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Hansi Flick über den Trainerjob beim FC Bayern: "Gewinnen allein reicht nicht"

Florian Bajus
Apr 29, 2020, 4:52 PM GMT+2
Bis 2023 Cheftrainer der Bayern: Hansi Flick
Bis 2023 Cheftrainer der Bayern: Hansi Flick | TF-Images/Getty Images
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Unter Hansi Flick kehrte der Erfolg beim FC Bayern nach nur wenigen Wochen wieder zurück. Aber was macht Erfolg überhaupt aus? Wie wird er beim Rekordmeister definiert? Auf diese Fragen lieferte der Cheftrainer im Interview mit dem Vereinsmagazin 51 Antworten.

Seit 21 Pflichtspielen sitzt Hansi Flick als Cheftrainer auf der Bayern-Bank, einzig aufgrund der Corona-Krise sind seit dem 25. Bundesliga-Spieltag keine weiteren Partien hinzugekommen. Nichtsdestotrotz hat der 55-Jährige seine Qualitäten vor der Zwangspause eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Unter Flick gewann der FCB 18 Spiele, spielte bei zwei Niederlagen nur einmal Unentschieden und erzielte 67 Tore bei 14 Gegentoren.

Belohnt wurde Flick, der seinem Vorgänger Niko Kovac in den Monaten Juli bis Oktober assistierte und dessen Job nach der 1:5-Pleite bei Eintracht Frankfurt Anfang November übernahm, mit einem Vertrag bis 2023. Bei den Spielern und in der Vorstandsetage genießt er allerhöchste Wertschätzung, denn nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Art und Weise, wie in München wieder Fußball gespielt wird, lässt alle Beteiligten staunen.

Flick will "das Optimale herausholen"

Unter Flick ist, so wird es häufig beschrieben, der Erfolg zurückgekehrt. Aber was bedeutet das eigentlich? "Erfolg ist für mich das Resultat einer Entwicklung", erklärt der Cheftrainer im Vereinsmagazin 51. "Beim FC Bayern musst du immer den Anspruch haben, dass du permanent besser werden und das Optimale aus deinen Veranlagungen oder Fähigkeiten herausholen willst. Da nehme ich mich selbst nicht aus."

""Natürlich geht es am Ende um Titel. Ich kann mich aber voll damit identifizieren, dass der FC Bayern inzwischen den Anspruch hat, seine Fans über ein 1:0 hinaus zu begeistern.""

Hansi Flick
Unter Hansi Flick ist der FC Bayern wieder zu alter Stärke zurückgekehrt
Unter Hansi Flick ist der FC Bayern wieder zu alter Stärke zurückgekehrt | DeFodi Images/Getty Images

Auf dem Papier war Kovac ebenfalls erfolgreich, holte der Kroate doch das Double in seiner Debütsaison. Doch unter seiner Ägide wurde der Fußball rustikaler, vom Hochglanz der Jahre 2012 bis 2016 war kaum noch etwas übrig. Das hat sich unter Flick geändert - einerseits, weil er eine gänzlich andere Vorstellung von Fußball hat, andererseits, weil er eben weiß, dass die Erwartungshaltung gestiegen ist: "Heute reicht gewinnen allein nicht. Das finde ich absolut richtig. Natürlich geht es am Ende um Titel. Ich kann mich aber voll damit identifizieren, dass der FC Bayern inzwischen den Anspruch hat, seine Fans über ein 1:0 hinaus zu begeistern."

Flick lebt den Teamgedanken: "Erfolg hat man nur gemeinsam"

Doch Flick sieht sich nicht als alleiniger Verantwortlicher für den Turnaround. "Das Entscheidende ist für mich, dass es letztlich nur über den Teamgedanken geht", sagt er. "Loyalität, Wertschätzung und Respekt füreinander" seien ausschlaggebend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Mannschaft und dem Trainerstab.

Auch brauche es gegenseitiges Vertrauen, viel Kommunikation und vor allem Spaß. Denn "Erfolg", schlussfolgert Flick, "hat man nur gemeinsam. Und ich sage es immer wieder: Ich bin zum Beispiel sehr, sehr zufrieden, wie unser Trainerteam beim FC Bayern aufgestellt ist. Wie wir uns austauschen können, was das für eine Ebene ist, auf der man Vertrauen hat, das ist für mich persönlich ideal" (zitiert via fcbayern.com).

Umso glücklicher macht ihn die Tatsache, dass der Teamgedanke auch von der Mannschaft gelebt wird: "Wenn ich jetzt sehe, wie ein Robert Lewandowski gegen Chelsea Serge Gnabry zwei Buden auflegt, geht mir das Herz auf", schwärmt Flick, "die ganze Art, die die Mannschaft auf den Platz bringt, und die sie auch daneben verkörpert - das ist genau das, was ich möchte. Ich habe mich als Spieler immer gerne in den Dienst der Mannschaft gestellt, und das ist auch bei meiner Arbeit als Trainer durchaus stilbildend".

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