Bayern München

Impfdebatte schwächt den FC Bayern: Wird Nagelsmann zum großen Verlierer?

Dominik Hager
Frostige Stimmung bei den Bayern: Wird Nagelsmann der Verlierer der Impfdebatte?
Frostige Stimmung bei den Bayern: Wird Nagelsmann der Verlierer der Impfdebatte? / Sebastian Widmann/GettyImages
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Der Start von Julian Nagelsmann beim FC Bayern hatte ein wenig etwas vom Prinzen im Märchenschloss. Das Team lieferte überragende Leistungen, das Verhältnis zu den Bossen und der Mannschaft entwickelte sich perfekt und nichts und niemand auf der Welt schien die Nagelsmann-Bayern aufhalten zu können. Inzwischen ist aber längst nicht mehr alles Gold, was glänzt. Grund dafür ist die Corona-Pandemie und die Debatte um die fehlenden Impfungen bei Kimmich und Co, die der Bayern-Coach eigentlich nur verlieren kann.


Vom einen auf den anderen Moment zogen erste Gewitterwolken über den FC Bayern, als Julian Nagelsmann positiv auf den Corona-Virus getestet wurde und einige Spiele verpasste. Darunter fiel auch das völlig desaströse 0:5 im Pokal gegen Borussia Mönchengladbach, das wie aus dem Nichts Schwächen aufdeckte, die man schon besiegt zu haben glaubte. All das war aber nur der Anfang des Übels.

Mit dem starken Anstieg der Corona-Zahlen in Deutschland erwischte es auch den FC Bayern heftig, indem sich Niklas Süle und Josip Stanisic infiziert hatten. Für die größere Aufregung sorgte jedoch ein Quintett, das sich bis heute nicht impfen lassen hat.

Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Eric Maxim Choupo-Moting, Jamal Musiala und Michaël Cuisance mussten allesamt zum Rapport, weil sie mit ihrer Haltung die Klub-Bosse verärgerten, die allesamt pro Impfung eingestellt sind und die Ziele des Vereins in Gefahr sehen. Wie sich herausstellen sollte, taten sie dies mit Recht. Die ungeimpften Spieler befinden sich schließlich erneut in Quarantäne und werden gegen Kiew und Bielefeld fehlen.

Debatte um ungeimpfte Profis spitzt sich zu: Wie reagiert Nagelsmann?

Demnach muss sich der Verein nun die Frage stellen, wie man im Falle des Quintetts am besten verfährt. Julian Nagelsmann kann aus dieser Sache schon mal definitiv nicht als Sieger herausgehen. Stellt er die ungeimpften Spieler nach ihrer Zeit in Quarantäne wieder auf, könnte dies bei einigen geimpften Spielern auf Ablehnung stoßen. Diese dürften sich von dem Quintett schließlich sportlich ziemlich in Stich gelassen fühlen und womöglich auch menschlich enttäuscht von deren Haltung sein.

Risse innerhalb der Mannschaft sind vermutlich schon jetzt unvermeidlich und könnten sich weiterhin dramatisieren. Sollte ein ungeimpfter Spieler nach Ablauf der Quarantäne sofort in der Startelf stehen, wohingegen ein anderer Profi, der die gesamte Woche auf dem Trainingsplatz stand, auf die Bank muss, ist das nur schwer zu vermitteln.

Nagelsmann kann sich Ausschluss von Kimmich und Co nicht leisten: Machtwort von Kahn nötig?

Allerdings sind auf der anderen Seite Spieler wie Kimmich, Gnabry und langfristig betrachtet auch Musiala zu wichtig, um sie wegen der Impfdebatte "fallen zu lassen". Schon jetzt fühlten sich die Betroffenen laut BILD-Angaben von den Gehaltskürzungen kalt erwischt. Ein wenig Missstimmung gegen den Verein werden sie demnach schon jetzt in sich tragen. Man darf sich aber gar nicht erst ausmalen, was passiert, wenn der Bayern-Coach die Betroffenen jetzt auch noch vom Trainings- oder Spielbetrieb ausschließt. Hier könnten sich Klüfte auftun, die sich anschließend nicht mehr schließen lassen.

Serge Gnabry, Joshua Kimmich
Kimmich und Gnabry würden einen Ausschluss wohl nicht akzeptieren / Adam Pretty/GettyImages

So sehr die Haltung der Ungeimpften derzeit auch die sportlichen Chancen gefährden, so vorsichtig muss man nun im Umgang sein. Im Team wird es schließlich sicherlich auch geimpfte Spieler geben, die einen Ausschluss nicht nachvollziehen könnten. Auf diese Weise könnte die Grüppchenbildung weiter voranschreiten.

Julian Nagelsmann kann diese Entscheidung eigentlich nicht treffen, zumal sich das Fehlen der betroffenen Spieler zwangsweise auf die sportliche Performance auswirkt. An dieser wird er nun mal letztlich als Trainer doch noch am meisten gemessen. Eine verlorene Deutsche Meisterschaft kann sich auch der von allen Seiten gefeierte Bayern-Coach nicht leisten.

Sollte es also zu einem Ausschluss von ungeimpften Spielern kommen, müsste das Machtwort vom Vorstand kommen. Die Aufgabe würde dann wohl Oliver Kahn zufallen, der allerdings auch an einem Strang mit Hainer und Salihamidzic ziehen müsste. Für Nagelsmann wäre es ideal in diese Entscheidung so wenig wie möglich eingebunden zu werden. Missstimmung zwischen Trainer und Spielern ist schließlich dramatischer als zwischen Vorstand und Spielern, weil diese tag-täglich direkt miteinander arbeiten.

Impfdebatte gefährdet Erfolg: Geht Nagelsmann als Verlierer aus der Saison?

Der 34-Jährige ist ohnehin schon der Verlierer des Chaos. Schließlich hat die sportliche Leistung schon gelitten, wie man am 1:2 gegen Augsburg ablesen kann. Während es vor einem Monat noch so aussah, als wäre der FC Bayern auf dem Triumphzug nicht zu stoppen, hat sich dieses Gefühl grundlegend geändert.

Meist lässt es sich doch recht früh erkennen, wann eine Saison so richtig erfolgreich wird und wann sie sich eher durchschnittlich oder weniger gut gestalten lässt. Ein gutes Zeichen sind zum einen natürlich passende Ergebnisse. Viel wichtiger ist jedoch eine hervorragende Team-Chemie, in der jeder an einem Strang zieht, man füreinander kämpft, eine klare Mission ausgegeben ist und man alles für das Gelingen dieser tun würde. In den Triple-Jahren 2013 und 2020 hatte man das Gefühl, dass eben jene Voraussetzungen perfekt gepasst haben.

FC Bayern
Mit einer starken Einheit zum Erfolg: Sind solche Bilder auch in dieser Saison noch möglich? / Pool/GettyImages

In diesem Jahr gestaltet sich das jedoch anders. Immer häufiger hört man leicht genervte Töne auf den Pressekonferenzen, die eine gewisse Unzufriedenheit verdeutlichen. Die ehemals so geschlossene Einheit scheint zudem gefährliche Risse durch die Corona-Problematik davonzutragen. All das sind Zutaten, die ein Team auf ihren sportlichen Missionen nur zu häufig scheitern lassen.

Am bittersten ist wohl, dass all das verhindert werden hätte können. Mannschaftliche Geschlossenheit und das positive "Mia-san-Mia-Gefühl" war immer etwas, das den FC Bayern von Mannschaften wie Paris Saint-Germain abgegrenzt hat. Nun scheint man die Trumpfkarte nicht mehr so leicht ausspielen zu können.

Ärgern wird das vor allem Julian Nagelsmann, der eigentlich gleich in seinem ersten Jahr alle Titel angreifen wollte. Nun muss man Angst haben, dass all das misslingt und der Trainer selbst symbolisch dafür steht. Schließlich hat der 34-Jährige in seiner Laufbahn noch keine große Trophäe in seinen Händen halten dürfen.

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