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Planstelle Innenverteidigung: Der FC Bayern hat vier Optionen

Dominik Hager
Es läuft nicht immer rund: Bekommen Upamecano, Pavard und Hernández noch einen weiteren Konkurrenten
Es läuft nicht immer rund: Bekommen Upamecano, Pavard und Hernández noch einen weiteren Konkurrenten / Sebastian Widmann/GettyImages
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Der FC Bayern scheint inzwischen doch gewillt zu sein, einen neuen Abwehrspieler zu verpflichten. Offenbar überwiegt die Unsicherheit darüber, ob Upamecano, Hernández, Pavard und Nianzou wirklich den qualitativen und quantitativen Ansprüchen gerecht werden können. Der Blick auf den Markt lässt jedoch erkennen, dass die Münchner mit ihrem Vorhaben wohl ein wenig spät dran wären.


Die Suche nach einem neuen Innenverteidiger dürfte sich für die Münchner noch ein wenig schwieriger gestalten. Berichten der der tz zufolge suchen die Bayern vorrangig einen deutschsprachigen Spieler für die Innenverteidigung.

Dabei stößt man jedoch auf das Problem, dass die interessantesten deutschsprachigen Abwehrspieler vergriffen sind. Mit Niklas Süle hat man den derzeit stärksten auch noch selbst verloren. Zudem konnten die Bayern auch nicht entscheidend in den Rüdiger-Poker eingreifen und haben durch zu zögerliches Verhalten auch noch den Schlotterbeck-Transferfight gegen Dortmund verloren. Selbst Matthias Ginter ist inzwischen vergriffen.

Kaum noch deutschsprachige Alternativen: Akanji und Kehrer eine Option?

Alternativen sind also rar gesät. Eine Möglichkeit wäre noch Manuel Akanji, der durchaus ein kompletter Verteidiger mit gutem Aufbauspiel ist. Als Bayern-Abwehrchef kann man sich den Schweizer aber auch nicht wirklich vorstellen. Gleiches trifft auf Thilo Kehrer zu, der zumindest als Innenverteidiger auch hinter den Leistungen von Akanji liegt. Ein Zwischending aus Innen- und Rechtsverteidiger hat man zudem in Person von Pavard schon. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der FC Bayern auf Spieler wie Can oder Elvedi zurückgreift. Dann vielleicht schon eher ein Talent wie Thiaw. Der 20-jährige Schalker gehört definitiv zu den hoffnungsvollsten deutschen Spielern auf der Innenverteidiger-Position. Eigentlich haben die Münchner aber ja schon in Form von Nianzou einen Youngster, den es aufzubauen gilt.

An Nianzou scheinen aber ziemlich alle Planungen zu hängen. Die Bayern haben wohl ein wenig darauf gebaut, dass der Youngster schon weit genug ist, um im kommenden Jahr eine echte Alternative zu sein. Daher agierten die Bayern auf dem Markt zuletzt wohl auch so passiv. Die schwachen Leistungen des Spielers in den letzten Matches lassen nun aber wieder Zweifel aufkommen. Bei Julian Nagelsmann waren diese wohl ohnehin nie weg.

In Summe haben die Bayern nun vier Optionen, wie man in der Innenverteidigung verfahren kann:

1. Man holt einen richtigen Abwehrchef

Beim FC Bayern stellt sich die Frage, wer die Abwehr anführen kann. Die Führungsspieler sind überall auf dem Feld verteilt, nur nicht in der Verteidigung. Eigentlich müsste diese Rolle Hernández zufallen. Der Spieler hat inzwischen einiges an Erfahrung gesammelt, ist drei Jahre im Klub und leistungstechnisch der stärkste Innenverteidiger. Der Franzose ist zwar einer, der aggressiv dazwischen hauen kann und somit Zeichen sendet, jedoch nicht der große Kommunikator auf dem Platz. Upamecano ist noch zu sehr mit sich selbst und seinen Fehlern beschäftigt und würde auch noch Jahre brauchen. Pavard ist ebenfalls mehr Mitläufer als Führungsspieler.

Spieler, die wirklich Münchens neuer Abwehrchef werden könnten, gibt es nur wenige. Eine Option wäre Bremer vom FC Turin. Der Brasilianer hat zwar praktisch ausschließlich Serie-A-Erfahrung, absolviert jedoch eine glänzende Saison und kann voran gehen. Ob er das auf Anhieb auch beim FC Bayern kann, ist die Frage.

Eine sicherere Nummer wäre Matthijs de Ligt. Der Juve-Profi war bereits im Alter von 18 Jahren Abwehrchef bei Ajax und gehört zu den Top-Verteidigern, wenngleich er es nicht immer zeigen kann.
Bislang konnte Juve den 2024 auslaufenden Vertrag mit dem Spieler nicht verlängern und soll verkaufsbereit sein, wenn der Holländer einer Verlängerung nicht zustimmt. Hier könnte sich also eine Chance ergeben, allerdings eine enorm und wahrscheinlich zu teure.

Womöglich ginge auch etwas bei Koulibaly. Der Neapel-Star hat nur noch bis 2023 Vertrag und wäre genau der richtige Spielertyp. Allerdings ist er schon 30 Jahre alt. Man könnte jedoch zwei, drei Jahre auf den Senegalesen setzen und dann auf Nianzou hoffen.

2. Man holt einen Spieler für die Kaderbreite

Bei Tanguy Nianzou könnte durchaus eine Leihe zum Thema werden. Doch auch unabhängig davon muss man überlegen, ob die Anzahl an Innenverteidigern reicht. Immerhin spielt Nagelsmann auch gerne mit Dreierkette.

Fährt man diesen Plan, würde man einen Spieler holen, der einigermaßen günstig, aber nicht unbedingt besser als das aktuelle Personal ist. Mit Ginter hat man es verpasst, einen ablösefreien Spieler zu holen, der dieser Rolle hätte gerecht werden können. Mit dem Mainzer St. Juste hat man auf einen noch etwas passenderen Spieler ebenfalls verzichtet, der auch nur zehn Million Euro gekostet hätte.

Nun könnte man womöglich einen Spieler wie Akanji holen, der aber natürlich schon ein wenig Geld kosten würde. Ein weiterer Kandidat wäre der bereits genannte Kehrer oder aber auch eine Rückkehr vom derzeit verliehenen Chris Richards. Der Spieler soll laut kicker-Angaben nächstes Jahr im Bayern-Kader stehen.

Womöglich ginge auch was bei Joe Gomez, der wohl ebenfalls in der Kategorie "Spieler für die Katerbreite" anzusiedeln wäre. Der Engländer ist beim FC Liverpool derzeit nur Innenverteidiger Nummer vier. Zwar wollen die Reds verlängern, jedoch sind die Wünsche des Spielers noch unklar.

3. Man holt ein vielversprechendes Abwehr-Talent

Entscheidet man sich für diese Option, wäre es natürlich ein Nackenschlag für Tanguy Nianzou. Man muss sich aber schon die Frage stellen, ob nicht stärkere Talente auf dem Markt zu finden sind.

Der Ajax-Youngster Jurrien Timber ist defintiv schon viel weiter als der Franzose und könnte der Abwehr schon jetzt helfen. Der Niederländer wurde in den letzten Wochen mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht, wäre aber ebenfalls alles andere als günstig. Ajax-Experte Bart Veenstra vom niederländischen Portal Ajax Showtime mutmaßt, dass der bis 2024 gebundene Abwehrspieler nicht unter 30 bis 40 Millionen Euro zu haben wäre.

Der Leipziger Gvardiol wäre auch ein Kandidat, wenngleich RB wohl kaum auf ein Angebot eingehen würde. Der Frankfurter Evan N'Dicka ist auch erst 22 Jahre alt und würde ebenfalls in die Kategorie passen. Der deutsche Markt bietet zudem Malick Thiaw. Der 20-Jährige dürfte jedoch noch eine ganze Zeit brauchen und es ist auch nicht ganz klar, ob er Bayern-Potenzial mitbringt.

4. Man belässt alles beim Alten

Aufgrund der Tatsache, dass Benjamin Pavard zukünftig wieder als Innenverteidiger eingeplant ist, hat man zumindest drei gestandene zentrale Abwehrspieler. Dies ist schon mal eine sehr solide Basis. Mit Tanguy Nianzou kommt ein vierter Spieler hinzu, der gefördert werden soll.

Im Falle einer Viererkette lässt sich relativ eindeutig sagen, dass das quantitativ schon ausreichend wäre. Agiert Nagelsmann aber mit drei Innenverteidigern, wird es schnell mal eng. Mit ein wenig Verletzungspech hat man sofort eine Baustelle. Denken wir nur an den FC Liverpool der Vorsaison. Sicherlich würde man sich Geld sparen, wenn man auf einen neuen Abwehrspieler verzichtet. Dies könnte helfen, wenn man dann doch einen hochkarätigen Lewandowski-Nachfolger verpflichten müsste.

Nimmt man Richards zurück, hätte man zumindest definitiv genug Spieler. Qualität würde nicht hinzukommen, jedoch muss der Klub wohl auch an irgendeiner Stelle Abstriche machen. Ob die Abwehr der richtige Ort dafür ist, bleibt diskutabel.


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