Frankfurt hat Hütter zu "Ich bleibe"-Aussage gedrängt

Adi Hütter.
Adi Hütter. / Lars Baron/Getty Images
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Frankfurts Präsident Peter Fischer hat sich in der Bild zu den Wechseln von Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter geäußert. Letzterer sei zu seinem Zitat "Ich bleibe", auf das der Wechsel folgte, gedrängt worden. Gladbach kam erst danach ins Spiel. Das Wechseltheater um Bobic ist Fischer dagegen auf die Nerven gegangen.


"Sehr respekt- und würdevoll", so beschreibt Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer im Bild-Interview die Verabschiedung von Trainer Adi Hütter und Sportdirektor Fredi Bobic: "Wir haben zusammen eine sehr erfolgreiche Zeit erlebt, da gibt es keinen Grund, anders zu handeln. Ich sitze hier mit 60 Punkten, so was habe ich noch nie als Präsident erlebt. Silva hat den Torrekord gebrochen, wir haben die Top-Vereine alle mal geschlagen, kein Heimspiel verloren."

"Aber ich sitze trotzdem auch mit ambivalenten Gefühlen hier", fügt Fischer hinzu. Der Grund ist klar: Vor einigen Wochen war die Eintracht in der Bundesliga klar auf Champions-League-Kurs, doch brach dann noch ein und spielt kommende Saison doch "nur" in der Europa League. Im Zusammenhang steht das wohl auch mit der Wechsel-Ankündigung von Hütter, der zu Borussia Mönchengladbach geht. Danach verspielte die SGE Rang vier.

SGE hat über Hütter-Rauswurf diskutiert

"Wir haben natürlich diskutiert: 'Schmeißen wir ihn raus'", gibt Fischer zu: "Aber wenn wir mit einem neuen Trainer auch so gespielt hätten wie es eben der Fall war, würden sie mir jetzt den Pass weg nehmen. Es war eine schwierige Kiste. Und ich schwöre, es gab keinerlei Indizien, dass es Probleme gab. Keiner hat mir gesagt: 'Es geht nicht mehr mit Hütter.'"

Peter Fischer
Peter Fischer. / Alex Grimm/Getty Images

Hütter habe die Champions League unbedingt gewollt: "Er sagte: 'Ich würde meinen rechten Arm dafür geben.' Ich hätte mir für ihn den roten Teppich gewünscht, den wir ihm ausgerollt hätten. Er ist auch keiner, der sich schon ständig mit Gladbach befasst hat."

Zu Hütters Ankündigung Ende Februar, in Frankfurt bleiben zu wollen, äußert sich Fischer auch: "Dass Hütter Ende Februar 'Ich bleibe' sagte, lag an uns. Dazu haben wir ihn gedrängt. Da gab es auch noch kein Gladbach. Dass er dann anders entschieden hat, liegt, glaube ich, nicht am Abgang von Bobic. Fredi und er, das hat ja nicht immer so toll funktioniert."

Die Gründe für Hütters Rolle Rückwärts sieht Fischer eher bei der "Angst vor der Fallhöhe" bei der Eintracht: "Wenn du plötzlich in der Champions League in einer Mörder-Gruppe spielst, dazu die schweren Aufgaben in der Liga, dann der Reisestress, kaum Training. Der Respekt davor war bei ihm schon sehr groß. Dass ich wegen seines Ja-Nein genauso sauer bin wie die Fans, ist klar. Weil es ein Zeichen dafür ist, wie toxisch dieses Gewerbe inzwischen ist, mit soviel Unehrlichkeit." Das Thema Gladbach sei aber erst danach aufgekommen.

Theater um Bobic ging Fischer "auf die Eier"

Etwas anderes dagegen war es bei Fredi Bobic. "Das langgezogene Fredi-Theater ging mir manchmal schon furchtbar auf die Eier, um es sehr deutlich zu sagen", stellt Fischer klar: "Unglaublich, was es da für Märchenerzählungen gegeben hat. Was da wer wann wie gesagt hat. Ich habe Fredi nach der Aufsichtsratssitzung, als wir uns über die Auflösung geeinigt hatten, angeboten, dass wir mit Stil auseinander gehen, im Sinne unserer Vereins-Kultur."

Fredi Bobic
Fredi Bobic wechselt zu Hertha BSC. / Pool/Getty Images

Fischer habe Bobic an die schönen Zeiten erinnert und wolle ein sauberes Verhältnis, wobei eine kleine Stichelei nicht fehlen durfte: "Ich habe ihm auch gesagt: 'Ich würde mir schon wünschen, dass Du die VIP-Räume in Sandhausen kennenlernst.' Das ist böse und nicht professionell, ich weiß. Es passt auch gar nicht zu mir, aber das musste ich ihm gegenüber einfach loswerden." Bobic würde schon seit sechs Wochen in Berlin leben und sei nur noch zu den Spielen gekommen. Das sei der große Unterschied zu Hütter, der bis zuletzt voll auf die Frankfurter konzentriert war.

"Haben uns mit Personalentscheidungen immer verbessert"

Ab jetzt beginnen für Fischer und die SGE die Planungen für die kommende Saison. "Bisher haben wir uns mit Personalentscheidungen und den daraus resultierenden Konsequenzen immer verbessert", stellt Fischer klar und ist sich sicher, dass es auch diesmal mit dem neuen Sportchef Markus Krösche gelingen wird: "Wir sind überzeugt, es passt. Ich denke, jeder weiß, dass wir kein Abo auf die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb haben, aber wir sind mittlerweile soweit, dass wir immer um diese Plätze mitspielen können. Darauf können wir stolz sein, aber darauf können wir auch aufbauen."