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DFB-Team

Heimauftakt für Flick: Spagat zwischen Entwicklung und Resultate

Yannik Möller
Hansi Flick muss schon jetzt einen Spagat bewältigen
Hansi Flick muss schon jetzt einen Spagat bewältigen / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Vor dem zweiten Spiel unter Hansi Flick muss sich die Nationalelf bereits um einen besseren Eindruck bemühen. Das zähe 2:0 gegen Liechtenstein hat den Fokus auf einen wichtigen Spagat für den neuen Bundestrainer gelegt: Für wichtige Entwicklungen benötigt man Zeit, gleichzeitig muss man aber schon jetzt überzeugende Resultate einfahren.


Das Debüt von Hansi Flick als Bundestrainer war nur ein Teilerfolg: Zwar holte die Nationalmannschaft wichtige drei Punkte für die WM-Qualifikation ein, zugleich blieb aber der überzeugende und somit für wichtigen Auftrieb sorgende Auftakt aus. Der 2:0-Sieg gegen Liechtenstein war sehr zäh. Das erste Spiel lief also keineswegs so, wie es erhofft wurde.

"Das ist ein Gegner, gegen den man höher gewinnen muss. Es hat noch nicht alles funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben", erklärte Flick nach dem Spiel. Damit zeigt sich, dass der 56-Jährige schon zu Beginn seiner Amtszeit einen Spagat hinkriegen muss. Man benötigt die wichtigen Resultate, die Siege und Punkte. Zeitgleich muss aber auch so früh wie möglich ein Umbruch in den Auftritten stattfinden.

Flick muss ein Feuer entfachen: Ergebnisse müssen stimmen, Entwicklung muss erfolgen

Eine Mannschaft, die über 15 Jahre lang vom gleichen Coach trainiert wurde, kann angeeignete Strukturen nicht so einfach ablegen. Auch wenn sich der Fußball in diesen anderthalb Jahrzehnten viel gewandelt hat, so ist der Cut zwischen Joachim Löw und Flick als Nachfolger nicht zu unterschätzen.

Das ist ein Aspekt, der auch erstmal in einer Mannschaft ankommen muss. Das jedoch mit möglichst viel Tempo. Schließlich ist es von großer Bedeutung, dass man mit Euphorie und viel Selbstbewusstsein in die erhoffte "Ära Flick" startet.

Daher sollte mit diesem Hinweis auch nach einem mühsamen Sieg gegen Liechtenstein nicht gespart werden. Es ist völlig richtig und verständlich, dass auf die Notwendigkeit überzeugender Auftritte hingewiesen wird. Wie Stefan Effenberg es am Sonntagvormittag im Sport1-Doppelpass erklärte: Man muss für die Nationalelf wieder gerne den Fernseher anmachen wollen.

Über die letzten Jahre ist in der Beziehung zwischen DFB-Elf und Fans viel zerbrochen. Pomadige Auftritte, fehlende Erfolge, nicht zu erkennende Entwicklungen und Konsequenzen. Auch hier kommt der Spagat wieder ins Spiel. Unter Flick muss ein neues Feuer entfacht werden. Das funktioniert nur mit guten Sieg einerseits und aussichtsreichen Auftritten - und damit Entwicklung - andererseits.

Für Letzteres braucht es Zeit, das ist nun einmal so. Kein Trainer der Welt wird einer Mannschaft innerhalb von knapp zwei Wochen eine veränderte Spielidee beibringen können. Kein Trainer der Welt wird diese direkt in den ersten zwei, drei Spielen umsetzen können. Auch auf Profi-Niveau ist das eine Herausforderung.

Armenien-Spiel als nächste Herausforderung - und Möglichkeit für Aufbruchsstimmung

Im Gegensatz zum Liechtenstein-Spiel muss am Sonntagabend gegen Armenien allerdings ein Fortschritt erkennbar sein. Erneut ist zu erwarten, dass sich der Gegner tief stellen und vor allem auf Umschaltmomente lauern wird. Obwohl Armenien die Quali-Gruppe derzeit anführt (zehn Punkte aus vier Spielen!).

Deshalb wird der Fokus ganz klar auf dem Brechen des tiefen Blocks liegen. Eine Aufgabe, an der die deutsche Elf am Donnerstag scheiterte. So waren es größtenteils zwei Einzelaktionen, die zur 2:0-Führung führten.

Hans-Dieter Flick
Hansi Flick bei der Besprechung mit dem Team / Alexander Hassenstein/Getty Images

Dem FC Bayern konnte Flick auch ziemlich schnell beibringen, wie man derartige Gegner klein kriegt - obwohl es zu Beginn den ein oder anderen eher wackeligen Auftritt gab. Dieser Schritt ist auch jetzt wieder notwendig.

Folgt ein überzeugender Heimsieg gegen Armenien, kann das zähe Auftreten im Debüt-Spiel schon fast vergessen werden. Dann geht es am Mittwoch gegen Island. Im Optimalfall geht Deutschland dann mit einem sehr guten Gefühl aus dieser Länderspielpause. Dann werden die Fans nach und nach auch wieder merken, wie sie mit mehr Interesse in die nächsten Partien gehen.

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