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Hitzlsperger bekräftigt Kritik an WM in Katar: "Glaube nicht an nachhaltige Verbesserung"

Dominik Hager
Thomas Hitzlsperger fehlt der Glaube an positiven Effekten durch die WM in Katar
Thomas Hitzlsperger fehlt der Glaube an positiven Effekten durch die WM in Katar / Matthias Hangst/GettyImages
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Das deutsche Team hat die WM-Qualifikation erfolgreich bestritten und wird in gut einem Jahr zur WM nach Katar fahren. Gleiches gilt für die anderen Fußball-Nationen der Welt, die sich entweder schon qualifiziert haben oder sich auf den letzten Metern noch ein Ticket ergattern können. Dennoch begleitet uns weiterhin ein mulmiges Gefühl, was den Austragungsort angeht. Thomas Hitzlsperger ist nicht davon überzeugt, dass sich im Wüstenstaat durch die WM etwas ändern wird.


Thomas Hitzlsperger wird besonders froh darüber sein, in einer Zeit gekickt zu haben, in der die Fußball-WM in Deutschland stattgefunden hat. Ob sich der ehemalige Profi, der sich inzwischen als homosexuell geoutet hat, eine Reise nach Katar angetan hätte, kann durchaus bezweifelt werden.

Die Homosexualität ist in Katar schließlich noch immer verboten. Das ist jedoch nur eines von vielen Problemen, die sich von sterbenden Arbeitskräften beim Stadionbau bis zu fehlenden Menschenrechten im Allgemeinen erstrecken.

Thomas Hitzlsperger versteht den Ansatz, mithilfe einer WM auf die Probleme aufmerksam zu machen grundlegend durchaus. "Man versucht, damit die alte diplomatische Idee von Wandel durch Annäherung zu bemühen", wird er vom kicker zitiert.

Hitzlsperger glaubt nicht an nachhaltige Auswirkungen in Katar: "Russland ist auch nicht demokratischer und liberaler geworden"

Trotz der Hoffnungen, die die FIFA in die WM von Katar angeblich setzt, glaubt der ehemalige Mittelfeldspieler nicht an eine entsprechende Wirkung.

"Meine Hoffnung auf Verbesserung hält sich in Grenzen. Es wird der FIFA nicht schwerfallen, vier Wochen lang Bilder zu zeigen, die den Eindruck von Fortschritt vermitteln, ohne dass sich im Land in den kommenden Jahren grundsätzlich etwas ändert. Aber an eine nachhaltige Verbesserung allein durch eine WM glaube ich nicht. Russland ist nach der letzten WM auch nicht demokratischer und liberaler geworden", verglich Hitzlsperger.

Immerhin erklärte das Organisationskomitee vor rund einem Jahr, dass es das Zeigen der Regenbogenflagge in den Stadien erlauben werde.

"Das ist auf alle Fälle begrüßenswert, weil derartige Symbole immer wieder Diskussionen auslösen. Wenn schon die WM in Katar stattfindet, dann muss sich die FIFA diesen Diskussionen eben stellen. Und genauso der Staat Katar", so der VfB-Sportvorstand.

Hitzelsperger wäre Ehrlichkeit lieber gewesen

Trotzdem wäre es diesem lieber, wenn die FIFA von Beginn an mit offenen Karten gespielt und ehrlich gesagt hätte: "Die arabische Welt ist ein wichtiger Markt mit potenten Sponsoren, sie haben eine Top-Bewerbung abgegeben, also spielen wir da", so Hitzlsperger.

Es ist ja auch kein wirkliches Geheimnis, dass die WM 2022 des Geldes wegen in Katar stattfindet. Dafür hat die FIFA einige Opfer gebracht. Die 6.500 Arbeiter, die laut der englischen Zeitung Guardian bei den Bauten der Stadien zu Tode kamen, sind ein schreckliches Symbol dafür.

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