Champions League

Der Fußball und seine Schlupflöcher: Wenn nicht hierzulande, dann wenigstens in Ungarn!

Florian Bajus
RB Leipzig empfängt den FC Liverpool im Champions-League-Achtelfinale in Budapest. Egal wie: Hauptsache es wird gespielt
RB Leipzig empfängt den FC Liverpool im Champions-League-Achtelfinale in Budapest. Egal wie: Hauptsache es wird gespielt / Burak Kara/Getty Images
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Weil der FC Liverpool und Manchester City nicht nach Deutschland einreisen dürfen, werden die Achtelfinal-Duelle der Champions League von RB Leipzig (Liverpool) und Borussia Mönchengladbach (Man City) nach Budapest verlegt. Hauptsache, die Show geht weiter - ein fatales Signal, doch dem Fußball dürfte es egal sein.

Es haben längst alle verstanden, dass der Fußballzirkus weitergehen muss. Es gibt laufende Verträge, die Übertragung der Spiele ist notwendig für das Überleben der Vereine, die Sportler wollen ihrem Beruf nachgehen - das alles wurde im vergangenen Jahr zu Genüge behandelt, als sich die Verbände darum bemüht haben, dass irgendwie weitergespielt werden darf, während der Rest im Sinne des Kampfes gegen die Pandemie zurückstecken und auf viele Privilegien verzichten muss.

Der nationale Wettbewerb ist auch gar nicht das Problem. Ja, auch trotz des Hygienekonzeptes werden die Profis positiv getestet, denn auch das beste Hygienekonzept kann eine Infektion nicht zu 99,9 Prozent ausschließen. Aber die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat unter Beweis gestellt, dass der Profisport auf nationaler Ebene auch zu Pandemiezeiten fortgeführt werden kann.

Kompliziert wird es erst bei internationalen Wettbewerben wie der Champions League oder der Europa League, insbesondere wenn Einschränkungen bei der Einreise aus bestimmten Ländern getroffen wurden. So wie im aktuellen Fall: Weder der FC Liverpool noch Manchester City dürfen nach Deutschland einreisen, um gegen RB Lepizig respektive Borussia Mönchengladbach zu spielen. Der Grund: Es soll verhindert werden, dass sich die Corona-Mutante B.1.1.7 hierzulande noch weiter ausbreitet und das Geschehen dominiert.

Die UEFA ist keine wirkliche Hilfe

Allerdings sagt die UEFA klipp und klar: Der Heimverein muss, wenn ein Spiel nicht im eigenen Stadion ausgetragen werden kann, einen alternativen Spielort vorschlagen. Finden die Verantwortlichen keine Lösung, wird die Partie mit 0:3 gewertet. In der K.o.-Runde bedeutet dieses Ergebnis praktisch das Ausscheiden, doch jeder Teilnehmer will einen fairen Wettbewerb und wird sich daher selbstverständlich damit befassen, dass das Spiel stattfinden kann.

Die Lösung für Leipzig und Gladbach: Die Verlegung nach Budapest. Es reisen also zwei deutsche und zwei englische Mannschaften nach Ungarn ein, statt zwei werden nun drei Blasen miteinander vermischt. Hauptsache, die Show geht weiter - ein fatales Signal, das von Ignoranz und Egoismus zeugt. Frei nach dem Motto: Uns ist alles egal, wir wollen einfach spielen, weil wir uns diese Chance nicht nehmen lassen wollen. Und weil wir das Geld brauchen.

Es wäre vernünftiger, würde der Wettbewerb auf Eis gelegt

In gewisser Weise steckt die UEFA in einem Dilemma. Die europäischen Wettbewerbe konnten im vergangenen Jahr nur an einem neutralen Standort zu Ende gespielt werden, weil zuvor die nationalen Ligen beendet wurden und die Europameisterschaft auf 2021 verschoben wurde. In diesem Jahr ist es allerdings nicht möglich, im Juni oder Juli wieder Final-Turniere austragen zu lassen. Es kann nur im klassischen Modus gehen.

Wesentlich vernünftiger wäre es allerdings gewesen, die betroffenen Spiele zu verschieben oder komplett ausfallen zu lassen, wie auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gegenüber RTL/n-tv betont hat. Dies sei "auch mal verzichtbar an dieser Stelle", so Klingbeil (zitiert via t-online.de). "Der Wettbewerb darf da nicht an erster Stelle stehen." Zumal nach der Rückkehr nach Deutschland die Einreise- und Quarantänebedingungen gelten, wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums laut der oben verlinkten Quelle erläuterte.

Wie Leipzig, Gladbach und auch der FC Bayern, der sich derzeit aufgrund der Klub-Weltmeisterschaft in Katar aufhält, nach ihrer Rückkehr verfahren wollen, ist offen. Denn eine zweiwöchige Quarantäne dürften alle vermeiden wollen, andernfalls droht der Spielplan wegen der Nachholspiele noch enger zu werden, wie der Fall Dynamo Dresden nach dem Re-Start im Mai vergangenen Jahres gezeigt hat.

Was fehlt dem Fußball eigentlich?

Dass der Fußball geltende Beschränkungen ignoriert und sich Schlupflöcher sucht, wird das Image, das im vergangenen Jahr enorm gelitten hat, keinesfalls aufpolieren. Es dürfte den Verantwortlichen allerdings egal sein, denn im Grunde fehlt es ihnen an nichts. Sie dürfen weiterhin an allen Wettbewerben teilnehmen und um die Welt reisen, sie nehmen weiterhin viele Millionen Euro ein, während viele andere Existenzen in Gefahr sind. Das einzige Manko: Es ist nicht mehr ganz so viel Geld wie früher, weil keine Zuschauer in den Stadien sind. Den Klubs fehlen damit allen voran wichtige Kunden - einzig den Spielern dürfte es hierbei in erster Linie um mangelnde Unterstützung von und fehlende Stimmung auf den Rängen gehen.

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