Werder Bremen Frauen

Frauen-Bundesliga-Vorschau Werder Bremen: Balance zwischen Offensive und Defensive gesucht

Helene Altgelt
Lina Hausicke ist Kapitänin und eine der besten Torjägerinnen Bremens
Lina Hausicke ist Kapitänin und eine der besten Torjägerinnen Bremens / Johannes Simon/GettyImages
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Werder Bremen konnte letzte Saison trotz einer mageren Ausbeute an Toren die Klasse halten und landete auf dem neunten Platz. Auch diese Saison wird es hauptsächlich darum gehen, in der Bundesliga zu bleiben. Werden die Bremerinnen torgefährlicher oder vertrauen sie weiterhin auf diszipliniertes Verteidigen und eine torgefährliche Abwehrspielerin?


Nur neun Tore: Torflaute letzte Saison - aber Klassenerhalt dank maximaler Effizienz

Dass ein Team pro Spiel im Durchschnitt nicht mal 0,5 Tore schießt und trotzdem nicht absteigt, ist selten. Dass eine Abwehrspielerin die beste Torjägerin ist, ist ebenfalls selten. Dass die Stürmerinnen alle zusammen auf nur ein Tor kommen, ist noch viel seltener. Und dennoch trifft all das auf Bremen letzte Saison zu. Damit ist schon viel gesagt über das Problem des Werder-Teams - das Runde will nicht so richtig ins Eckige.

Letzte Saison waren zwei Spielerinnen zusammen für sieben der neun Bremen-Tore verantwortlich, beide nicht Stürmerinnen: Abwehrspielerin Michelle Ulbrich war mit vier Treffern beste Torjägerin, Kapitänin und Mittelfeldspielerin Lina Hausicke netzte drei Mal ein.

Bei nur neun Toren ist klar, dass jeder Treffer Gold wert ist. Bremen war zwar nicht nah dran am ersten Platz, aber die Meisterinnen des Tore-in-Punkte-Ummünzens waren sie auf jeden Fall. Wenn sie verloren, schossen sie meist auch kein eigenes Tor (mit zwei Ausnahmen), wenn sie aber den Ball ins Netz befördern konnten, gab es meist auch Punkte. Dementsprechend knapp fielen die Siege aus: Kein einziges Mal schoss Bremen mehr als ein Tor. Die Nerven der Werder-Fans müssen stark sein, wenn die Torflaute auch diese Saison bleibt.

Spielstil: Defensive Stabilität im Vordergrund

Diese Statistiken lassen schon erahnen, wie die Spielweise des Teams von Thomas Horsch aussieht: Die defensive Stabilität geht bei Bremen über alles, Tore sind dem soliden Verteidigen untergeordnet. Daher war es in der letzten Saison auch öfters zu beobachten, dass sich eine vernünftige Chance ergab, Bremen aber kaum nachrückte, um hinten nicht anfällig zu werden. Aber diese defensive Ausrichtung kann eben auch eine Stärke sein. Das Team zeichnet sich durch eine große Bereitschaft aus, in die Zweikämpfe zu gehen und zu laufen.

Bei der Torbilanz der Stürmerinnen überrascht es, dass Werder auf dieser Position auf dem Transfermarkt nicht aktiv geworden ist. Sechs Zugänge gibt es diesen Sommer, sie sind aber eher im Mittelfeld oder in der Abwehr aktiv. Das könnte daran liegen, dass die Abschlussschwäche nicht das größte Problem bei Werders Torflaute war. Vielmehr fiel es dem Team schwer, aus dem Spiel Chancen zu kreieren und nach vorne zu spielen.

So sah es auch Abwehrspielerin Michelle Weiß im Interview mit 90min: "Es ist immer schwer zu sagen. Wir hatten unsere Schwierigkeiten in Abschlussaktionen zu kommen", sagte sie. Großchancen waren Mangelware. Die meiste Gefahr strahlten die Bremerinnen nach Standardsituationen aus, bei denen die kopfballstarke Hausicke ein wichtiger Trumpf ist.

Transferfenster: Sechs Neuzugänge, Abgänge sind zu verschmerzen

Daher kommen nun Neuzugänge wie Mittelfeldspielerin Saskia Matheis von Eintracht Frankfurt, die von hinten raus den Takt vorgeben soll. Zudem hat sich Bremen gleich dreimal bei Absteiger Sand bedient: Offensivspielerin Lena Triedl, Torhüterin Sarah-Lisa Dübel und Verteidigerin Michaela Brandenburg zieht es allesamt von Baden in die Hansestadt. Dazu kommen die ungarische Abwehrspielerin Hanna Nemeth von Ferencvaros Budapest und eine junge Torhüterin.

Keine spektakulären Transfers also, aber genug, damit Bremen auch nächste Saison stabil spielen sollte - zumals keine Leistungsträgerinnen verabschiedet werden mussten. Die wichtigsten Fragen für die nächste Saison werden sein, ob es Bremen gelingt, mehr Chancen zu kreieren - und diese dann auch zu nutzen -, und ob sie konstant ihre Leistung abrufen können. Letzte Saison brachten sie etwa Wolfsburg lange zur Verzweiflung und erkämpften sich gegen Frankfurt einen Punkt, aber Bayern unterlagen die Bremerinnen mit 0:8.

Schlüsselspielerinnen: Kapitänin, Top-Torschützin, Sturmtalent und Rechtsverteidigerin

Die bereits erwähnten Michelle Ulbrich und Lina Hausicke werden auch nächste Saison Tore schießen müssen, damit das gelingt. Standardsituationen sind eine der Stärken von Werder, nach denen die beiden oft in aussichtsreiche Situationen kommen. Hausicke ist mit ihren 24 Jahren schon ein Ruhepol im jungen Team (Durchschnittsalter im letzten Bundesliga-Spiel: 22 Jahre) und scheut keinen Zweikampf.

Noch schlägt es sich nicht in sehr vielen Treffern nieder, aber die 17-jährige Maja Sternad ist ein großes Talent im Sturm. Wenn auch nicht mit mehr als einem Tor, konnte sie ihrem Team letzte Saison mit ihren Laufwegen und Dribblings sehr helfen. Katharina Schiechtl ist mit ihren 29 Jahren da schon etwas erfahrener. Sie spielte diesen Sommer mit Österreich bei der EM und schied mit dem "verrückten Haufen", wie sie es selbst sagt, im Viertelfinale gegen Deutschland aus. Ihren Teil trug Schiechtl als defensiv sehr solide Rechtsverteidigerin bei, auf deren Seite eher selten etwas anbrennt, bei Werder spielt sie in der Innenverteidigung.

Klassenerhalt Ziel, langfristig auch mehr - ein Spiel im großen Stadion steht an

Der Frauenfußball bei Werder feiert dieses Jahr ein Jubliäum: Vor 15 Jahren wurde die Abteilung gegründet, seitdem ging es steil bergauf. Werder gelang es, den großen Sprung von der zweiten in die erste Bundesliga zu schaffen und konnte sich jetzt, nach einigen Jahren als typische Fahrstuhlmannschaft, in der ersten Spielklasse etablieren. Gegenüber Meppen und Duisburg sind die Bremerinnen wohl leicht favorisiert, aber der Klassenerhalt wird auch dieses Jahr ein hartes Stück Arbeit. Ein Abstieg geht mit finanziellen Einbußen und Abgängen einher - davon profitierte Werder dieses Jahr selbst, indem sie drei Spielerinnen von Sand unter Vertrag nahmen.

Wichtigstes Element bei der langfristigen Konsolidierung wird auch bei Werder die Professionalisierung sein. Der Zuschauerschnitt war letzte Saison gering, was Abteilungsleiterin Birte Brüggemann in einem Interview auf der Homepage auch damit erklärt, dass der Aufwand bei Heimspielen zu hoch sei, sodass sie nicht so viel Drumherum organisieren könnten, wie gewünscht. Solche Aussagen zeigen, dass noch viel zu tun ist. Andererseits wurde bereits ein Schritt nach vorn gemacht: Erstmals wird nächste Saison ein Spiel in der großen Arena ausgetragen. Im November geht es gegen den SC Freiburg - und wer weiß, vielleicht fällt dabei ja auch mehr als ein Werder-Tor.


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