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"Wie in einem Goldfischglas" - Michael Owen im 90min-Gespräch über sein Jahr bei Real Madrid

Micheal Owen hat mit uns über seine Zeit bei Real Madrid geplaudert
Micheal Owen hat mit uns über seine Zeit bei Real Madrid geplaudert

Exklusiv - Wir haben mit Three-Lions-Legende Michael Owen gesprochen. Der Weltfußballer von 2001 erzählt uns von seiner Zeit bei den Königlichen von Real Madrid, Paparazzi, die Atmosphäre im Santiago Bernabeu und Analysemethoden, die er so vorher nicht kannte. Für den ungeliebten Gareth Bale bricht Owen eine Lanze.

Wenn man an die Weltmeisterschaft 1998 denkt, kommt man unweigerlich nicht um den Namen Michael Owen herum. Das Liverpool-Eigengewächs war gerade einmal 18 Jahre alt, als er im Trikot der Three Lions seinen internationalen Durchbruch feierte.

Für seinen Jugendklub FC Liverpool debütierte der Angreifer schon im Jahr zuvor in der Premier League. Um die Jahrtausendwende gehörte Owen zu den besten und bekanntesten Angreifern der Welt, 2001 sicherte er sich den Ballon d'Or als Weltfußballer des Jahrs.

Womit der 89-fache englische Nationalspieler auch auf dem Zettel von Real Madrid landete. Schließlich machten es sich die Galaticos in dieser Zeit zum Credo, das Who is who des internationalen Fußballs unter Vertrag zu nehmen.

Michael Owen
Owen feiert im Real-Trikot sein Tor gegen Valencia | Jamie McDonald/Getty Images

Mitte August 2004 war es dann soweit, Real Madrid verpflichtete Owen für zwölf Millionen Euro aus Liverpool. Mehr als ein Jahr in Weiß sollte es für den Briten aber nicht werden. Seine Zahlen aus der Spielzeit 2004/05 konnten sich dennoch sehen lassen: In 45 Pflichtspielen für die Königlichen war Owen 16 Mal zur Stelle, vier weitere Treffer konnte er vorbereiten. Für einen Titel im Bernabeu reichte das allerdings nicht.

Und so war das Kapitel Real Madrid für ihn schnell wieder beendet. Kurz vor Schließung des Transferfensters schlug im Sommer 2015 Newcastle United zu und legte satte 25 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch.

Owen über sein bewegtes Jahr bei Real Madrid: Wie in einem Goldfischglas

Im exklusiven 90min-Gespräch erzählt Owen von seiner Zeit in der spanischen Hauptstadt und nennt den größten Unterschied zwischen dem Fußball in Spanien und England.

"Ich habe mein Jahr in Madrid wirklich genossen", erzählt Owen. Die mediale Aufmerksamkeit in Madrid sei aber noch einmal deutlich größer gewesen als in seiner Heimat. "Wir dachten, wir sind in einem Goldfischglas. Da waren Paparazzi, die dir überall hin gefolgt sind. Es ist wirklich so, dass du unter dem Mikroskop bist", so der ehemalige Weltklasse-Stürmer.

Es ist verblüffend, wie gut er ist.

Owen über Gareth Bale

Eine Erfahrung, die derzeit auch Gareth Bale macht. Der Waliser und die Madridistas - es ist und bleibt keine Liebesbeziehung. "Er ist kein Liebling der Fans", weiß auch Owen. Doch auch wenn Bale mit seinem Verhalten gerne mal provoziert, würdigt Owen dessen Leistungen für Madrid. Die stehen nämlich im krassen Gegensatz zu seiner Beziehung zu Klub und Fans.

"Wenn man auf Gareth Bale und seine Statistiken schaut, sind die ziemlich sensationell. Nicht nur, was er gewonnen hat, sondern auch die Momente in seiner Karriere, wenn er darauf zurückblickt. Siegtore im Champions-League-Finale, die Pokale, die er gewonnen hat. Es ist verblüffend, wie gut er ist. Also welche Momente er in seiner Karriere hatte", blickt Owen auf Bales Zeit in der spanischen Hauptstadt.

Doch Statistiken und Titel reichen allein nicht aus - gerade in Madrid. Das weiß auch Owen aus eigener Erfahrung. Im Verhalten der Fans sieht er die größten Unterschiede zwischen Spanien und England.

Theater-Atmosphäre im Bernabeu

"Die Fans sind anders. Sie gehen in die Stadien, wo fast schon eine Theater-Atmosphäre herrscht. Sehr still. Aber wenn ihnen nicht gefällt was sie sehen, kommen die weißen Taschentücher raus, und sie werden lauter, wenn der Ball in der Nähe des Sechzehners ist, aber in weiten Teilen ist es sehr ruhig", erinnert sich Owen.

Aber auch die Trainingsmethoden seien anders, meint der 40-Jährige und hat dazu einen Schwank aus seinen Real-Tagen parat: "Es gibt eine Sache, die ganz anders ist, wenn man nach Spanien geht. Ich kann mich erinnern, dass wir jeden Tag Training hatten und als wir Torschüsse trainierten, standen am nächsten Tag alle Schüsse vom Training da. Es hieß dann: 'Ronaldo hatte 85 Schüsse. Tore: 62.
X Treffer mit seinem linken Fuß, X Treffer mit seinem rechten Fuß, traf das Tor so viele Male.'
Und dann Raul, und dann Morientes, und dann Owen. Dort standen alle Statistiken von unseren Einheiten. Und du denkst dir: 'Wow.'