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Ein letzter Kommentar zu Marco Rose: Blender und Söldner - doch vor allem: Mensch

Christian Gaul
Das Thema Marco Rose findet ein Ende
Das Thema Marco Rose findet ein Ende / Lars Baron/Getty Images
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Es ist vollbracht. Marco Rose wird ab sofort (wohl) kein einziges Spiel der Borussia mehr als Trainer begleiten. Was bleibt, sind leere Versprechungen und Einblicke in die Mechanismen des Geschäfts Fußball, welches sich immer weniger mit der Basis zu beschäftigen scheint - aber auch Erkenntnisse über fehlgeleitete Emotionalität und verheerende Unsachlichkeit bei den Anhängern.


Rose kam im Sommer 2019 von RB Salzburg zur Borussia, da er seiner Ansicht nach hier ein "tolles Projekt" bei einem "lässigen Klub" angehen wollte. Nur 18 Monate später pfiffen die Spatzen bereits von den Dächern, dass es sich wohl eher um Lippenbekenntnisse handeln musste. Denn Rose erlag dem abermals uninspirierten Ruf aus Dortmund, einem scheinbar tolleren Projekt - einem etwas lässigeren Klub.

Dabei spielte der Trainer immer nach den Regeln, schließlich hatte er sich eine Ausstiegsklausel nicht nur zum Spaß in seinen Vertrag schreiben lassen. Dass Dortmund diese tatsächlich zog, muss schlichtweg von jedem Gladbacher Anhänger akzeptiert werden.

Denn wenn man sich als Gesellschaft auf den Kapitalismus als Spielplatz der Wahl geeinigt hat, dann muss jeder, der diesen Platz fair und ehrgeizig bespielt, als valider Teilnehmer gelten.

Letztlich verhält es sich wie beim Monopoly-Abend mit der Familie. Wenn Papa oder Mama die Tricks und Kniffe des Spiels ausreizen, um einem wieder einmal die Bahnhöfe zu stibitzen und einem den Abend zu versauen. "Wieder was gelernt für's Leben, Kind!" - so ähnlich sollte man Roses Karriereplan nicht verteufeln, aber cool ist irgendwie anders.

Doch grundlegend verstand der Verein bis heute scheinbar nicht, dass es den Anhängern nicht um die faktische und vertraglich abgesicherte Entscheidung Roses ging, sondern vielmehr um dessen Gebaren in der Öffentlichkeit. Auslöser für die Enttäuschung der Anhänger war Roses Außendarstellung im Bezug auf seinen (nachvollziehbaren) Wechsel zum BVB im Kontext der Rückendeckung des Vereins.

Allerdings darf diese Enttäuschung niemals als Ausrede für Bedrohungen und Beleidigungen herhalten, denn Rose mag ein Blender und Söldner sein, doch in erster Linie ist er eines: ein Mensch.

Pfiffe absolut legitim - Anfeindungen und Hetze müssen jedoch beendet werden

Redet man als Anhänger und damit Außenstehender von oder über Marco Rose, dann meint man immer dessen Rolle als Fußball-Trainer in der Öffentlichkeit. Niemals sollte der Mensch Marco Rose in seiner Integrität als Person verletzt werden.

Anfeindungen oder Bedrohungen in Richtung des ehemaligen Gladbacher Übungsleiters und dessen Familie oder dessen Kollegen (wie René Maric), sind nicht nur unangebracht, sondern stehen in keinster Weise in irgendeiner Relation zur empfundenen Enttäuschung.

Besonders schade ist es dann, wenn Personen mit erhöhter Reichweite ihre wenig konstruktiven Aussagen im Netz verbreiten und damit weiteren Hass und Hetze schüren. "Wir haben uns als Verein von einem karrieresüchtigen Söldner an der Nase herumführen lassen", äußerte sich beispielsweise Michael Weigand kürzlich auf seinem persönlichen Facebook-Account. Weigand setzte sich im Laufe der Saison vermehrt als Sprachrohr des FPMG Supporters Club e.V. in Szene, unter anderem als er nach Roses Abschiedsverkündung - sehr erhaben und vor einem Bücherregal sitzend - per Video-Schalte bei Sky den sofortigen Rauswurf des Trainers forderte.

Ob er in der Wahl seiner Worte für den gesamten Supporters Club sprach, darf gerne bezweifelt werden.

"Aus sicherer Quelle ist mir nun mitgeteilt worden, dass FohlenTV ein Abschiedsinterview mit Marco Rose präsentieren möchte. Mein guter Rat als langjähriger Fan, als Fanclubvorsitzender und auch als Vorstandsmitglied des FPMG Supporters Club e.V. an den Verein: Macht das nicht! Lasst es gut sein! Schickt ihn weg, feuchter Händedruck am Ende und aus die Maus! Kein Interview mit diesem Söldner! Keine Erklärungen! Keine Rechtfertigungen!" - Weigand zum Trotz fand das Interview dennoch statt.

"Meine Bitte an unseren scheidenden Trainer: Halte wenigstens bis zu Deinem Gastspiel im Borussia-Park durch, bevor Dich der echte Dortmunder Edin Terzic wieder ablöst: Die Nordkurve hat noch ein akustisches Abschiedsgeschenk für Dich, das wegen Corona leider viel zu kurz kam", kündigte Weigand an.

Marco Rose
Marco Rose und die Medien - schwierig! / Pool/Getty Images

Weigand mag dabei einigen Fans aus der Seele gesprochen haben, doch konstruktiv geht anders. Statt sachlich auf die eigentlichen Gründe der Kluft zwischen Fans und Verein einzugehen, gießt er damit weiteres Öl in das Feuer des bockigen Hasses.

Sicherlich darf man Rose auspfeifen, wenn er sich das nächste Mal im Borussia-Park einfinden wird. Diese Art des Protestes muss ein Verantwortlicher in diesem Zirkus aushalten und Rose hätte die geballte Unzufriedenheit der eigenen Anhänger sicherlich bereits zu spüren bekommen, wenn die Stadien nicht leer geblieben wären.

Nicht auszuschließen ist jedoch, dass man sich an den "Protesten" in Richtung Dietmar Hopp orientiert, nur dieses Mal mit Rose im Fadenkreuz. Eben weil man seine geballte Unzufriedenheit aufgrund des sportlichen Abschneidens, der kommunikativen Fehler des Vereins und der Pandemie im Allgemeinen unbedingt auf den Menschen Marco Rose übertragen will.

Doch Leute, bleibt ganz ruhig. Rose ist Vergangenheit und kann euch jetzt nicht mehr schaden. Pfeift ihn aus, wenn ihr wollt. Doch lasst euch nicht von nicht weniger karriereorientierten Hetzern vor den Karren spannen und habt tatsächlich das Wohl des Vereins im Blick.

Die Borussia wurde Achter und nicht Siebzehnter, sie ist weiterhin stabil für die kommenden Aufgaben gerüstet. Max Eberl und die anderen Verantwortlichen dürfen und müssen kritisiert werden für eine insgesamt unbefriedigende Saison und eine fragwürdige Kommunikation.

Dennoch sollte das Thema Marco Rose als Initial für eine dringend benötigte Rückkehr zur Sachlichkeit dienen.

Und damit auch beendet werden.

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