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"An dem Tag bin ich raus" - Als Klopp über 100-Millionen-Transfers sprach

Yannik Möller
Jürgen Klopp
Jürgen Klopp / Etsuo Hara/GettyImages
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Jürgen Klopp hat sich stets lautstark gegen Transfers im dreistelligen Millionen-Bereich gewehrt. Nun hat sein FC Liverpool mit Darwin Nunez selbst eine solche Verpflichtung getätigt.


"Ich würde nicht 100 Millionen Pfund für einen Spieler ausgeben", erklärte Jürgen Klopp vor ein paar Jahren. Er ergänzte damals (via ran): "An dem Tag, an dem das der Fußball ist, bin ich raus, weil es im Spiel darum geht, zusammen zu spielen."

Für ihn stand stets das Team im Fokus. Wenngleich Transfers wie von Virgil van Dijk (85 Millionen Euro) oder Alisson Becker (63 Millionen Euro) auch nicht wesentlich weit von der 100-Millionen-Marke entfernt waren, so zeigte sich Klopp immer distanziert von derartigen Beträgen. "Ich will das anders machen. Das würde ich sogar, wenn ich mehr Geld zur Verfügung hätte", erklärte er weiter.

Nun hat Liverpool allerdings 75 Millionen Euro als fixe Ablöse für Darwin Nunez hingeblättert. Benfica erhält zudem die Aussicht auf weitere 25 Millionen Euro an Bonuszahlungen. Klopps Klub kratzt damit zumindest an der Ablöse-Schallmauer von 100 Millionen Euro.

Klopp reißt eigene 100-Millionen-Mauer ein - Kritik gerechtfertigt?

Ist der Fußball nun noch sein Sport? Ist er ein Hypokrit, ein Heuchler, weil er selbst so agiert, wie er es vor ein paar Jahren noch mit deutlichen Worten kritisierte?

Ja, einerseits. Andererseits, nein.

Zunächst: Die Aussagen sind inzwischen fast sechs Jahre alt. Eine im Fußball-Geschäft lange Zeit, in der sich viel verändern kann. Gerade der Transfermarkt mit seinen Unsummen, speziell aus England, hat dahingehend riesige Schritte gemacht. In eine falsche Richtung, selbstverständlich, aber trotzdem große Schritte.

Ein Spieler, der vor einigen Jahren noch für 30 bis 40 Millionen Euro verkauft worden wäre, wechselt dieser Tage schnell mal für das Doppelte den Verein. Entsprechend ist auch die Klopp-Kritik angesichts seiner eigenen Nunez-Verpflichtung mit einem gewissen Wohlwollen zu sehen. Zumal er ja ganz genau von 100 Millionen Pfund gesprochen hatte. Was umgerechnet gut 115 Millionen Euro sind. Wobei das nur eine Spitzfindigkeit am Rande sein kann.

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Darwin Nunez kommt von Benfica / CARLOS COSTA/GettyImages

Andererseits gab es 2016 diese schnelle Entwicklung auch schon. Wer, wenn nicht ein Profi-Coach wie der 54-Jährige, konnte das schon damals nachvollziehen und damit auch vermuten, dass es in den darauffolgenden Jahre keine Phase der Entschleunigung gibt.

Zudem zog er mit den 100 Millionen Euro eine klare, symbolische Grenze. "Wenn du einen Spieler für die Summe holst und er sich dann verletzt, dann geht das alles den Bach runter", argumentierte er damals. Das gilt auch heute noch - auch wenn so mancher Verein eine solche Ablöse einfacher stemmen kann (oder zu können scheint), als noch vor sechs Jahren.

Bleibt im Sinne Klopps nur zu hoffen, dass Nunez verletzungsfrei bleibt und sich in England auch durchsetzen kann. Immerhin erwarten die Reds durch den Verkauf von Sadio Mané bereits stattliche Einnahmen.


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