emiraten kümmern sich fürsorglich um Manchester City. Einzig und allein Saudi-Arabien fehlte noch im Boxring der mächtigen Reichen.

Dort angekommen, nimmt die Manipulation weiter Fahrt auf. Als aktuelle Durchschnittsmannschaft gestartet, könnte Newcastle United schon in kürzester Zeit ganz oben mitmischen. Die Elite-Spieler des Fußballs werden per Fingerknips verpflichtet – und der moderne Fußball wird nur eines: noch utopischer, noch profitgesteuerter und mehr und mehr emotionsleer. Eine Konsequenz, die auch dadurch entsteht, dass ein kriminelles Konsortium all ihr Verbrechen mit Macht und Geld (im Fußball) unter den Teppich kehren kann.

facebooktwitterreddit