Bayern München

Hermann Gerland adelt "falsch beurteilten" Jérôme Boateng: "Ein Weltklasse-Mann"

Dominik Hager
In der kommenden Saison müssen die Bayern auf Jérôme Boateng und Hermann Gerland verzichten.
In der kommenden Saison müssen die Bayern auf Jérôme Boateng und Hermann Gerland verzichten. / Sebastian Widmann/Getty Images
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Der FC Bayern hat nach der abgelaufenen Spielzeit eine ganze Reihe an verdienten Spielern und Mitarbeitern verabschiedet. Neben David Alaba, Javi Martínez und Jérôme Boateng stehen auch Hansi Flick, Miroslav Klose und Hermann Gerland nicht mehr im Dienste der Münchner. Beinahe am wenigsten im Blickpunkt stand dabei ausgerechnet der Dienstälteste. Gerland war schließlich stolze 25 Jahre für die Bayern tätig. Im BILD-Podcast "Phrasendräscher" kommt der 67-Jährige nochmal auf Jérôme Boateng zu sprechen, den er für absolut unterschätzt hält.


Es ist schon erstaunlich, dass Jérôme Boateng nach derart starken eineinhalb Jahren bei den Bayern vor die Tür gesetzt worden ist und auch von Bundestrainer Joachim Löw ignoriert wurde. In erster Linie hat der 32-Jährige vermutlich einfach Pech, dass die "falschen Leute" die Entscheidungen treffen mussten. Hätte Hermann Gerland bei den Bayern oder beim DFB etwas zu entscheiden, wäre die Situation für den zweimaligen Triple-Gewinner vermutlich eine andere.

Gerland spricht sich pro Boateng aus: "Leistung war top, top"

"Jérôme Boateng wird ein wenig falsch beurteilt. Er ist ein Weltklasse-Mann", kritisiert Gerland, der insbesondere von der Spieleröffnung des Innenverteidigers angetan ist. "Er hat eine überragende Spieleröffnung. Wenn ich sehe, wie Mats Hummels, David Alaba oder Jérôme Boateng das Spiel eröffnen, dann ist das sensationell. Natürlich kommt auch mal ein Fehlpass. Wenn Jérôme aber einen spielt, dann geht der nicht über eine, sondern über drei Stationen. Der wird dann aber vom Torwart abgefangen und ist ungefährlich. Wenn ich aber einen Pass eine Station weiterspiele und der wird abgefangen, ist man in Not", vergleicht das Münchner Urgestein.

In puncto Spielaufbau droht den Bayern in der nächsten Saison ein ordentlicher Qualitätsverlust, weshalb sich viele die Frage stellen, ob Boateng nicht doch gehalten werden hätte müssen.

"Ich will doch jetzt kein böses Blut", antwortet Gerland auf die Frage, ob die Bayern mit der Ausbootung ein Fehler gemacht hätten. "Aber Jérôme Boateng ist ein exzellenter Innenverteidiger. Andere sehen das anders, aber ich bewerte die Leistung und die war top, top im letzten Jahr", stellt er klar.

Hierbei kann man dem langjährigen Münchner eigentlich gar nicht widersprechen. Tatsächlich wurde jedoch auch von Joachim Löw oder Hasan Salihamidžić nicht die Leistungsfähigkeit des Spielers bemängelt, sondern dessen Alter und Verletzungsanfälligkeit.

Statistik beweist: Boateng körperlich stabil

Nachzuvollziehen ist das aber nur bedingt. Der Abwehrspieler ist 32 Jahre alt und hatte eine Zeit, in der er anfällig war und niemand wusste, wie lange er durchhält. Allerdings haben sich seine Probleme in der letzten Runde absolut minimiert.

Boateng hat in der abgelaufenen Bundesliga-Saison 29 Spiele und 2.367 Spielminuten absolviert. Lediglich Manuel Neuer, David Alaba, Thomas Müller und Robert Lewandowski standen beim Rekordmeister länger auf dem Feld.

Gerade bei einem Systemwechsel auf Dreierkette könnte man den Verteidiger in München durchaus nochmal vermissen. Derzeit steht dieser schließlich, wie es scheint, voll im Saft und ist bereit, noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau zu spielen. Vielleicht sehen wir Boateng unter Flick, der wie Gerland großer Fan des Spielers ist, ja sogar wieder in der Nationalmannschaft. Verdient hätte es der Routinier allemal.

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