Bundesliga

Rose unter Druck: Wechsel zum BVB komplizierter als der nach Gladbach

Yannik Möller
Marco Rose geht mit einer gewissen Hypothek zum BVB
Marco Rose geht mit einer gewissen Hypothek zum BVB / Lars Baron/Getty Images
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Marco Rose wird Borussia Mönchengladbach zum Saisonende verlassen. Und das nicht mit einer äußerst stabilen Entwicklung der Mannschaft, auf der aufgebaut werden kann - stattdessen verbunden mit einem großen Rückschritt. Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem BVB, wird vom aktuellen Coach geschwärmt. Der Trainer gerät unter Druck.


Ein Spiel ist noch offen in der Bundesliga-Saison 2020/21. Für Borussia Mönchengladbach bieten diese letzten 90 Minuten das negative Potenzial, die schlechteste Tabellenplatzierung seit der Saison 2010/11 einzunehmen. Damals war es der 16. Platz, dieses Mal könnte es im schlimmsten Fall auf Platz zehn hinauslaufen.

Gewinnt der VfB Stuttgart seine letzte Partie gegen Arminia Bielefeld, sowie der SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt, während die Gladbacher nicht gewinnen, ist dieser Negativ-Meilenstein erreicht. Verliert man sogar, wäre ein Remis der beiden Konkurrenten womöglich auch schon ausreichend. Dieses Endergebnis ist gar nicht so unwahrscheinlich, wie vielleicht vermutet. Ausgeschlossen werden sollte es schon gar nicht.

Matthias Ginter
Auch die Gladbacher Spieler zeigen sich über diese Rückrunde sichtbar enttäuscht / Frederic Scheidemann/Getty Images

Dabei im Fokus: Marco Rose, der den Klub nach zwei Jahren verlassen und zur neuen Saison bei Borussia Dortmund anheuern wird. Die erste Saison bei der Fohlenelf war ein Erfolg. Das Team entwickelte sich spielerisch spür- und sichtbar weiter, spielte unterhaltsamen und in der Regel erfolgreichen Fußball. Belohnt wurde das mit der Qualifikation für die Champions League.

An der Herausforderung, diese Qualität zu halten, sie zu stabilisieren und auszubauen, ist Rose mit seinem Trainerteam jedoch gescheitert. Das muss und kann auch so deutlich gesagt werden. Vor allem die Defensive ist völlig entgleist: Mit ganzen 54 Gegentreffern stellt man die derzeit drittschlechteste Abwehr der ganzen Liga. Zahlreiche Punkte wurden nach Führung noch verspielt, über 30 sind es (wettbewerbsübergreifend) an der Zahl.

Dazu ist die Stimmung mit der Ankündigung, den Verein zu verlassen, gekippt. Dass der 44-Jährige Gebrauch von einer Ausstiegsklausel macht, ist dabei viel weniger das Problem, als die Kommunikation rund um dieses Thema und weitere Aussagen im Verlauf der Rückrunde.

Marco Rose
Marco Rose hat sich zuletzt durchaus auch kommunikative Patzer geleistet / Frederic Scheidemann/Getty Images

Rose könnte Gladbach historisch schlecht hinterlassen - und in Dortmund wartet großer Druck

So läuft derzeit vieles darauf hinaus, dass Rose die Gladbacher ohne einen europäischen Wettbewerb verlassen wird. Und das, obwohl sich für die zweite Saison unter ihm noch größere Hoffnungen gemacht wurden. Stichwort Kontinuität, etwas langfristiges und insbesondere stabiles aufbauen. Das hat nicht funktioniert. Stattdessen könnte sogar noch ein im negativen Sinne zehn Jahre lang nicht erreichter Tabellenplatz winken.

Gleichzeitig kann er die Borussia aber auch nicht einfach so hinter sich lassen, die sich zur neuen Saison fast komplett neu aufbauen muss. Bei der anderen Borussia, seinem nächsten Ziel, wird gerade von Edin Terzic geschwärmt. Der emotionale Trainer, der mit Dortmund so verbunden ist wie kaum ein anderer. Einer, der den DFB-Pokal gewonnen hat und den Klub sehr wahrscheinlich doch noch in die Champions League führen wird.

Edin Terzic
Der Erfolg Edin Terzics bedeutet für Rose noch größeren Druck / Martin Rose/Getty Images

Hätten die Verantwortlichen von Schwarz-Gelb diese Entwicklung vorhersehen können, die Personalie Marco Rose wäre wohl nicht ganz so eindeutig forciert worden. Rose kommt also nach dem mittelfristig gesehenen Scheitern in einen Verein, der mit seinem aktuellen Coach eine tolle Beziehung aufgebaut hat. Eine kuriose Ausgangslage, die den gebürtigen Leipziger gehörig unter Druck setzt.

Er muss zwingend performen, die Mannschaft schon frühzeitig noch besser machen. Einen Ausrutscher, wie er ihn in dieser Saison und primär dieser Rückrunde erlebt, kann er sich beim BVB nicht erlauben. Die Königsklasse ist das absolute Minimalziel, daran wird nicht gerüttelt. Auch wenn ein neuer Trainer kommt.

So zeigt sich, dass der Wechsel von der einen zur anderen Borussia wichtiger, aber auch schwieriger wird, als der von Salzburg in die Bundesliga im Sommer 2019. Rose kommt geschwächt zu einem Verein, der sofortige Resultate fordert, während jedes kleine Stolpern ein Rufen nach seinem Vorgänger bedeuten wird. Damit steht er, auch selbstverschuldet, vor einer großen Herausforderung.

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