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International

Schluss mit dem FFP: UEFA plant Gehaltsobergrenze mit Luxussteuer

Simon Zimmermann
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin will eine Gehaltsobergrenze einführen
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin will eine Gehaltsobergrenze einführen / ANDREAS SOLARO/Getty Images
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Ist eine Gehaltsobergrenze die letzte Ausfahrt, um den Profi-Fußball zu retten? Viele würden darauf mit 'Ja' antworten. Die UEFA will nun tatsächlich Pläne verabschieden, die über das aktuelle Financial Fairplay hinausgehen.


Die Fußballwelt befindet sich längst in einem anderen Universum. Die Corona-Krise scheint die Superreichen jedenfalls nicht im Geringsten zu stören. Der aktuelle Transfer-Sommer gilt als schlagkräftiger Beweis. In Paris wurde ein Dream Team zusammengebastelt, in Manchester und Chelsea für einen Spieler weit über 100 Millionen Euro ausgegeben.

So wie Julian Nagelsmann dürfte es dabei den allermeisten Fußballfans gehen. "Ich reibe mir verwundert die Augen", erklärte der Bayern-Coach angesichts des Messi-Transfers zu PSG und der Frage, wie in Paris die Regeln des Financial Fairplay eingehalten werden können.

FFP ist gescheitert - Rufe nach Gehaltsobergrenzen werden laut

Das FFP wurde vor elf Jahren eingeführt - in der frommen Hoffnung, den Profi-Fußball regulieren zu können. Nach über einer Dekade muss man klar festhalten: es ist gescheitert! Und so werden Rufe nach Salary Caps und Gehaltsobergrenzen wieder lauter. Oliver Kahn hatte zuletzt zwei konkrete Vorschläge für einen Salary Cap parat. Vorgänger Karl-Heinz Rummenigge die Idee, die Gehaltsausgaben an die Einnahmen zu koppeln. 50 Prozent der Einnahmen für Gehälter wären nach Rummenigges Dafürhalten ein guter Richtwert.

Und tatsächlich scheint sich bei der UEFA etwas zu tun. Wie die Times berichtet, gibt es bereits konkrete Pläne, um die Spielergehälter künftig zu regulieren. Vorgestellt werden sollen sie auf einem Kongress im September, an dem nationale Verbände, Ligen, Vereine, Spieler und Agenten teilnehmen werden. Bei diesem Treffen soll auch erörtert werden, wie die Gefahr einer European Super League abgewehrt werden kann.

Rummenigge light: UEFA plant Gehaltsobergrenze

In Sachen Gehaltsobergrenze soll bereits ein konkreter Richtwert ausgearbeitet worden sein. Ganz soweit wie bei Rummenigges Rechnung geht dieser aber nicht. 70 Prozent der Einnahmen sollen demnach künftig für Spielergehälter zur Verfügung stehen. Eine Regelung, mit der auch die EU-Kommission einverstanden sein soll und die dem europäischen Recht vereinbar wäre.

Gehandhabt werden soll die neue Gehaltsobergrenze, die schon ab 2022 eingeführt werden und zunächst für drei Jahre gelten soll, ähnlich wie in den US-Ligen MLB und NBA. Die Superreichen könnten so über die Grenzen hinaus wirtschaften, müssten dann aber eine Luxussteuer bezahlen. Diese Strafzahlungen würden dann in einen Pool fließen und den Klubs zugute kommen, die sich an die Regeln halten. Als anschauliches Beispiel: Für jeden Gehalts-Euro den ein Klub über der Grenze hinaus zahlt, müsste ein zusätzlicher Euro als Luxussteuer bezahlt werden.

Dauerhaft soll man aber nicht über der Grenze bezahlen dürfen. Die UEFA will bei Wiederholungstätern auch sportliche Sanktionen durchführen, bis hin zum Ausschluss von europäischen Wettbewerben.


Die UEFA-Pläne zusammengefasst

  1. Gehaltsobergrenze: 70 Prozent der Einnahmen dürfen für Gehälter ausgegeben werden
  2. Luxussteuer: Alle Gehaltszahlungen über der 70-Prozent-Grenze werden mit einer Strafzahlung sanktioniert. Bleibt ein Klub längerfristig über der Grenze, will die UEFA weitere Sanktionen - auch im sportlichen Bereich - verhängen

Die 70-Prozent-Marke wird aktuell bereits in La Liga angewendet. Sie war ein Grund dafür, dass sich es Barça nicht leisten konnte, Lionel Messi wieder unter Vertrag zu nehmen. Paradox: In Frankreich sollte sie ebenfalls eingeführt werden, wurde wegen Corona aber verschoben.


Gehen die UEFA-Pläne weit genug? UEFA-Präsident macht sich keine Illusionen

Ob eine solche Reform tatsächlich den gewünschten Effekt erzielen würde, bleibt zumindest fraglich. Schlupflöcher, um die Einnahmenseite zu manipulieren, dürften auch weiterhin gefunden werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin macht sich auch keine Illusionen, dass damit die Schere zwischen den Superreichen und den restlichen Klub kleiner wird: "Ich glaube nicht, dass wir diese Lücke vollständig schließen oder auch nur verkleinern können. Aber wir können ihr Wachstum zumindest ein wenig verlangsamen."

Einen größeren Effekt könnte eine feste Gehaltsobergrenze haben, selbst auf einem sehr hohen Niveau. So könnten Tricks bei Sponsoreneinnahmen eingedämmt werden. Problem hierbei ist aber das europäische Recht. Die EU-Kommission würde eine solche Regelung wohl ablehnen.

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