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Infantino verblüfft mit eigener Rechnung: Drei statt tausende Todesfälle bei WM-Bauarbeiten

Dominik Hager
Gianni Infantino hat mal wieder mit kuriosen Aussagen für Aufmerksamkeit gesorgt
Gianni Infantino hat mal wieder mit kuriosen Aussagen für Aufmerksamkeit gesorgt / FRANCOIS-XAVIER MARIT/GettyImages
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Kuriose Aussagen von FIFA-Präsident Gianni Infantino ist man ja ohnehin bestens gewohnt. Nun hat der Schweizer wieder mit fragwürdigen Worten zu den Arbeitsmigranten im WM-Gastgeberland Katar die Gemüter erhitzt.


Die WM aus Katar ist aus vielerlei Gründen in der Kritik, die gar nicht alle aufgezählt werden können. Einen Hauptkritikpunkt stellten aber insbesondere die als unmenschlich geltenden Arbeitsbedingungen für die Bauarbeiter an den WM-Arenen dar.

Rätselraten um Todeszahlen bei Stadienbauten: 15.000 oder drei?

Medienberichte zufolge sind 6.000 Menschen im Rahmen der Stadienbauten gestorben. Amnesty International berichtete sogar von mehr als 15.000 Gastarbeitern, die für die WM ihr Leben lassen mussten. Die genaue Anzahl zu berechnen ist wahrscheinlich unmöglich, jedoch erklärte der Report, dass viele zuvor völlig gesunde Menschen aufgrund des Stresses oder der extremen Temperaturen zu Tode kamen, was klar mit den Arbeitsbedingungen im Zusammenhang steht.

Man kann nur darüber spekulieren, welche Zahlen richtig sind, jedoch sind diese zweifellos ein zu hoher Preis für eine WM. Umso spannender ist es, dass Gianni Infantino von einer ganz anderen Zahl an Todesfällen spricht. Der FIFA-Präsident glaubt an lediglich drei Todesfälle, die es insgesamt nur auf WM-Baustellen gegeben haben soll. "Es sind nicht 6.000. 6.000 könnten es in anderen Bereichen sein", erklärte er im Rahmen einer Konferenz in der USA.

Infantino eckt an und zieht kuriosen Vergleich zu seiner Familie

Realistisch klingt das alles natürlich nicht. Leider bringt es den Opfern auch nur wenig, wenn sie vielleicht nicht direkt auf der Baustelle, dafür aber auf dem Weg davon ins Krankenhaus verstorben sind. Infantino versucht wieder mal etwas zu beschönigen, wo es nichts zu beschönigen gibt. Tatsächlich ist es vielmehr ein blanker Hohn, wie der FIFA-Boss über die vielen Opfer redet.

Infantino hatte mit seiner Schönrederei aber noch lange nicht fertig und verglich die Situation der Gastarbeiter mit der seiner eigenen Familie. “Wir dürfen eine Sache nicht vergessen, wenn wir über dieses Thema sprechen. Meine Eltern sind aus Italien in die Schweiz ausgewandert. Wenn man jemandem Arbeit gibt, auch unter harten Bedingungen, verleiht man ihm Würde und Stolz", erklärte er.

Na also, Gutmensch Infantino hat Tausenden von Menschen geholfen, endlich Würde und Stolz zu erfahren. Damit hat sich das Projekt natürlich gelohnt. Das ist natürlich alles Unsinn. Wo genau die Menschenwürde geblieben ist, wenn man pausenlos bei 50 Grad in der Sonne arbeiten muss, sollte uns Infantino mal genauer erklären.

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