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EM 2020

Morata als Sündenbock für Null-Nummer gegen Schweden - Ex-Nationalspieler kann es nicht nachvollziehen

Guido Müller
Musste sich nach dem Schweden-Spiel harte Kritik gefallen lassen: Álvaro Morata
Musste sich nach dem Schweden-Spiel harte Kritik gefallen lassen: Álvaro Morata / Thanassis Stavrakis - Pool/Getty Images
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Nur kurze Zeit nach dem enttäuschenden EM-Auftakt der Spanier beim torlosen Unentschieden gegen die Schweden, griff der Aktionismus um sich: und die Gärtner machten sich zu später Stunde im Estadio Olímpico zu Sevilla an die Arbeit.

Rasenpflege war angesagt. Denn der schlechte Zustand des grünen Geläufs war als einer der Gründe für die insgesamt dürftige Leistung der Mannschaft ausgemacht worden.

Wie gemäht (oder trocken rasiert, je nach Sichtweise) dürfte sich im Anschluss an die Partie gegen die Nordeuropäer auch Stürmer Álvaro Morata gefühlt haben.

Der von Atlético Madrid ausgeliehene Angreifer von Juventus Turin wurde als einer der Hauptschuldigen für den torlosen Turnierauftakt seiner Mannschaft ausgemacht.

Das Schicksal eines Stürmers, der in der 38. Minute die Riesenchance hatte, seine Elf in Führung zu bringen.

Dazu gesellten sich ein paar weitere unglückliche Aktionen des 28-Jährigen. Für die knapp 11.000 Zuschauer, die dem Spiel beiwohnten, offenbar Grund genug, ihn mit einem gellenden Pfeifkonzert noch während des Spiels zu bedenken.

Ex-Nationalspieler Julio Salinas bricht Lanze für Morata: "Hab ich auch erlebt!"

Was wiederum auf vielfaches Unverständnis und Kritik stieß. Ex-Nationalspieler Julio Salinas stand seinem Berufskollegen bei und brach eine Lanze für ihn: "Das was Morata gerade durchmacht, habe ich auch erlebt. Ich halte es für ungerecht. Morata hat schon viele Tore erzielt. Für Juventus, für Atlético - eigentlich überall, wo er gespielt hat. Heute hatte er eine klare Chance - und sie nicht verwertet. Aber auch Isak hatte eine gute Möglichkeit, und Berg eine noch klarere." (via as.com)

Auch mit der nun einsetzenden Debatte darüber, ob Luis Enrique im nächsten Spiel nicht gleich lieber Gerard Moreno von Anfang an aufbieten sollte (statt Morata), kann der 56-fache Nationalspieler Salinas nicht wirklich etwas anfangen.

Gerard Moreno, Victor Lindelof
Auch er hatte den Siegtreffer auf dem Fuß (bzw. Kopf): Gerard Moreno / Quality Sport Images/Getty Images

"Gerard Moreno ist ein Superspieler und sollte spielen. Da bin ich dabei. Aber nicht auf Kosten Moratas. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

"So machen sie ihn fertig!"

Insgesamt hält Salinas die harsche Kritik an Morata für völlig überzogen: "Hier wird gerade ohne Sinn und Verstand ein Riesenfass aufgemacht. So machen sie ihn fertig. Aber wie ich Morata seit einiger Zeit erlebe, hat er ein ziemlich breites Kreuz, um mit dem Druck fertig zu werden."

Am besten schon am kommenden Samstag - wenn Torjäger Morata, so er denn eine neue Chance von Luis Enrique erhält, auf Bayerns Tormonster Robert Lewandowski trifft. Auch der musste sich nach der 1:2-Niederlage seiner Polen gegen die Slowaken harter Kritik aus der Heimat erwehren.

Man darf gespannt sein, welcher der beiden Goalgetter die Lektion am besten gelernt hat. Oder auch nicht. Am Rasen dürfte es dann jedenfalls nicht mehr liegen.

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