Bayern München

Nagelsmanns Umgang mit der Kritik: Das Warten auf die Rückkehr der Effizienz

Simon Zimmermann
Julian Nagelsmann versucht immer zu reflektieren
Julian Nagelsmann versucht immer zu reflektieren / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Die Kritik der letzten Wochen ist nicht spurlos an Julian Nagelsmann vorbeigegangen. Der Bayern-Coach hat in der Länderspielpause alles hinterfragt. In der Analyse kam er zwangsläufig zu einem Schluss: die Bayern standen sich meist selbst im Weg.


Vier Spiele, drei Punkte - so lautet die jüngste Bilanz des FC Bayern in der Bundesliga. Von den Krisen-Bayern war unter Fans und in den Medien häufig die Rede. In der Tat ist Tabellenplatz fünf - und sei es nach erst sieben Spieltagen - nicht der Anspruch des Rekordmeisters.

Zahlen fand man dieser Tage genug, um die Krise zu verdeutlichen: Mit der 0:1-Pleite in Augsburg hat der FC Bayern den schlechtesten Saisonstart seit 2010/11 hingelegt. Erstmals seit 87 Spielen konnten die Bayern keinen eigenen Treffer erzielen. Vier Sieglos-Spiele in Serie gab es letztmals 2001. Saisonübergreifend konnte man in der Bundesliga nur drei der letzten zehn Duelle für sich entscheiden.

"Ich freue mich für Union, weil es ein sympathischer Verein ist. Am Payday wollen wir trotzdem vor ihnen stehen!"

Jullian Nagelsmann

Nagelsmann-Analyse der letzten Wochen

In München an der Säbener Straße war es Zeit, um in die Analyse zu gehen und "alles zu hinterfragen". Die Länderspielpause bot den Rahmen dafür. Vor dem Duell gegen Leverkusen am Freitag nahm Nagelsmann dann Stellung und nannte Punkte seiner detaillierten Analyse.

"Wir müssen nicht alles umkrempeln", sei eine der Erkenntnisse gewesen. Inhaltlich habe er zwar vieles herausgearbeitet, "extrem neu" sei das aber nicht gewesen.

"Wir haben glaube ich 93 Torschüsse in den letzten vier Spielen gehabt. Wir hatten Anfang der Saison eine Großchancenverwertung von 76%, jetzt sind wir so bei 20%. Wir haben einfach ein paar Situationen nicht so genutzt, wie wir sie nutzen können", so die Nagelsmann'sche Formel für die schlechten Bundesliga-Ergebnisse der vergangenen Wochen.

Um ganz deutlich zu werden: Man muss dem FCB-Trainer hier absolut recht geben! Die Chancenverwertung war der Hauptpunkt für die Ergebnis-Krise. Mit mehr Effizienz stünden die Bayern nun mit Sicherheit an der Spitze. Grund zur Panik sollte das generell nicht machen.

Dennoch ruft die mangelnde Chancenverwertung weitere Fragen auf. Die deutlichste natürlich: Braucht dieser Kader einen Weltklasse-Mittelstürmer wie es Lewandowski war. Die weiteren: Warum zeigte die Formkurve von Sadio Mané so sehr nach unten und was ist mit Serge Gnabry los?

"Ich hatte aber jetzt keine Rücktrittsgedanken."

Julian Nagelsmann

Kritik geht an Nagelsmann nicht spurlos vorbei

Fragen, die früher oder später einer Antwort bedürfen. Dass auch Julian Nagelsmann in die Kritik geriet und besonders unter dem Brennglas stand, ist im Fußballgeschäft üblich - beim FC Bayern in besonderem Maße. Spurlos an ihm vorbei ging die Kritik in den letzten Wochen nicht, gab er am Donnerstag zu:

"Dass mich die letzten zwei Wochen total kalt gelassen haben, wäre gelogen. Jeder muss persönliche Verantwortung spüren, die spüre ich auch. Aber ich bin auch nicht für alles verantwortlich. Ich bin ein ordentlicher Mensch und gehe mit den Spielern ordentlich um. Ich habe außergewöhnlich oft meinen Namen gelesen. Fußball ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens, aber als Mensch und für mein Lebensglück definiere ich mich darüber", so der FCB-Coach.

Nagelsmann weiter: "Ich hinterfrage mich immer, schaue abends in den Spiegel und überlege, was habe ich gut gemacht und was nicht. Ich mache mir Notizen auf einem Blatt Papier oder spreche ins Handy und versuche die Fehler am nächsten Tag nicht nochmal zu machen. Ich hatte aber jetzt keine Rücktrittsgedanken. Es ging einfach darum, dass ich einfach keine Lust habe, die Spiele nicht zu gewinnen, und dass ich am Zahltag wieder deutscher Meister werden will."

Subjektive Kritik an Nagelsmann: Der Bayern-Trainer braucht die Effizienz seiner Mannschaft

Klar ist, dass Nagelsmann nun Ergebnisse braucht, um sich von der ständigen Kritik zu befreien. Nach der Länderspielpause stehen nun bis Ende Oktober neun Pflichtspiele an. Darunter schon am 9. Spieltag der Klassiker gegen den BVB. Setzt sich die mangelnde Effizienz fort und die Bayern gewinnen nicht, gehen die Spekulationen um die Nagelsmann-Zukunft weiter.

Dass die Kritik am Trainer und am Team nicht immer objektiv ist, liegt an der Natur der Sache. Auf der PK am Donnerstag wurde Nagelsmann etwa gefragt, warum man in der Champions League und der Bundesliga zwei Gesichter gezeigt habe. Gegen Inter und Barça konnte man schließlich gewinnen.

Eine solche Bezeichnung würde sich aber rein an den Ergebnissen festhalten. Denn gegen Barça hatte der FC Bayern insbesondere in der ersten Hälfte durchaus Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Die Katalanen waren das bessere Team. Dank der effizienten Verwertung der Chancen in Hälfte zwei konnte man dennoch mit 2:0 gewinnen.

Und da wären wir wieder beim Kern des FCB-Problems: die Chancenverwertung! Es sollte vor allem an den Spielern liegen, wieder effizienter zu sein und somit auch wieder die entsprechenden Ergebnisse einzufahren. Dann - und nur dann - lösen sich die Fragezeichen fast schon von selbst auf. Andernfalls wird es richtig ungemütlich im Herbst an der Säbener.


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