Bayern München

Viel Kritik an Julian Nagelsmann: Welche davon ist berechtigt? Die Abrechnung nach Bayern-Jahr eins

Dominik Hager
Julian Nagelsmann hat als Bayern-Coach schon einiges an Kritik auf sich gezogen
Julian Nagelsmann hat als Bayern-Coach schon einiges an Kritik auf sich gezogen / THOMAS KIENZLE/GettyImages
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Julian Nagelsmann hat den FC Bayern gleich in seiner ersten Saison zum deutschen Meistertitel geführt. Böse Zungen würden aber behaupten, dass selbst Donald Trump oder ein Gorilla aus dem Tierpark Hellabrunn dieses Kunstück geschafft hätten. Gemessen wird man als Bayern-Trainer insbesondere am internationalen Abschneiden. Dieses war mit dem Viertelfinal-Aus gegen den FC Villarreal jedoch enttäuschend und auch die Pokal-Blamage gegen Gladbach wirft kein gutes Bild auf Nagelsmann. Im Netz gibt es demnach schon einige kritische Stimmen gegen den Bayern-Coach. Doch wie viel kann man diesem wirklich vorwerfen?


Vorwurf 1: Ist Julian Nagelsmann unsympathisch?

Sympathie oder Antipathie liegen sicherlich im Auge des Betrachters. Zunächst sei aber gesagt, dass Sympathie nur bedingt etwas mit Trainer-Qualitäten zu tun hat. Zuletzt wurde Nagelsmann für ein unglückliches Statement gegen die Freiwillige Feuerwehr auffällig („Wir sind nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Südgiesing, sondern beim FC Bayern München“).

Reicht das jetzt aber aus den Trainer dafür zu kritisieren, unsympathisch zu sein? Die Antwort kann dabei nur nein lauten. Wenn ein Mensch wie Julian Nagelsmann beinahe täglich öffentliche Äußerungen machen muss, haut er zwangsläufig auch hier und da daneben. Im Normalfall wirkt der Trainer aber authentisch, locker und nahbar. Von seinem Auftreten können sich andere Bayern-Verantwortliche etwas anschauen. Wenn es auf dem Fußball-Platz nicht läuft, liegt es nicht daran, dass Nagelsmann unsympathisch wäre.

Vorwurf 2: Ist Julian Nagelsmann zu arrogant oder respektlos?

Der FC Bayern lebt im Grunde schon seit immer auch ein wenig von seiner arroganten Seite. Dieses Selbsbewusstsein ist sicherlich mitverantwortlich für so einige große Titel. Villarreal-Profi Dani Parejo nahm dieses Selbstvertrauen als Respektlosigkeit auf.
Doch sehen wir uns doch die PK-Aussage von Nagelsmann nach der CL-Auslosung mal genauer an:

„Die Frage, wie man den Gegner einschätzt, ist immer sehr tricky. In allererster Linie wollen wir da natürlich weiterkommen. Villarreal ist der amtierende Europa-League-Sieger. Sie haben einen Trainer und eine Mannschaft mit viel Erfahrung und einen klaren Plan. Sie spielen oft sehr ähnlich und sind in der Gruppenphase hinter Manchester United Zweiter geworden. Gegen Juve 3:0 zu gewinnen, das musst du erstmal schaffen. Es sollte unser Anspruch sein, weiterzukommen, aber trotzdem muss man die Spiele erst einmal spielen und gewinnen“, wurde er von fcbayern.com zitiert.

Arroganz oder Übermut kann man hier nicht erkennen. Es wären viel mehr einige Medien, die von „Glücks-Los“ gesprochen oder Social-Media-User die „Dusel-Bayern“ angestimmt haben.

Vorwurf 3: Ist Julian Nagelsmann nicht erfolgreich?

"Aus meiner Sicht hat er noch nicht geliefert…Von den 18 Bundesligisten könnte jeder Trainer mit Bayern 75 bis 85 Punkte holen und um die Deutsche Meisterschaft mitspielen. Im Pokal ist man hart rausgeflogen, in der Champions League auch."

Guido Buchwald (Sport1)

Das Gute ist ja, dass sich Erfolg recht einfach nach Fakten bemessen lässt. Der FC Bayern ist deutscher Meister geworden und das auf eine souveräne Art und Weise. Selbstredend ist das Argument, dass jeder Trainer mit den Bayern Meister werden könnte aber auch nicht aus der Luft gegriffen. Zwar wäre Nico Kovac an dieser Aufgabe beinahe gescheitert, jedoch verfügen die Münchner über den besten Kader. Man darf nicht unterschätzen, dass dies kein Freifahrtsschein ist und die Spieler nach neun Jahren vielleicht auch etwas Meistermüde sind, aber machen wir es kurz: Diesen Titel musste Nagelsmann einfach holen.

Im Pokal und in der Champions League hatten die Bayern keinen Erfolg, so viel ist Fakt. Im Pokal gibt es auch definitiv nichts zu beschönigen, so desolat wie der Auftritt gegen Gladbach war. Das Ausscheiden gegen Villarreal war ebenfalls maximal enttäuschend, jedoch sei angemerkt, dass man es immerhin ins Viertelfinale geschafft hat und eine tolle Gruppenphase absolviert hat, wodurch man - anders als z.B. beim BVB - nicht von einem Totalversagen sprechen kann.

Letztlich ist das aber natürlich Muster ohne Wert. Alles in allem ist das Abschneiden zusammengefasst gerade so ok, aber eher auf der enttäuschenden Seite. Das Statement „erfolgloseste Trainer seit Klinsmann“ ist jedoch zu kurz gedacht. Auch van Gaal, Flick, Heyneckes und Guardiola hatten Spielzeiten, in denen sie nur einen oder gar keinen Titel gewinnen konnten.

Vorwurf 4: trägt Nagelsmann die Schuld am Ausscheiden gegen Villarreal?

"Die Bayern spielen merkwürdig unsicher und uninspiriert. Dafür muss sich gewiss Trainer Julian Nagelsmann verantworten. So dürfte auch die Einwechslung von Alphonso Davies für Lucas Hernández - wenngleich der Franzose verletzungsbedingt nicht mehr weitermachen konnte - nicht als allerklügste Entscheidung in seine noch junge Trainer-Vita eingehen."

Kerry Hau (Sport1)

"Sie sind wieder einmal und nicht zum ersten Mal in dieser Saison führungslos aufgetreten."

Didi Hamann

"Er hat ganz sicher seine Spielidee gehabt. Aber der Wechsel war unglücklich."

Lothar Matthäus (Sky)

"Klar ist Villarreal "unangenehm" zu bespielen. Aber welcher Gegner in der CL ist schon angenehm? Es muss der Anspruch des FC Bayern zweifelsohne sein sich gegen solch ein Team durchzusetzen. Wir waren klarer Favorit und müssen uns in 180 Minuten da durchsetzen, da gibt es doch keine zweite Meinung. Und wenn man das nicht schafft, hat man die eigenen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft. Und diese auszuschöpfen ist und bleibt in erster Linie die Aufgabe des Trainers. Und da sind wir dann wieder am Startpunkt der Diskussion. Nagelsmann wird sich daran messen lassen müssen, wie er die PS der Mannschaft bestmöglich auf den Rasen bringt. Das ist der Punkt. Das weiß der auch."

hemdl (transfermarkt.de)

Während die Kritik an Nagelsmann vor dem Villarreal-Spiel eher eine laue Flamme war, wurde die Lage im Nachgang ziemlich explosiv. Der Trainer erhielt nach dem Ausscheiden laut eigenen PK-Aussagen 450 Morddrohungen. Dies geht natürlich überhaupt nicht, wohingegen Kritik sicherlich vertretbar ist. Diese gab es zur Genüge.

Am meisten Vorwürfe musste sich der Coach sicherlich wegen der Hernández-Auswechslung aussetzen. Nagelsmann nahm den Franzosen auf dem ersten Blick grundlos aus dem Spiel, nachdem dieser eine starke Leistung bot. Der eingewechselte Davies sah prompt beim Gegentor nicht gut aus. Wie sich hinterher herausstellte war der Wechsel jedoch verletzungsbedingt.

Zwei Fragen brennen auf der Seele? Hätte Hernández nicht noch länger durchhalten können und war Davies nach seiner langen Pause die richtige Wahl? Zu Punkt eins sei gesagt, dass Nagelsmann der Erste ist, der es abbekommt, wenn er den angeschlagenen Spieler drauflässt und dieser sich anschließend schwerer verletzt. Zudem hatte er neben Davies auch nur Nianzou, aber keinen Süle auf der Bank. Der Franzose wäre nachträglich vielleicht die bessere Wahl gewesen. Vergleichen wir aber die sonstige Fehlerquote von Davies mit der von Nianzou, kann man die Nagelsmann-Entscheidung voll verstehen. Wechsel sind eben auch oft Glücksache.

Klar ist aber auch, dass man gar nicht in die Situation gekommen wäre, wenn die 178 Minuten davor besser gelaufen wären. Während Kerry Hau von „unsicheren“ und „uninspirierten“ Bayern sprach, betitelte Hamann das Team als „führungslos“. Nagelsmann wird zudem dafür verantwortlich gemacht, dass Potential aus der Truppe nicht ausgeschöpft zu haben.

Sicherlich war das Ausscheiden kein Pech, sondern schwachen Bayern geschuldet. Die Merkmale „unsicher“ in der Defensive und „uninspiriert“ in der Offensive treffen es da ganz gut, insbesondere wenn man ans Hinspiel denkt. „Führungslos“ wirkten die Münchner aber eigentlich nur in der zweiten Halbzeit des Hinspiels, als man den Rückstand auf Biegen und Brechen aufholen wollte und sämtliche Taktik über Bord warf. Dies führte zu enormen Lücken in der Defensive und überhastete Aktionen in der Offensive. Hierbei kann man Nagelsmann also durchaus vorwerfen, nicht ausreichend „beruhigend“ auf das Team eingewirkt zu haben.

Im Rückspiel machten die Münchner taktisch betrachtet vieles richtig. Die Bayern kontrollierten das Spiel und agierten über lange Zeit auch defensiv stabil. Es wäre falsch gewesen, alles auf Angriff zu stellen, zumal der Rückstand zu keinem Zeitpunkt mehr als das Tor betrug und dieses ja auch zwischenzeitlich ausgeglichen werden konnte. Der FC Bayern konnte jedoch nicht nachlegen, was an einem Fehlen an Kreativität und an der Chancenverwertung lag. Inwiefern man Nagelsmann das Fehlen an Kreativität vorzuwerfen ist, lässt sich schwer sagen. Wirklich einstudierte Angriffsituationen oder vielleicht mal eine ausgetüftelte Standard-Variante suchte man vergeblich. Hier hätte womöglich auch von Nagelsmann mehr kommen können.

Vorwurf 5: Hat es Bayern verlernt, in der Viererkette zu verteidigen?

"Wieso versucht der Trainer nach der erfolgreichen Demontage Salzburgs mit Dreierkette, dann doch eine stets dysfunktionale Viererkette durchzuboxen? Ist es wirklich nur die Schuld eines tatsächlich unausgegorenen Kaders, dass diese Mannschaft es verlernt hat, in einer Viererkette zu verteidigen? "

Daniel (Dein FC Bayern Blog)

Julian Nagelsmann switchte in dieser Saison viel zwischen Dreier- und Viererkette. In weiten Teilen der Hinrunde sahen wir eine asynchrone Viererkette, bei der Davies in Ballbesitz mit nach vorne ging und gegen den Ball die Kette als vierter Mann ergänzte. Funktioniert hat dies auch in den meisten Spielen ganz gut, wenn man mal die 0:5-Pleite gegen Gladbach ausklammerte.

Zum Rückrundenstart musste der Bayern-Coach allerdings umstellen, zumal Alphonso Davies aufgrund einer Herzmuskelentzündung nicht mitwirken konnte. Demnach spielten Pavard, Süle und Hernández meist als Dreierkette und wurden von Coman und Gnabry als Schienenspieler flankiert. Dies funktionierte ebenfalls ganz gut.

Ab und an stellte Nagelsmann dann jedoch auf Viererkette um. was prompt schief ging. Die drei Niederlagen in der Rückrunde geschahen ausschließlich mit Viererkette. Dafür gab es jedoch auch andere Gründe. Beim 1:2 gegen Gladbach fiel die halbe Mannschaft Corona-bedingt aus, während gegen Bochum die Taktik mit einem defensiven und vier offensiven Mittelfeldspielern nicht aufging. Die Unterzahl im Zentrum konnten die Bayern nicht ausgleichen, was sicherlich auch Nagelsmann hätte vorhersehen müssen.

Als Alphonso Davies nach seiner langen Pause zurückkehrte, brachte Nagelsmann diesen prompt im Hinspiel gegen Villarreal und wählte demnach auch wieder die Viererkette. Es ist vielleicht nicht die klügste Wahl, im wichtigsten Spiel auf die Defensiv-Formation zu setzen, die in der Rückrunde zweimal schief ging, jedoch hatte dies wie erwähnt auch andere Gründe. Zudem sei erwähnt, dass man gegen Villarreal auch offensiv nicht gut aussah und einige Fehler in der Defensive eher individuellen Charakter hatten. Wann hat Manuel Neuer beispielsweise zuletzt so einen groben Fehlpass gespielt?

Dass man es nicht gänzlich verlernt hat, in der Viererkette zu verteidigen, hat man im darauffolgenden Bundesligaspiel gegen Augsburg gesehen, in derm man immerhin mal zu Null spielte.

Vorwurf 6: Ist Nagelsmann Schuld an den formlosen Spieler

"Wieso ist pünktlich zur Crunch-Time der Saison die halbe Stammelf außer Form, inklusive Konstanz-Monster wie Kimmich, Müller und Lewandowski?"

Daniel (Dein FC Bayern Blog)

Es war immer die oberste Divise, dass die Bayern in Hochform sind, wenn im Aprill und Mai die ganz großen Kracher anstehen. Diese Steuerung ist meist auch gelungen. In diesem Jahr war jedoch genau das Gegenteil der Fall. Gründe hierfür gibt es mehrere: Im Falle von Joshua Kimmich kann man davon ausgehen, dass die ganze Corona-Problematik durchaus ihre Spuren hinterlassen hat. Warum der Mittelfeld-Leader dann aber ausgerechnet gegen Villarreal noch weiter von seiner Form entfernt blieb, ist schwer zu beantworten. Bei Lewandowski und Müller sei gesagt, dass beide eben auch schon über 30 sind. An der Form von Lewandowski gibt es außerdem nicht viel zu kritisieren. Müller ist ein Spieler der sehr von seinen Scorer-Punkten lebt. Fehlen diese (trotz Vorlage gegen Villarrea) wirken die Leistungen des Raumdeuters schnell mal unglücklich.

Vielmehr müsste man eigentlich bei Spielern wie Sané und Gnabry ansetzen. Beide wirkten nicht wirklich bereit für die Spiele, was aber wohl keine körperlichen Gründe hatte. Julian Nagelsmann und sein Team werden sicherlich schon mal was von Trainingssteuerung gehört haben und sich diesbezüglich keine großen Platzer leisten. Die Probleme sind eher im mentalen Bereich zu sehen. Gnabry wirkte oft unzufrieden mit seiner Position und Rolle im Team und ist im Kopf sicherlich auch ein wenig bei den Vertragsgesprächen. Sané Ist ein Spieler, der von seinem Selbstvertrauen und Spaß am Spiel lebt. Beides ging irgendwann verloren, wofür auch Nagelsmann keine Erklärung hat.

Womöglich hat der Bayern-Coach bei den beiden Offensivspielern an irgendeinem Punkt die richtige Ansprache verpasst. All das sind jedoch Spekulationen. Natürlich sieht ein Trainer aber nicht gut dabei aus, wenn derart viele Spieler außer Form sind, selbst wenn die Gründe vielfältig sind.

Vorwurf 7: Was ist aus Nagelsmanns „In-Game-Coaching“ geworden?

"Und wo ist eigentlich Nagelsmanns berühmtes in-game-Coaching geblieben? Hat er etwa verlernt, wie man Mannschaften während des Spiels oder wenigstens in der Kabine umstellt?"

Daniel (Dein FC Bayern Block)

Julian Nagelsmann wurde für ein „In-Game-Coaching“ in der Vergangenheit häufig gelobt. Auf diese Weise hat er mit Leipzig gegen die Bayern in Halbzeit zwei häufig viel besser ausgesehen, als in Durchgang eins. Beim FC Bayern war davon tatsächlich wenig zu sehen. Im Falle der Gladbach-Niederlage sei aber beispielsweise gesagt, dass die Partie zur Halbzeit längst verloren war. Gleiches gilt für die Bochum-Pleite, bei der man zur Halbzeit 1:4 hinten war.

Gegen Villarreal waren in Summe auch die zweiten Hälften etwas stärker als in Hälfte eins, jedoch konnte Nagelsmann die ganz großen Impulse nicht setzen. Unter dem Strich kann man festhalten, dass der Coach in Sachen „In-Game-Coaching“ weder groß positiv noch negativ aufgefallen ist.

Vorwurf 8: Nagelsmann fährt seine Spieler öffentlich an die Wand

"Nagelsmann hat es drauf,Spieler öffentlich an die Wand zu fahren. Nur bei Nikki oder Sabi wird geschwiegen."

Lerby (transfermarkt.de)

Die Aussage des Transfermarkt-Users spielt auf Leroy Sané an, zudem sich Nagelsmann zuletzt auf der PK ein wenig dünnhäutig äußerte:

“Ich kann nicht sagen, warum er nicht immer an seine Leistungsgrenze kommt. Mein Tipp: Ihn selber fragen. Ich habe viele Gespräche gehabt, viel versucht. Er hat über einen langen Zeitraum richtig gut gespielt, eine herausragende Saison gespielt. Er hat in der Rückrunde immer mal wieder Phasen gehabt. Ich kann es nicht beantworten. Fragen Sie ihn selber, er ist ja schon alt genug, seine eigene Meinung kund zu tun,“ erklärte der Bayern-Coach.

Dies klingt natürlich schon ein wenig resignierend, was nicht unbedingt das beste Zeichen des Spielers ist. Man kann aber beim besten Willen nicht sagen, dass Nagelsmann den Spieler an die Wand fährt. Nagelsmann stand voll hinter Sané, nachdem dieser vom Publikum ausgepfiffen wurde und fand die ideale Position für den Spieler, der plötzlich aufdrehte und vor Ehrgeiz und brannte. Warum dieser wieder erloschen ist, muss der Kicker schon selbst wissen. In der Rückrunde gerieten Nagelsmann im Training aneinander („Wenn du kein Bock hast, kannst du auch in die Kabine gehen“). Öffentlich hat sich der Coach aber immer hinter den Spieler gestellt und so einiges durchgehen lassen. Es ist ganz normal, dass Nagelsmann auch irgendwann verzweifelt ist - die vielen Fans sind es auch.

Interessant ist der Zusatz „Nur bei Nikki und Sabi wird geschwiegen“. Beide spielten schon früher erfolgreich unter Nagelsmann, was ihnen angeblich einen Vorteil verschaffen soll. Im Falle von Süle kann man aber sagen, dass er einzig und allein wegen seinen starken Leistungen über weite Strecken der Saison gesetzt war. Bei Sabitzer wundert man sich schon, warum Nagelsmann den Spieler trotz wahrlich schwacher Leistungen wieder und wieder bringt. Der Österreicher hat unüblich viele Chancen bekommen und nicht genutzt, wenngleich er sich zuletzt etwas steigern konnte.

Was soll aber beispielsweise ein Marc Roca sagen? Wenn er mal spielen durfte, hat er seine Aufgabe gut gemacht. Seit Spieltag 19 durfte er nur 27 Minuten in der Bundesliga ran. Wenn man also von „Spieler an die Wand fahren“ sprechen möchte, dann eher beim Spanier. Nach all dem Lob, das Roca für seine Einsätze bekam, ist die geringe Spielzeit nicht nachzuvollziehen.

Fazit:

Julian Nagelsmann hat in seiner ersten Bayern-Saison hier und da mal daneben gelegen und ein paar unglückliche Entscheidungen getroffen. In Summe kann man dem 34-jährigen aber auch keine großen Vorwürfe machen. Bei Spielern und Vorstand könnte man da schon eher ansetzen. Auf dem Jahreszeugnis von Nagelsmann wird vielleicht kein "sehr gut" stehen, jedoch ist er noch immer der richtige Coach für diesen Klub.


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