Bayern München

FC Bayern: Rummenigge über Messi und den "Dämon namens Transfermarkt"

Christian Gaul
Karl-Heinz Rummenigge fordert strengere Regulierungen
Karl-Heinz Rummenigge fordert strengere Regulierungen / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Karl-Heinz Rummenigge übt erneut scharfe Kritik am bestehenden Financial Fairplay. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern warnt dabei vor den drohenden Problemen der unbegrenzten Investitionen vieler Klubs.


"Der Fußball hat sich nicht nur seit dem Bosman-Urteil verändert, es gibt viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir einen Dämon namens Transfermarkt erschaffen haben. Das Gesamtvolumen der globalen Transfers lag vor Corona 2019 bei sieben Milliarden Dollar. Wir müssen alle, insbesondere auch der deutsche Fußball, großes Interesse haben, Regularien zu finden. Sonst wird der deutsche Fußball international auf Sicht abgehängt", so Rummenigge im Interview mit der SportBild.

Grund für diese neuerliche Forderung des 65-Jährigen, endlich eine Regelung für die absurden Ausgaben mancher Klubs zu finden, sei besonders der englische Markt.

"Im Moment hat man den Eindruck, dass die Engländer am Transfermarkt weitermarschieren, als hätte es Corona nie gegeben. Das ist ihnen aus zweierlei Gründen möglich: Zum einen gibt es dreimal so hohe TV-Einnahmen wie in der Bundesliga. Zum anderen befinden sich schwerreiche Besitzer im Hintergrund, die Geld nachschießen und Corona möglicherweise sogar zu ihren Gunsten ausnutzen können. Wir brauchen demnach ein internationales Regulativ", fordert der Münchner Manager weitere Grenzen für scheinbar bodenlose Geldquellen.

Eine mögliche Lösung könnte dabei eine Reform der bestehenden Richtlinien sein, welche zudem - anders als in der Vergangenheit - konsequent angewandt werden soll.

Prozentuale Regelung und konsequentes Durchgreifen erforderlich

"Wir haben nun Financial Fairplay 2.0. Aber ich betone: Wir brauchen die Version 3.0, welche einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet. Manchester City bekam 2020 vor dem CAS einen Freispruch allererster Güte. Für die Statuten war das der Worst-Case. Man muss nicht wild um sich schießen, aber ein paar kleine Details verändern", erinnerte Rummenigge an das Urteil des europäischen Sportgerichtshofes, bei dem City von einer "Verjährung" profitierte.

Dem Bayern-Macher schwebt als mögliche Lösung eine prozentuale Grenze vor, die es einzuhalten gilt.

"Man kann mit einem Prozentsatz arbeiten: Beispielsweise, dass nur 50 Prozent vom Umsatz in Gehälter investiert werden darf. Diese Regelung könnte sich individuell an den Vereinen orientieren, die Größenordnung wäre von Klub zu Klub variabel. Es muss hier klare Bestimmungen für alle geben, die nicht mehr durch irgendwelche Tricks oder Hintertürchen umgangen werden können", verwies Rummenigge abermals auf die bestehenden Verhältnisse.

Lionel Messi
Auch Lionel Messi freut sich über zahlungskräftige Investoren / STEPHANE DE SAKUTIN/Getty Images

"Die Schere entwickelt sich nicht zugunsten der traditionell wirtschaftenden Klubs. Der FC Bayern kann sich Transfers in dieser Größenordnung nicht erlauben, da sich die Gehälter trotz Corona nach oben entwickeln. Das bedaure ich sehr, es erscheint auch absurd, aber der Markt regelt den Preis! Die Spieler gehen in der Regel dorthin, wo sie das meiste Geld verdienen können", erklärte Rummenigge auch, weshalb der FC Bayern von einem Angebot für den nun zu PSG wechselnden Lionel Messi absah.

"Finanziell wäre das eine Größenordnung gewesen, die für Probleme gesorgt hätte - vor allem in der Kabine: Heute bleibt ja nichts mehr geheim, die Spieler wissen fast genau, was ihr Sitznachbar verdient. Das Gehaltsniveau wäre bei uns, so wie es bei Barcelona passiert ist, über Messi nach oben gezogen worden", sprach Rummenigge einen weiteren Punkt an.

Denn wird nicht endlich eine verbindliche Regelung getroffen, dann wird sich die Spirale immer weiter nach oben drehen - und noch mehr Fans werden dem Sport den Rücken zukehren.

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